Vor Duell seiner Ex-Clubs

Heiko Herrlich im RTL-Interview: „Rose ist es gewohnt, Erster zu sein“

© REUTERS, LEON KUEGELER, RC

18. Oktober 2019 - 19:37 Uhr

Von Sebastian Fuhrmann

Borussia gegen Borussia – so heißt das Topspiel der Bundesliga am Wochenende. Der Tabellenachte aus Dortmund empfängt Überraschungs-Spitzenreiter Mönchengladbach. Der selbsternannte Titelfavorit BVB steht im Duell gegen die Fohlen unter großem Druck. Heiko Herrlich kennt beide Vereine gut. Mit Gladbach gewann er 1995 den DFB-Pokal, mit Dortmund 1997 die Champions League. Im RTL-Interview analysiert Herrlich den Kracher zwischen seinen Ex-Clubs.

Borussia oder Borussia, wem trauen Sie mehr zu in der laufenden Spielzeit?

Herrlich: Dortmund hat vor der Saison klar als Ziel formuliert, dass man Deutscher Meister werden möchte. Die Mannschaft wurde mit vielen Spielern verstärkt und hat viel Qualität dazubekommen. Hummels, Brandt und so weiter. Ich traue den Dortmundern nach wie vor zu, dieses Ziel zu erreichen. Auch, wenn die Mannschaft nach sieben Spieltagen noch nicht dort steht, wo sie hin möchte. Solche Spiele wie gegen Union Berlin (1:3-Niederlage in Berlin, Anm. d. Red.), das darf einmal passieren in der Saison, dann aber nicht mehr.

Was macht Gladbach stark?

Herrlich: Gladbach hat einen neuen Trainer und eine spielstarke Mannschaft, da erkennt man schon eine klare Handschrift. Die Mannschaft erarbeitet sich viele Chancen, nach Ballverlusten gehen sie ins Gegenpressing, alle verteidigen gemeinsam.

Wie überraschend ist die Tabellenführung der niederrheinischen Borussia für Sie?

Herrlich: Zwei Punkte weniger und du bist Sechster. Da ist noch keine Mannschaft, die absolut vorangeht. Das ist alles noch dicht beieinander. Gladbach darf das genießen und sich freuen, aber mehr auch nicht. Auch Mönchengladbach hat in dieser Saison schon Spiele drin gehabt wie gegen Wolfsberg, das 0:4 ausging, gegen einen absoluten Underdog. Das zeigt, dass da die Einstellung ein Stück gefehlt hat. Und wenn die Einstellung nicht stimmt, hilft die beste Taktik nicht. Es werden auch Rückschläge kommen, die Mannschaft ist jung.

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Sind die Rollen Favorit und Außenseiter also klar verteilt?

Herrlich: Ich bin gespannt: Dortmund steht am Samstag unter enormem Druck. Gladbach will natürlich die Tabellenführung behaupten. Sie werden nicht dorthin fahren und sagen: Gut, jetzt waren wir mal auf dem ersten Platz. Marco Rose ist es durch seine Zeit in Salzburg gewohnt, Erster zu sein. Er will sich mit Mönchengladbach da auch halten.

Kann Gladbach für Dortmund und speziell Lucien Favre, um den es nach den mauen Ergebnissen der letzten Zeit unruhig geworden ist, ein Stolperstein sein?

Herrlich: Dortmund hat die Situation analysiert. In Frankfurt zum Beispiel hatten sie genügend Möglichkeiten, die sie nicht genutzt haben. Die Defizite der vergangenen drei Spiele, die nur Unentschieden endeten, sind benannt. Lucien Favre hat die Mannschaft letztes Jahr super auf Spur bekommen. Ich glaube, das wird ihm auch dieses Mal gelingen.

Wohin kann es in Gladbach gehen?

Herrlich: Sie haben in der vergangenen Saison die Europa League erreicht und den Trainer ausgetauscht. Ich denke, ihre Zielsetzung ist es, Richtung Champions League zu kommen. Die Mannschaft ist gut, die Spieler sind super, es gibt tolle Einzelspieler. Die Mannschaft muss sich definitiv nicht verstecken.

Einer davon ist Florian Neuhaus. Hat es Sie überrascht, dass er nicht für die Nationalmannschaft nominiert worden ist, obwohl es etliche Ausfälle gab?

Herrlich: Er hat eine super Entwicklung genommen. Ich kann mich daran erinnern, als wir mit Jahn Regensburg die Relegationsspiele um den Aufstieg in die Zweite Liga gegen 1860 München gespielt haben, da konnte man schon sehen, über welche Klasse er verfügt. Er hat alles, um eine große Karriere zu machen, er ist technisch stark, vielseitig, im Kopf unheimlich schnell. Den Rest muss Jogi Löw beurteilen.

Sieben Teams stehen in der Bundesliga mit 14 oder mehr Punkten da. Was sagt das über die Liga aus?

Herrlich: Es ist noch zu früh, um daraus Rückschlüsse zu ziehen. Jetzt zu sagen, dass die Qualität der Liga höher ist, weil so viele Teams oben mitspielen, oder sie schlechter ist, weil es nicht die dominanten Bayern gibt, das wäre einfach verfrüht. Aber sicher kann man sagen: Es wäre schön, wenn wir mal wieder einen anderen Meister hätten. Da sind wir uns doch alle einig. Nur nicht die in München.

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