Angezündet, misshandelt, im Teich ertränkt

Igel-Hasser quälen und töten in Bonn reihenweise Tiere

© Igelhilfe Bonn Rhein-Sieg

07. August 2020 - 10:11 Uhr

Von Nico Nölken

Das stachelige Geschöpf konnte sich vor der endlosen Gewalt einer mutmaßlichen Tierquäler-Bande nicht schützen. Junge Erwachsene sollen einem Igel in Bonn die verhornten Stacheln qualvoll ausgerissen haben, bis dem Tier der furchtbare Schmerz das junge Leben raubte. Doch es war nicht die einzige Tat dieser Art. Am Kardinal-Frings-Gymnasium werfen brutale Tierquäler die beliebten Stachelritter seit Wochen in den Teich, brechen ihnen die Knochen und misshandeln die wehrlosen Tiere. Mindestens zwei wurden getötet. Igelretter schlagen Alarm – doch Gegenmaßnahmen lassen auf sich warten.

Igel-Hasser in Bonn: Mindestens fünf Tiere grausam gequält

Wann reißt die Serie der gemeinen Taten am Kardinal-Frings-Gymnasium in Bonn endlich ab? Seit Wochen werden auf dem Schulgelände reihenweise Igel gequält. Die brutalen Tierhasser haben einem drei Wochen alten Igel-Baby die Stacheln ausgerissen, bis der teils nackte Rücken von Blut überströmt war. Für das Wildtier kam jede Hilfe zu spät. "Wir konnten es nur noch wärmen und ihm viel Liebe geben, bis es in unseren Händen starb", sagt Tierschützerin Nina Thiebes von der Igelhilfe Bonn Rhein-Sieg.

Ein anderes Tier ist im Schulteich ertrunken. Ein drittes Tier, dem das Bein gebrochen wurde, befindet sich bei einem Spezialisten in Mayen. Zwei weitere Igel wurden von einer Anwohnerin verletzt aufgefunden. Dabei sind die nachtaktiven Geschöpfe auf dem Schulgelände keine Unbekannten: Auf dem Areal der Schule befindet sich ihr natürlicher Lebensraum.

Unbekannte wollten kleinen Igel lebendig verbrennen

Das Tier hat die entsetzlichen Qualen nicht überlebt
Das Tier hat die entsetzlichen Qualen nicht überlebt
© Igelhilfe Bonn Rhein-Sieg

Fakt ist: Alle Igel sind gequält worden – in einem Zeitraum von nur 14 Tagen. Tierschützerin Nina Thiebes kümmert sich um zwei der drei Tiere, die überlebt haben. In ihrer Wäscherei hat sie einen Raum eingerichtet, in dem 25 gerettete Igel leben. Mit ihrem zehnköpfigen Team rettet sie seit vier Jahren die kleinen Geschöpfe auf eigene Kosten.

Doch auf den unerwarteten Zulauf hätte Thiebes gerne verzichtet. Eine aufmerksame Anwohnerin hatte sie letzte Woche alarmiert, nachdem ihr Sohn den Igel mit gebrochenem Bein in einer Mülltonne gefunden hatte. Er fand eine angebrannte Flasche in direkter Nähe zum Tier – ein Indiz dafür, dass die Täter das Tier verbrennen wollten.

Junge Erwachsene treiben ihr Unwesen

Wie Anwohner berichten, ist die Tierquälerei der traurige Höhepunkt einer problematischen Entwicklung. Sie beschweren sich über Lärm und Randalierer auf dem Schulgelände. Vom Drogenhandel sind sie genervt. Eine Gruppe junger Männer soll sich regelmäßig auf dem Areal treffen. Der Schulträger prüft jetzt, welche Maßnahmen ergriffen werden könnten. Als erster Schritt sind bereits Überwachungskameras installiert worden, die laut Nina Thiebes aber größtenteils Attrappen sind.

Die Tierschützerin will wegen des Vorfalls Anzeige erstatten. "Es ist unendlich schmerzhaft. Ich bin wütend und sprachlos." Wer Hinweise zum Tathergang oder den Tätern machen kann, wird gebeten, sich unter Telefon 0228 15-0 mit der Polizei in Verbindung zu setzen.