2017 M12 3 - 19:32 Uhr

Wer hat das verdächtige Paket in der Apotheke deponiert?

Kein Anschlag auf den Weihnachtsmarkt, sondern eine Erpressung des Paketdienstes DHL ist offenbar der Grund für das Bomben-Paket aus Potsdam. Das sagte der brandenburgische Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) nun auf einer Pressekonferenz. Die Polizei warnt nun, dass der oder die Täter weitere gefährliche Päckchen verschicken könnten.

Bei diesen Paketen sollten Sie vorsichtig sein

Polizei warnt vor weiteren gefährlichen Paketen
Der Innenminister von Brandenburg, Karl-Heinz Schröter , und der Polizeipräsident des Landes Brandenburg, Hans-Jügen Mörke, warnten vor weiteren gefährlichen Paketen.
© dpa, Gregor Fischer, fis fpt

Die Ermittler halten es für wahrscheinlich, dass noch weitere Sendungen auftauchen. Die Polizei warnte vor unbekannten Paketen, die kleinere Unternehmen oder Privatleute erhalten könnten. Wer ein auffälliges Päckchen zugestellt bekommt, sollte es auf keinen Fall öffnen, das könnte den Zünder auslösen.

Aufpassen sollte man demnach bei unbekannten oder fehlenden Absendern, so die Polizei. Auch handgeschriebene, schlecht leserliche Adressen, die möglicherweise auch nicht am üblichen Platz auf dem Paket stünden, sollten den Empfänger stutzig machen. Auffällige Rechtschreibfehler, Flecken, Verfärbungen oder herrausragende Drähte könnten ebenfalls auf einen gefährlichen Inhalt hindeuten. Wer so ein Paket erhält, wird gebeten, die Polizei zu verständigen.

Bombe war hochgefährlich

In dem Potsdamer Paket wurde auch ein Erpresserbrief gefunden, erklärte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Die Nachricht sei als QR-Code im Internet verschlüsselt, aber eindeutig rekonstruiert worden. Am Freitag war ein verdächtiges Paket bei einem Apotheker abgegeben worden, der am Weihnachtsmarkt sein Geschäft hat.

Es hatte sich herausgestellt, dass ein Böller und Nägel in dem Karton enthalten waren. Inzwischen geht die Polizei auch davon aus, dass die Paketbombe hochgefählich war. Sie hätte bei einer Explosion schwerste Verletzungen zur Folge gehabt, sagte Schröter. Beim Öffnen habe der Apotheker ein Zischen gehört. Zuerst gingen die Ermittler davon aus, dass in dem Paket keine Zündvorrichtung eingebaut war. Bei einer genauen Analyse habe sich aber das Gegenteil herausgestellt.

Die Suche nach dem Absender geht weiter. Eine ähnliche Lieferung sei Anfang November bei einem Onlinehändler in Frankfurt (Oder) aufgetaucht. Die sei beim Öffnen aber in Brand geraten. Dadurch wurde der Erpresserbrief zerstört. In dem Schreiben, das der Potsdamer Bombe beilag, wurde aber auf die erste Tat Bezug genommen. Der oder die Täter verlangten eine Millionensumme. Sie nähmen außerdem schwerste Verletzungen oder sogar den Tod der Empfänger der Pakete billigend in Kauf, sagte Schröter. Die Polizei geht davon aus, dass der Erpresser aus dem Raum Berlin-Brandenburg stammt.

Polizei bittet um Zeugenhinweise

Das gefährliche Paket in Potsdam konnte am Freitagabend entschärft werden.
Das gefährliche Paket in Potsdam konnte am Freitagabend entschärft werden.
© dpa, Julian Stähle, fux fdt

Die Paketbombe wurde in einer DHL-Packstation in Potsdam aufgegeben. Die Ermittler hoffen nun, dass sich Zeugen melden, die am 30. November gegen 7 Uhr an der Kantstraße verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Auch alle, die dort zwischen 6.30 und 7.15 Uhr Pakete aufgegeben haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0331/505950 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle zu melden. 

Als das verdächtige Paket in der Innenstadt auftauchte, wurde zuerst ein geplanter Anschlag auf den Weihnachtsmarkt befürchtet. Die Ermittler halten das aber inzwischen für unwahrscheinlich. Nachdem zwischenzeitlich der Weihnachtsmarkt in Potsdam evakuiert worden war, hat er jetzt wieder normal geöffnet. Allerdings erhöhten Polizei und Ordnungsamt ihre Präsenz. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wollte sich am Mittag einen Eindruck vor Ort machen. Die Stadt dankte den Anwohnern, die am Freitagabend sehr besonnen und geduldig auf die stundenlangen Absperrungen reagiert hätten.