Boostedt: Politiker wegen ihrer Flüchtlingspolitik von Rechtsradikalen bedroht

6. Januar 2015 - 19:23 Uhr

Stellvertreterin des Bürgermeisters wurde angefahren

Im Schleswig-Holsteinischen Boostedt hat sich der Staatsschutz einschalten müssen, weil eine Gruppe aus Politikern um den Bürgermeister Hartmut König (CDU) Drohungen aus der rechten Szene erhalten hat. Hintergrund ist, dass in dem 4.600 Einwohner zählenden Ort ab März dieses Jahres rund 500 Flüchtlinge in einer eigens dafür umgebauten Kaserne untergebracht werden sollen. Dieses Vorhaben der Stadt versuchen Rechtsradikale offenbar mittels einer Hetzkampagne im Internet sowie durch Drohbriefe und –anrufe bei den zuständigen Politikern zu verhindern.

Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU)
Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU) wird immer wieder Opfer von verbalen Angriffen.

Aus einem Bericht des 'Hamburger Abendblatts' geht hervor, dass noch nicht klar sei, ob die Vorfälle einen politisch motivierten Hintergrund haben. Ein Sprecher der Polizei sagte der Zeitung: "Der Staatsschutz führt Ermittlungen, die stehen jedoch noch ganz am Anfang." Insbesondere Königs zweite Stellvertreterin, Marina Weber(FDP/FWB), lebt mittlerweile in Angst. Nachdem sie Anfang Dezember beim abendlichen Gassigehen mit ihrem Hund von einem Auto angefahren wurde, das kein Licht anhatte und anschließend flüchtete, ist sie aus Furcht vor weiteren Übergriffen über Weihnachten mit ihrer Familie in ein Hamburger Hotel gezogen. Ihr eigenes Haus in Boostedt erschien ihr zu unsicher. Auch der Staatsschutz hält einen fremdenfeindlich und politisch motivierten Hintergrund der Fahrerflucht für "denkbar", heißt es weiter.

Politiker wollen an ihrem Kurs festhalten

Bürgermeister König ist zwar beunruhigt ob der jüngsten Vorfälle, sieht sein Leib und Leben aber nicht in Gefahr. "Ich habe zwar verbale Angriffe erlebt und auch Briefe bekommen, in denen die Einrichtung der Erstaufnahmestelle mit persönlichen Beschimpfungen gegen mich kommentiert wurde. Aber ich habe keine Drohungen erhalten, die mein Leib und Leben bedrohen", sagte er dem 'Holsteinischen Courier'. Die rechtsradikalen Machenschaften im Internet und auf der Straße würden in keinem Fall die Einstellung der Boostedter Bürgerinnen und Bürger widerspiegeln.

Obwohl die NPD ihre Präsenz auf den Straßen Boostedts erhöht hat und dort regelmäßig Flugblätter mit Aufschriften wie "Boostedt vor der Asylflut retten!" verteilt, will auch Weber die Flüchtlingsunterkunft weiter unterstützen. "Ich lasse mir nicht alles gefallen. Die Flüchtlinge sind in Not und keine Neandertaler, wir können sie nur mit offenen Armen empfangen", wird sie vom 'Hamburger Abendblatt' zitiert. Abseits der derzeitigen Anfeindungen von rechts haben sich in Boostedt inzwischen auch Organisationen wie 'Willkommen in Boostedt' gebildet, die Flüchtlinge die Eingewöhnung und Integration erleichtern sollen, berichtet der 'Holsteinische Courier'.