Bochum: Polizei hielt Vergewaltigung unter Verschluss - und rudert jetzt zurück

28. Februar 2018 - 19:18 Uhr

Frau auf Friedhof vergewaltigt

Eine Frau wird auf einem Friedhof in Bochum vergewaltigt. Der Täter ist Teilnehmer eines Resozialisierungsprogramms für verurteilte Sexualstraftäter. Doch statt die Bevölkerung über den Fall zu informieren, verschweigt ihn die Polizei. Jetzt erklärt sie sich.

Nach der Tat lief der Vergewaltiger mehrere Tage frei herum

Laut der 'Rheinischen Post' schilderte das Bochumer Polizeipräsidium dem nordrhein-westfälischen Innenministerium den Fall in einer internen sogenannten WE-Meldung - eine Meldung über ein "wichtiges Ereignis", die vertraulich behandelt und somit unter Verschluss gehalten werden muss. Der 30-Jährige nahm an einem Programm des Landes Nordrhein-Westfalen zum Umgang mit rückfallgefährdeten Straftätern teil.

Besonders brisant: Nach der Vergewaltigung lief der Bochumer fünf Tage frei herum, bis er in seiner Wohnung festgenommen wurde. Die Bevölkerung erfuhr von alldem nichts. Erst jetzt nimmt die Polizei dazu Stellung und spricht davon, dass es "aus heutiger Sicht ein Fehler" gewesen sei, die Festnahme des Bochumers nicht den Medien mitzuteilen. "Wir wissen, dass Sexualstraftaten die Bevölkerung zutiefst beunruhigen. Darum sind wir besonders froh, dass der Tatverdächtige in Untersuchungshaft ist", heißt es weiter.

Die Behörde erklärt auch, warum sie so handelte: "In diesem Fall haben wir uns aus Gründen des Opferschutzes bewusst gegen eine Veröffentlichung entschieden. Zukünftig werden wir in vergleichbaren Fällen offensiv berichten.

Mit einem Stein bewusstlos geschlagen und vergewaltigt

Laut Polizeimeldung lernten sich Opfer und Täter zufällig am Morgen des 18. Februar kennen. Die 33-jährige Frau war um 7 Uhr auf dem Weg nach Hause und kam mit dem Mann ins Gespräch. Als sie gemeinsam über den Bochumer Blumenfriedhof gingen, schlug er sie mit einem Stein bewusstlos und vergewaltigte sie mehrfach. Anschließend raste er mit einem Taxi davon und ließ sein Opfer teilweise entkleidet liegen.

Der Mann ist vorbestraft und nimmt seit Mitte 2014 an dem sogenannten 'KURS'-Programm teil. Zum Konzept gehören Gespräche mit Betroffenen wie etwa der Lebensgefährtin, Beobachtung des Probanden und Überprüfung der Wohnsituation. Laut Polizei nahm der Täter seine Therapieangebote wahr. In dem Polizeibericht heißt es aber auch, jeder Fall seine eine Gratwanderung. "Eine absolute Sicherheit vor einem Rückfall gibt es nicht. Einen erneuten Tatentschluss trifft der Täter selbst."