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Börsen-Wahnsinn: Dax berappelt sich leicht

Börsen-Wahnsinn: Dax berappelt sich leicht

Notverkäufe: Anlegern sind Aktien zu heiß

Nachdem der deutsche Leitindex Dax zeitweise um bis zu 7,1 Prozent auf ein 18-Monats-Tief von 5502,63 Punkten einbrach, wurde das Minus inzwischen auf einen Prozentpunkt eingedämmt.

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Nach anfänglichen Gewinnnen kehrte der Dax sich wieder ins Minus. Die Kurse sind derzeit unvorhersehbar.
dpa, Frank Rumpenhorst

In Frankfurt, London und Tokio brachen zuvor erneut die Kurse auf breiter Front ein. Nach Aussage von Börsianern sind immer mehr Anleger zu Notverkäufen gezwungen, um ihre Verluste zu minimieren. Aber auch langfristig orientierte Investoren zögen sich offenbar verstärkt zurück.

"Das hysterische Verhalten an den Märkten ist keinesfalls mit wirtschaftlichen Faktoren vollständig zu erklären", sagte Anita Paluch, Aktienhändlerin bei ETX Capital. "Es zeigt lediglich das verloren gegangene Vertrauen in die Politik, die Banken und die Rating-Agenturen."

Auch an den anderen Aktienbörsen in Europa purzelten die Kurse. Der EuroStoxx50 lag mit 2167,71 Punkten zeitweise sogar so niedrig wie seit April 2009 nicht mehr. Im Gegenzug schossen die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, um mehr als 30 Prozent in die Höhe. An der Tokioter Börse war der Nikkei-Index zeitweise um bis zu fünf Prozent eingebrochen. Er holte aber einen Teil seiner Verluste wieder auf und schloss nur 1,7 Prozent im Minus.

Wall Street startet mit Gewinnen

Ungeachtet schlechter Vorgaben aus Asien und Europa ist die Wall Street mit Gewinnen in den zweiten Handelstag der Woche gestartet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte in den ersten Handelsminuten 0,57 Prozent höher auf 10.871 Punkten.

Wie ein Damoklesschwert schwebt jedoch die für den Abend erwartete Erklärung der US-Notenbank (Fed) über der New Yorker Börse. Die Investoren warten gespannt, ob die Fed zur Ankurbelung der Konjunktur ein neues Anleihe-Ankaufprogramm signalisieren wird.

US-Präsident Barack Obama hatte am Montag mit einer demonstrativ optimistischen Rede versucht, die Lage zu beruhigen. Der US-Präsident sagte, die Probleme der USA seien "lösbar". "Egal, was eine Ratingagentur meint, wir waren immer und werden immer ein AAA-Land sein", betonte er. Es gebe eine ganze Reihe von Ideen, wie die Krise gelöst werden könne. Die neuerliche extreme Nervosität an den Börsen weltweit hatte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) am Freitag ausgelöst, als sie nach Börsenschluss bekanntgegeben hatte, dass sie die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft habe. Das hatte die Sorge vor einem Börsen-Crash genährt.

Neben den Nachwehen der Herabstufung der US-Bonität sorgt die wachsende Furcht vor einer weltweiten Rezession für Unruhe, da zahlreiche Staaten wegen ihrer überbordenden Schulden zu einem rigiden Sparkurs gezwungen sind. Verstärkt wurde der Konjunkturpessimismus durch eine Reihe schlechter als erwartet ausgefallener chinesischer Konjunkturdaten.

Dem Ölpreis machten die Rezessionsängste ebenfalls zu schaffen. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um bis zu 4,8 Prozent auf ein Sechs-Monats-Tief von 98,74 Dollar je Barrel. Auf der Suche nach "sicheren Anlagehäfen" setzten Anleger auf Bewährtes: Gold kletterte den zweiten Tag in Folge auf ein Rekordhoch und kostete zeitweise 1778,30 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Auch für europäische Anleger war das Edelmetall mit 1250,93 Euro je Feinunze so teuer wie noch nie.