Börsen-Crash an der Wall Street findet vorerst ein Ende

Nach den panikartigen Verkäufen zu Wochenbeginn haben sich die Aktienkurse an der Wall Street am Dienstag stabilisiert. Foto: Michael Nagle/XinHua/dpa
© deutsche presse agentur

10. März 2020 - 22:02 Uhr

Nach den panikartigen Verkäufen zu Wochenbeginn haben sich die Aktienkurse an der Wall Street am Dienstag stabilisiert. Neben Schnäppchenkäufen könnten Anleger auch darauf gesetzt haben, dass Maßnahmen der US-Regierung zur Milderung der wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus greifen.

Der Dow Jones Industrial stieg um 4,89 Prozent auf 25.018,16 Zähler. Vorausgegangen war dem allerdings der heftigste Ausverkauf seit der großen Finanzkrise 2007 und 2008.

Anleger fassten erst im späten Handel wieder etwas Zutrauen. Zuvor war der Dow vorübergehend noch in die Verlustzone gerutscht. US-Präsident Donald Trump kündigte an, dass die Regierung wegen des Coronavirus mit dem Kongress unter anderem über Erleichterungen bei der Lohnsteuer sowie über Kredite für Kleinunternehmen reden werde. Zudem stellte er Unterstützung für besonders betroffene Unternehmen in Aussicht, beispielsweise für Kreuzfahrtanbieter und Fluggesellschaften.

Der marktbreite S&P 500 rückte um 4,94 Prozent auf 2882,23 Punkte vor. Der technologielastige Nasdaq 100 ging um 5,34 Prozent auf 8372,27 Zähler nach oben.

Die Investmentbank JPMorgan argumentierte, dass spekulative Investoren nach dem jüngsten Ausverkauf mittlerweile wohl kapituliert haben dürften. Analyst Nikolaos Panigirtzoglou zog Parallelen zur Crash-Phase im Dezember 2018, als der Dow binnen weniger Wochen um mehr als 4000 Zähler oder rund 16 Prozent eingebrochen war. "Damit steigen zumindest kurzfristig die Chancen auf eine Gegenbewegung", sagte der Experte.

Aktien der Kreuzfahrt-Reederei Carnival rückten um 10,5 Prozent vor. Für die Kurse von Fluggesellschaften wie American Airlines und United Airlines ging es um 15,3 beziehungsweise 12,3 Prozent aufwärts. Sie profitierten von der Aussicht auf staatliche Unterstützung. Delta Air Lines stiegen mit 4,5 Prozent weniger stark. Die Fluggesellschaft kündigte wegen des Virus ein um 15 Prozent verringertes Flugangebot an und zog die Prognosen für das erste Quartal und das Gesamtjahr zurück.

Auch an den Ölmärkten, die am Vortag wesentlich zum Börsen-Crash beigetragen hatten, gab es am Dienstag eine Beruhigung: Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI erholte sich um elf Prozent. Dies sorgte bei den Aktien der Ölindustrie für Erholung. Occidental Petroleum stiegen um 14,6 Prozent. Im Dow Jones Index legten Chevron um 5,3 Prozent zu und ExxonMobil um 3,7 Prozent.

Die Kurse von Schlumberger und Halliburton erholten sich um 5,1 und 6,3 Prozent. Beide Unternehmen zählen zu den ganz Großen unter den Zulieferern der weltweiten Erdöl- und Energiebranche. Ihre Aktien waren am Vortag massiv eingebrochen auf Tiefstkurse seit vielen Jahren.

Abseits des Coronavirus gab es große Erleichterung unter den Aktionären von Cypress Semiconductor. Die Übernahme durch Infineon darf über die Bühne gehen. Die zuständige US-Behörde genehmigte die Transaktion - entgegen zuletzt aufgekommener Zweifel. Nach wie vor offen bleibt zwar die Freigabe durch die Behörden Chinas, die Cypress-Aktie schoss gleichwohl um fast 50 Prozent nach oben.

Angesichts der Erholung an den Aktienmärkten gab der US-Rentenmarkt wieder nach. Richtungweisende zehnjährige Staatsanleihen fielen um zwei ganze und 7/32 Punkte auf 107 Punkte. Die Rendite erholte sich auf 0,76 Prozent.

Der Euro gab im US-Handelsverlauf nach und wurde zum Börsenschluss an der Wall Street mit 1,1299 US-Dollar bezahlt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1390 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8780 Euro gekostet. Am Montag war der Euro bis auf fast 1,15 Dollar gestiegen - auf den höchsten Stand seit Anfang vergangenen Jahres.

Quelle: DPA