Prozess in Bonn

Angeklagter macht Gewalt-Opfer im Gericht Heiratsantrag - Frau sagt "Ja"

Der Angeklagte soll seine Lebensgefährtin getreten und gewürgt, ihren Kopf mehrmals gegen den Boden geschlagen und sie mit einem Bajonett angegriffen haben (Symbolbild).
Der Angeklagte soll seine Lebensgefährtin getreten und gewürgt, ihren Kopf mehrmals gegen den Boden geschlagen und sie mit einem Bajonett angegriffen haben (Symbolbild).
© dpa, Maurizio Gambarini, gam sup sab rho mut ve bwe

11. September 2020 - 12:31 Uhr

Anklage wegen versuchten Totschlags

Er soll seine Lebensgefährtin getreten und gewürgt, ihren Kopf mehrmals gegen den Boden geschlagen und sie mit einem Bajonett angegriffen haben: Es sind schwere Vorwürfe, denen sich der Angeklagte vor dem Landgericht Bonn ausgesetzt sieht, die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. Das Opfer tritt als Nebenklägerin auf. Kurz vor ihrer Zeugenaussage nimmt das Verfahren eine unerwartete Wendung: Der Angeklagte macht der Frau einen Heiratsantrag.

Opfer des Angeklagten nimmt Antrag im Gerichtssaal an

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten:Die Zeugin nahm ihn direkt im Gerichtssaal an. Eigentlich stand sie als Nebenklägerin kurz vor ihrer Zeugenaussage. Doch da das Paar nun verlobt sei, so der Richter, könne sie sich auch auf das Aussageverweigerungsrecht berufen. Tatsächlich legte die Frau daraufhin die Nebenklage nieder und gab an, kein Interesse mehr an der Verurteilung zu haben. Der Prozess gegen den Mann wird aber trotz der überraschenden Wendung von der Staatsanwaltschaft fortgesetzt.

Verlobter stand wegen extremer Gewalt vor Gericht

Die Anklage warf dem Mann vor, sein Opfer geschlagen, getreten, gewürgt und an den Haaren gezogen haben. Der Auslöser der Tat soll extreme Eifersucht auf den Ex-Mann seiner Verlobten gewesen sein. Er habe ihr außerdem mit dem Tod gedroht und mit dem Aufsatz eines Bajonetts  in die rechte Wange geritzt haben. Zudem habe der Angeklagte versucht, die Speerspitze mit voller Wucht in den Kopf des Opfers zu stechen. Die dreifache Mutter hat bereits einen Sohn mit dem Angeklagten.

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Der Prozess geht weiter

Der Mann ist bereits wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung in zwei anderen Fällen aufgefallen. Das Opfer war nicht die jetzige Verlobte. Welche Auswirkungen die Aussageverweigerung der Frau auf die Haftstrafe ihres Partners hat, ist unklar. Die Vernehmungsbeamten des Vorfalls sollen noch als Zeugen hinzugezogen werden. Das Urteil soll am 17.September 2020 fallen.

Gewalt durch den Partner ist keine Seltenheit

Laut Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2018 140.755 Menschen Opfer partnerschaftlicher Gewalt. Darunter fielen neben Mord und Totschlag unter anderem auch Körperverletzungen, sexuelle Übergriffe und Stalking. Die Hilfsorganisation Weißer Ring ist eine der Anlaufstellen für Gewaltopfer – unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion und sexueller Orientierung. Über ein Opfertelefon können sich betroffene Menschen dort anonym melden.