Boko Haram: 200 Tote in den vergangenen Tagen in Nigeria

Boko Haram, Nigeria
Der Kampf der Islamisten von Boko Haram in Nigeria ist gnadenlos. Die Opfer sind meist unschuldige Dorfbewohner.
dpa, Deji Yake

Die mordende Sekte aus Nigeria schlägt unerbittlich zu

Das bevölkerungsreichste Land Afrikas kommt nicht zur Ruhe: Die radikalislamischen Kämpfer der Sekte Boko Haram verbreiten in christlichen Orten weiterhin großes Leid. Bei Gefechten mit Sicherheitskräften kamen allein im nördlichen Bundesstaat Borno in den vergangenen Tagen mehr als 200 Menschen ums Leben.

Am Freitag starben in der Hauptstadt Abuja bei Schießereien mindestens acht Menschen. Der Schusswechsel ereignete sich in Abujas Stadtteil Apo, in dem viele Politiker leben. Es habe auch Verletzte gegeben, teilte die Sprecherin des staatlichen Sicherheitsdienstes, Marilyn Ogar, mit. Zwölf Mitglieder der Sekte seien festgenommen worden. Offenbar wollten die Sicherheitskräfte gerade in einem Haus ein Waffenarsenal der Extremisten ausheben, als diese das Feuer eröffneten.

Seit Mai mindestens 777 Tote

Präsident Goodluck Jonathan hatte im Mai den Ausnahmezustand über drei Bundesstaaten in der Region verhängt. Seither läuft eine massive Militäroffensive gegen die Islamisten. Zudem wurden die Bürger ermutigt, ihre Städte mit Selbstschutzgruppen zu verteidigen.

Boko Haram bedeutet soviel wie "Westliche Erziehung ist verboten". Die Gruppe will im muslimisch geprägten Norden Nigerias eine strenge Auslegung der Scharia einführen und hat in den vergangenen Jahren zahlreiche blutige Anschläge mit Tausenden Toten verübt. Jedoch gibt es nur selten Angriffe in Abuja.

Die Islamisten schlagen gnadenlos zu. Nicht selten attackieren sie christliche Kirchen, in denen gerade Gottesdienste gefeiert werden. Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen haben die Kämpfer seit Mai mindestens 777 Menschen getötet. Die meisten davon sind unschuldige Dorfbewohner.

Bei einer blutigen Attacke der Sekte auf ein Dorf in Nordnigeria kamen zuletzt mindestens 54 Menschen ums Leben. Die bewaffneten Angreifer hätten Militäruniformen getragen, als sie in den Ort Benisheik im Bundesstaat Borno eingedrungen seien, berichtete die Zeitung 'Nigerian Tribune'. Demnach schossen sie um sich und nahmen auch mehrere Bürger gefangen. Zudem zündeten die Extremisten über 100 Häuser und Autos an.

Bei schweren Kämpfen im Bundesstaat Borno waren am Wochenende nach unbestätigten Angaben 16 Soldaten und 150 Extremisten ums Leben gekommen. Unter den Opfern sei auch ein hoher Anführer der Gruppe, Abba Goroma, auf den die Regierung ein Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen Naira (45.500 Euro) ausgesetzt hatte, berichtete die Zeitung 'Vanguard'.