'Bopha' wütet auf Philippinen: Fast 300 Tote nach Taifun

05. Dezember 2012 - 19:41 Uhr

Hunderte Vermisste

Trotz Katastrophenwarnung und Vorbereitung auf das Schlimmste gab es auf den Philippinen kein Entrinnen vor der Wucht von Taifun 'Bopha'. Der schwerste Sturm der Taifunsaison hat auf der Insel Mindanao im Süden mehr als 270 Menschen das Leben gekostet. Eine gleich hohe Zahl wird noch vermisst, berichtete der Katastrophenschutz. 217.000 Menschen seien betroffen, 180.000 brauchten Hilfe. Mehr als 2.700 Häuser wurden beschädigt oder zerstört.

Taifun, Philippinen
Die Philippinen werden jedes Jahr von rund zwanzig Taifunen heimgesucht.
© dpa, Cai Panlilio

Mit Wirbelgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern in der Stunde wütete 'Bopha' auf dem Weg nach Norden, entwurzelte Bäume, riss Strommasten um und deckte Dächer ab. Heftiger Dauerregen weichte Böden und Hänge auf. Baumstämme, Schutt und Trümmer blockierten vielerorts den Abfluss des Wassers. Wenn der Druck zu groß wurde, entluden sich Sturzfluten mit gewaltigem Druck, die alles mitrissen: Häuser, Autos, Bäume und Menschen.

Viele der Opfer wurden unter Schlammlawinen begraben. Der Sturm ließ Flüsse über die Ufer treten. Nach Polizeiangaben wurden auch viele Felder zerstört. In den meisten betroffenen Gebieten fiel der Strom aus. Mittlerweile bewegt sich der Sturm auf Urlaubsorte in dem Land zu.

Die Philippinen, die auf halbem Weg zwischen Australien und Japan liegen, werden jedes Jahr von rund zwanzig Taifunen heimgesucht. Erst vor einem Jahr richtete der Tropensturm 'Washi' eine verheerende Verwüstung an, dabei kamen rund 1.500 Menschen ums Leben.

Drei Küstenorte von der Außenwelt abgeschnitten

Am schlimmsten betroffen war das Compostela-Tal 60 Kilometer Luftlinie landeinwärts von der Ostküste Mindanaos. "Das Wasser stürzte die Hänge herunter", sagte der Bürgermeister von New Bataan, Lorenzo Balbin, im Lokalradio. In dem Ort wurden allein 70 Leichen gefunden. So einen verheerenden Sturm habe es dort noch nie gegeben, sagte Lehrerin Floreliz Bantolinao der Zeitung. Die schockierten Einwohner mussten die Leichen unter freiem Himmel aufbahren. Vielen hingen die Kleider nur noch in Fetzen am Körper. Sie waren notdürftig mit Laken zugedeckt.

Die drei Küstenorte Baganga, Cateel und Boston, wo der Taifun auf Land kam, waren nach Angaben der Helfer vom Katastrophenschutz von der Außenwelt abgeschnitten. "Die drei Städte mit 150.000 Einwohnern sind isoliert, weil eine Brücke einstürzte", sagte Innenminister Manuel Roxas. Andere Straßen waren nach Angaben der Gouverneurin der Provinz Davao Oriental durch Bäume und Geröll versperrt.

Mit Baggern, Hacken und teils mit bloßen Händen versuchten Menschen überall den Rettern eine Passage zu bahnen. Überall waren Soldaten im Einsatz. Die Küstenwache und die Marine setzten Boote ein, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Dazu gehörten neben Nahrung und Kleidung auch Leichensäcke. "Die Menschen flehen uns unter Tränen um Hilfe an", sagte der Chef der Behörde für Katastrophenschutz, Benito Ramos. "Sie haben drei Grundbedürfnisse: Essen, Kleidung und Unterkunft."

Die Behörden hatten sich eigentlich auf das Schlimmste vorbereitet: Tausende Küstenbewohner waren in Sicherheit gebracht worden, die Schulen wurden geschlossen und die Menschen zur Wachsamkeit aufgerufen. "Aber es fühlte sich nicht so an, als sei ein Taifun im Anmarsch", sagte der Mitarbeiter der Bürgermeisterin von Mati City in einem Zeitungsinterview. "Erst, als der Wind um 03.00 Uhr morgens anfing, hat keiner mehr gewagt, etwas zu sagen. Solche Geräusche haben wir noch nie erlebt."