Bonitäts-Beben: Merkel bleibt cool

Nur keine Panik: Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt zur Gelassenheit.
Nur keine Panik: Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt zur Gelassenheit.
© dpa, Marcus Brandt

10. Februar 2016 - 12:36 Uhr

Wird die Euro-Rettung noch teurer?

Das oberste Gebot heißt Gelassenheit. Kanzlerin Angela Merkel sagt, Standard & Poor's sei nur eine von drei Rating-Agenturen. Die Finanzexperten ihrer CDU betonen, die Abwertung Frankreichs sei zu erwarten gewesen und von den Märkten längst eingepreist. Aber: Die Abstrafung von neun Euro-Ländern durch Standard & Poor's lässt sich nicht ganz so leicht abtun. Denn das Konstrukt der Euro-Rettung steht nun auf noch wackligeren Füßen.

Beispiel EFSF: Der Rettungsfonds muss sich am Markt das Geld für hilfsbedürftige Euro-Länder beschaffen, was bei einer Abstufung der Kreditwürdigkeit von tragenden Säulen wie Frankreich teurer werden kann. Damit der Fonds 440 Milliarden Euro verleihen kann, müssen die Euroländer Garantien in Höhe von 780 Milliarden Euro bereitstellen. Kanzlerin Merkel rechnet aber nicht damit, dass Deutschland wegen möglicher Zinssteigerungen mehr als die vom Bundestag beschlossenen Garantien von 211 Milliarden Euro zur Verfügung stellen muss. Auch in Finanzkreisen wird betont, es sei noch zu früh für seriöse Aussagen.

Der Druck auf Deutschland wächst

Merkel betont, die Ratingagentur Fitch habe zudem mitgeteilt, Frankreich werde bei ihr wohl seine Bestnote 'AAA' in diesem Jahr behalten. Die Uneinigkeit der Urteile wird in Berlin als vorteilhaft empfunden, so dass die große Panik an den Börsen ausbleiben könnte. Die SPD hingegen fordert ein Aus für sämtliche Steuersenkungspläne, da auf Deutschland womöglich nun höhere Belastungen zukommen könnten.

Denn durch den Verlust eines Triple-A-Frankreich, das nun wohl mehr Geld für Kredite bezahlen muss, wächst der Druck auf Deutschland als "Musterknabe" und Hauptgeldgeber. Doch Union und FDP werden in ihren Reihen weitere Milliardensummen zur Rettung wohl nicht durchsetzen können, sollte es unerwartete Reaktionen an den Märkten geben.

Merkel räumte nach einer CDU-Vorstandsklausur in Kiel ein, man müsse die Basis der Rettungsschirme wohl erweitern. "Auf je weniger Länder das konzentriert ist, umso anfälliger werden diese Gebilde." Sie sieht noch einen langen Weg vor den Euro-Staaten, bis das Vertrauen der Anleger zurückgewonnen ist. Die Kanzlerin drängt nun auf eine schnelle Umsetzung des Fiskalpaktes. Auch der dauerhafte Rettungsschirm ESM soll schneller als geplant kommen. So werde man unabhängiger von den Rating-Urteilen.

Und grundsätzlich blieb auch bei den Franzosen der Konsens, dass nicht die Rating-Agenturen die Politik der Länder diktieren. "Der Verlust der Note AAA ist keine gute Neuigkeit, aber auch keine Katastophe", bilanzierte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister François Baroin.