Bogenjagd-Verband weiter für Wildschweinpirsch mit Pfeil

Zwei Wildschweine laufen durch einen Wald. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Archiv
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24. Februar 2020 - 17:10 Uhr

Der Deutsche Bogenjagd-Verband macht sich nach der Absage durch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) weiter für die Wildschweinjagd mit Pfeil und Bogen stark. Der Verband bedauere, dass er nicht von Vogel zurate gezogen worden sei, hieß es in einer Mitteilung am Montag. Man stehe weiterhin für Gespräche und Beratungen zur Verfügung.

Vogel hatte sich vor einer Woche gegen diese Jagdform ausgesprochen. Bei ihr gebe es zu viele ungeklärte Punkte, teilte das Umweltministerium mit. Die Bogenjagd war als Alternative zur Jagd mit dem Gewehr in dem dicht besiedelten Gebiet der Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow im Landkreis Potsdam-Mittelmark ins Auge gefasst worden. Dort sorgen Wildschweine immer wieder für Ärger.

Erst in der vergangenen Woche war es zu einem erneuten Vorfall in Stahnsdorf gekommen: Eine Wildschweinrotte drang am Donnerstag in das umzäunte Grundstücke einer Familie ein und wurde vom Eigentümer überrascht, was zu einer Panikreaktion bei den Tieren führte, wie ein Sprecher der Gemeinde am Montag sagte. Verletzt wurde niemand. Die Rotte habe schließlich erneut von innen die Zäune durchbrochen, um zu fliehen, hieß es. Zuvor hatte die "Märkische Allgemeine" berichtet.

Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (Freie Wähler) bekräftigte angesichts dessen und vor dem Hintergrund der durch den milden Winter wohl weiter gestiegenen Schwarzwildpopulation seine Forderung nach einer Zulassung der Bogenjagd. "Erst sind unsere Haustiere, dann die Verkehrsteilnehmer, und nun sogar unsere Frauen und Kinder auf ihren eigenen eingezäunten Grundstücken nicht mehr sicher", kritisierte er. "Wann genehmigen Sie endlich auch die Bogenjagd, Herr Minister Vogel?" Die Jäger benötigten alle zur Verfügung stehenden Jagdmethoden, um die Schwarzwildpopulation innerorts zu reduzieren.

Das Umweltministerium hatte im vergangenen Jahr das Pilotprojekt für eine mögliche Bogenjagd gestoppt, weil sich keine wissenschaftliche Einrichtung fand, die dies begleiten wollte. Der Minister setzt auf die Jagd mit energiereduzierter Spezialmunition und Fallen. Ein Gutachten, das im Frühjahr vorliegen solle, werde zeigen, ob diese Munition tierschutzgerecht töte. Bei einem positiven Gutachten darf die Spezialmunition nach Ministeriumsangaben dann auf Antrag im urbanen Gebiet genutzt werden.

Eine Untersuchung könnte nach Ansicht des Bogenjäger-Verbandes die Vorteile dieser Jagdform belegen. Unter anderem versetze die sehr leise Erlegung keine anderen Tiere in Panik. Wirkung und Resultat seien bei Jagdpfeilen und -kugeln etwa gleich. Brandenburgs Tierschutzbeauftragter Stefan Heidrich hatte die Jagdform im vergangenen Jahr dagegen als ungeeignet bezeichnet und auf eine geringere Tötungswirkung verwiesen.

Brandenburg hat sich zum Ziel gesetzt, die seit Jahren wachsende Wildschweinpopulation einzudämmen, um sich damit auch vor der Afrikanischen Schweinepest zu schützen.

Quelle: DPA