Boetticher: Teenie-Geliebte spricht von Liebe

19. August 2011 - 16:36 Uhr

Beziehung inzwischen beendet

Neun Monate vor der Landtagswahl in Schleswig- Holstein ist CDU-Spitzenkandidat Christian von Boetticher wegen einer privaten Affäre zurückgetreten als Landesvorsitzender. Er stürzt die Partei damit in eine massive Führungskrise.

Nord-CDU-Chef von Boetticher tritt zurück
Schleswig-Holsteins CDU-Chef von Boetticher tritt wegen einer Affäre mit einer 16-Jährigen von seinem Amt zurück.

Auch sein Amt als Vorsitzender der CDU-Lanftagsfraktion in Kiel legte Boetticher nieder. "Um weiteren Schaden von meinem Umfeld, von meiner Fraktion und von meiner Person abzuwenden, habe ich mich [...] entschieden, auch als Vorsitzender der CDU-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag zurückzutreten", gab er in einer schriftlichen Erklärung bekannt. Sein Landtagsmandat wolle er aber behalten.

Der 40-Jährige hatte Tränen in den Augen, als er sich am Sonntagabend auf einer Pressekonferenz zu seiner Liebe mit einer damals 16-Jährigen bekannte und seinen Rücktritt verkündete. "Es war schlichtweg Liebe", so Boetticher. Diese sehr ungewöhnliche Liebe sei auch vom Umfeld der beiden akzeptiert worden

Auch die heute 17-Jährige Düsseldorferin spricht von Liebe. Dem 'Express' sagte sie: "Es war Liebe. Ich kann bis heute nichts Schlechtes über Christian sagen. Schließlich steckt hinter dem Politiker auch nur ein Mensch mit Gefühlen." Anfang 2010 hatten sich der Politiker und die politisch interessierte Schülerin im Internet über Facebook kennengelernt. "Er schrieb mir Hunderte Mails und SMS. Monate später folgte dann das erste persönliche Treffen im Steigenberger in Düsseldorf. Zwei Tage lang blieben wir im Hotel", so die junge Frau. Die Rheinländerin vermutet, dass die bereits beendete Beziehung aus Rache an die Öffentlichkeit geriet.

Am 19. Juli sei er im Urlaub von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen mit den Gerüchten konfrontiert worden, die eine Beziehung zu einer unter 18-Jährigen im Frühjahr 2010 betrafen, erklärte von Boetticher. "Darüber war ich sehr erschüttert." Ihm sei bewusst, dass er den an ihn gesetzten Maßstäben privat in diesem Fall nicht gerecht geworden sei.

Nord-CDU in der Krise

Ein solches Verhältnis ist rechtlich zulässig, löste in der Nord-CDU aber trotzdem Unmut und Unverständnis aus. Der geschäftsführende Landesvorstand der CDU Schleswig-Holstein nahm die Entscheidung in einer Erklärung "mit Respekt zur Kenntnis".

Von Boetticher habe "deutlich gemacht, dass er die moralische Komponente falsch eingeschätzt hat. Dafür hat er sich öffentlich entschuldigt und daraus mit seinem heutigen Rücktritt vom Amt des Landesvorsitzenden und dem Verzicht auf die Spitzenkandidatur die Konsequenzen gezogen", hieß es.

Es lägen "keine Rechtsverstöße vor", sagte ein persönlicher Berater von Boettichers. Es könne allenfalls um moralische oder politische Beurteilungen gehen. Im Frühjahr 2010 - also weit vor seiner Kür zum Spitzenkandidaten - habe von Boetticher die Beziehung beendet.

Für die gemeinsam mit der FDP in Kiel regierende Nord-CDU ist die Entwicklung ein Dreivierteljahr vor der Wahl ein harter Schlag. Zwar gab es parteiintern immer wieder auch Kritik an von Boettichers Führungsstil, aber mit seiner Kür zum Spitzenkandidaten Anfang Mai schien für ihn alles klar zu sein. Der 64-jährige Carstensen hatte auf eine weitere Bewerbung verzichtet. Von Boetticher sollte am 4. November in Lübeck als Spitzenkandidat offiziell bestätigt werden.

Inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass Wirtschaftsminister Jost de Jager neuer Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2012 werden soll. Der 46-Jährige hat seine Bereitschaft wohl bereits signalisiert. Boetticher, wird nach einem Zeitungsbericht auch sein Amt des Fraktionschefs im Landtag niederlegen. Dies habe ein Mitglied des CDU-Landesvorstandes bestätigt, schreibt 'Die Welt'. Sein Abgeordnetenmandat werde von Boetticher aller Voraussicht nach aber behalten.