Kein Ton zu Insolvenzverfahren

Tennis-Akademie in Hochheim: Boris Becker sucht den Superstar

9. November 2019 - 12:06 Uhr

Becker-Akademie soll 2021 öffnen

Boris Becker sucht mit einer neuen Tennis-Akademie den nächsten deutschen Grand-Slam-Sieger. Credo: Wo Becker draufsteht, soll auch Becker drin sein. Fragen zu seiner finanziellen Situation blockt der 51-Jährige konsequent ab.

Tennis-Ikone humpelt

Boris Becker humpelte angeschlagen und auf Krücken zu seinem Platz auf dem Podium. Aber nicht die erneuten Negativschlagzeilen zu seiner finanziellen Situation hatten ihm zugesetzt, vielmehr musste sich der dreimalige Wimbledonsieger kürzlich einer lange geplanten Knie-OP unterziehen - Spätfolgen seiner Tenniskarriere. In Wiesbaden spielten am Donnerstag weder das Geld noch das Knie eine Rolle, Becker sprach viel lieber über sein neues Projekt.

"Tennis lebt wieder in Deutschland"

Im benachbarten Hochheim soll im Frühjahr 2021 die "Boris Becker International Tennis Academy" eröffnen, die im Optimalfall einen neuen Becker oder eine neue Steffi Graf hervorbringen soll. "Ich glaube, dass Tennis in Deutschland wieder lebt und dass wir nicht immer den alten Zeiten nachweinen müssen", sagte Becker dem SID. Die Ausbildung eines neuen Superstars made in Germany könne man zwar "nicht garantieren, aber wir erhöhen die Wahrscheinlichkeit", sagte Becker.

Becker blockt alle Frage zu seinen Finanzen ab

Er wollte am Donnerstag nur über den Sport reden, Fragen zu den Finanzen blieben außen vor. Zuletzt war Becker aufgrund seiner wirtschaftlichen Situation erneut in die Schlagzeilen geraten. Die britische Insolvenzbehörde hatte am Dienstag mitgeteilt, dass bestimmte Auflagen gegen den 51-Jährigen bis zum 16. Oktober 2031 verlängert werden. Demnach habe Becker finanzielle Transaktionen vor und nach dem Insolvenzverfahren" von mindestens 4,5 Millionen Pfund (rund 5,2 Millionen Euro) nicht offengelegt.

In Wiesbaden blockte er alle Nachfragen zu diesem Thema ab, im Vordergrund stand sein neues Projekt. Auf 48.000 Quadratmetern entsteht ein Campus für talentierte Jugendliche aus aller Welt ab der 6. Klasse, die sich für die Aufnahme bewerben und an der Akademie auch ihr Abitur ablegen können. Teil des Areals werden neben zahlreichen Freiplätzen unter anderem ein Hotel, ein angegliedertes Boris-Becker-Museum und die mit 21 Plätzen größte Indoor-Tennishalle der Welt sein. Rund 20 Millionen Euro werden investiert.

"Wo Boris Becker draufsteht, muss auch Boris Becker drin sein"

07.11.2019, Hessen, Kastel: Der ehemalige Tennisspieler Boris Becker (l) steht nach der Pressekonferenz anlässlich der geplanten «Boris Becker International Tennis Academy» mit Investor Khaled Ezzedine zusammen. Die Tennisakademie soll in den kommend
Der Wiesbadener Immobilienunternehmer Khaled Ezzedine (r.) ist der Kopf hinter der Boris-Becker-Tennis-Akademie
© dpa, Boris Roessler, brx wst

Federführend verantwortlich für das Projekt ist der Wiesbadener Immobilienunternehmer Khaled Ezzedine, der selbst tennisbegeistert ist. Als Vorbild dienten die Akademie des spanischen Superstars Rafael Nadal auf Mallorca sowie die Einrichtung in Nizza. "Nachdem ich einmal mit Boris gesprochen habe, habe ich gemerkt, dass er die Idee als Visionär sofort verstanden hat", sagte Ezzedine. Auch Hobbyspieler sollen die Anlage nutzen können, zudem ist die Ausrichtung von Turnieren geplant.

Becker sieht sich bei dem Projekt vor allem als "Schirmherr. Wo Boris Becker draufsteht, muss auch Boris Becker drin sein", sagte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger. Er will seine Philosophie einbringen und mit den rund 30 Tennislehrerinnen und -lehrern im Austausch sein. Billig wird es für interessierte Eltern nicht. Für die sportliche und schulische Ausbildung ihres Kindes müssen sie wohl etwa 50.000 Euro im Jahr auf den Tisch legen.

SID