Lufthansa testet neue Methode

Boarding nach dem „Wilma“-System: Steigen wir bald alle SO in den Flieger?

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2. September 2019 - 12:48 Uhr

Flüge sollen durch „Wilma“-System pünktlicher werden

Man kennt es: Nachdem man bereits in der Schlange an der Sicherheitskontrolle warten musste, meist dann trotzdem überpünktlich am Gate war und sich da noch ein wenig die Zeit vertrieben hat, geht endlich das Boarden los. Die Übereifrigen springen sofort auf, um sich einzureihen, andere bleiben lieber noch sitzen, bis der erste Ansturm vorbei ist. Denn: Im Flieger steht man eh erst einmal dumm im Gang rum – bis die Passagiere vor einem ihr Gepäck verstaut haben, schon sitzende Gangplätzler wieder aufstehen müssen, um ihre Nachbarn auf den Mittel- und Fenstersitz zu lassen und so weiter. Das kostet Zeit und Nerven! Mit der sogenannten Wilma-Methode will Lufthansa dies in Zukunft vermeiden.

Für Familien und Paare gelten Ausnahmen

"Wilma" steht für "Windows, Middle, Aisle", also Fenster-, Mittel- oder Gangplatz und beschreibt damit auch schon die Änderung, die Lufthansa in Pilotprojekten testet und möglicherweise ab dem 1. November auf allen Europaflügen umgesetzt wird. Bei der Boarding-Technik steigen Passagiere mit Fensterplatz zuerst ein, dann diejenigen mit einem Platz in der Mitte und zum Schluss die Mitreisenden, die am Gang sitzen.

So wird zum Beispiel verhindert, dass sich erst die Gangplätze füllen und die Passagiere noch einmal aufstehen müssen, um die Reisenden auf den anderen Plätzen durchzulassen. Aber keine Sorge: Familien, Paare oder Gruppen, also alle, die nicht alleine, sondern gemeinsam mit ihren Liebsten verreisen, dürfen auch weiterhin zusammen einsteigen. Wir haben bei Lufthansa nachgefragt, ob die neue Methode dann überhaupt noch etwas bringt.

Vorrang für Reisende mit kleinen Kindern

Es gebe genügend Menschen, die alleine reisen, erklärte uns ein Sprecher der Fluggesellschaft. Schließlich würde man sonst gar nicht erst eine neue Methode einführen, bei der die Reisenden nach ihrem Platz im Flieger getrennt einsteigen. Familien mit kleinen Kindern hätten aber nach wie vor Vorrang. "Das ist ein Gebot der Höflichkeit, daran wird sich nichts ändern", so der Lufthansa-Sprecher. Wie genau das Boarding dann auf einzelnen Flügen gehandhabt wird, werde weiterhin durchgesagt.

Ein Baustein von vielen

Laut Lufthansa ist das neue Boarding einer von verschiedenen Bausteinen, um mehr Pünktlichkeit zu erreichen. Andere Methoden umfassen Änderungen bei der Betankung oder, dass man nun stärker auf das mitgebrachte Handgepäck achte. "Manches können wir nicht beeinflussen, aber wo wir das können, müssen wir unsere Hausaufgaben machen."

Mit der Wilma-Methode hat die Fluggesellschaft dies wohl gemacht. Die Boarding-Technik gilt als eine der besten zeitsparenden Methoden beim Besteigen eines Flugzeugs. Bisher wird bei vielen Gesellschaften ein anderes Einsteige-System genutzt: Das Flugzeug wird von hinten nach vorne befüllt. Diese Methode ist laut Studien aber eine der langsamsten, wie "Vox.com" berichtet. Die Wilma-Methode könnte dieser gegenüber fast zehn Minuten Zeit einsparen, wie das Team der US-Sendung "Mythbusters" in einem Experiment herausfand.

Noch schneller ist nur die Methode, die Southwest Airlines derzeit nutzt: Hier werden den Passagieren gar keine festen Plätze zugewiesen, sondern sie entscheiden einfach selbst, wo sie sich hinsetzen.

Übrigens: Diese fünf No-Gos will im Flugzeug keiner sehen – ein kleiner Verhaltenskodex fürs Fliegen.