Vor Saisonstart in Saudi-Arabien

BMW-Youngster Maximilian Günther im Interview: Darum ist die Formel E so sexy

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19. November 2019 - 16:16 Uhr

Von Alessa-Luisa Naujoks

Ab Freitag wird wieder um Siege gekämpft: Die neue Saison der Elektroserie Formel E startet in Saudi-Arabien und mit Maximilian Günther ist auch ein deutscher Youngster mit dabei. Der neue Werksfahrer für BMW-Andretti hat mit der schnellsten Zeit bei den Testfahrten in Valencia schon ordentlich für Aufsehen gesorgt. Warum der 22-Jährige einen heißen Konkurrenzkampf an der Spitze erwartet und für welche Schlagzeile er 2020 alles gibt, hat er im RTL-Interview verraten.

Du bist der Youngster der Formel E, es ist die erste komplette Saison für dich und deine Premiere mit BMW. Mit welchem Gefühl startest du in diese neue Herausforderung?

Günther: "In erster Linie ist es etwas sehr Besonderes, für BMW zu fahren. Eine Traum-Konstellation für mich in meiner zweiten Profi-Saison in der Formel E. Mit so einem großen Werksteam zusammen zu arbeiten, so ein Team zu repräsentieren, das ehrt mich sehr. Man hat es bei den Testfahrten gesehen - es liegt denke ich auf der Hand - dass es eine sehr enge Saison sein wird."

Vier deutsche Marken sind diese Saison mit dabei. Was erwartest du von den Neueinsteigern Mercedes und Porsche?

Günther: "Mercedes ist mit Sicherheit sehr gut aufgestellt. Sie haben ja mit HWA schon ein ganzes Jahr Erfahrung gesammelt in der Formel E. Für Porsche ist der Neueinstieg ohne vorherige Formel-E-Erfahrung sicher eine Herausforderung, allerdings haben sie in ihrer Mannschaft nach ihren Erfolgen in Le Mans sehr viel Erfahrung mit elektrischen Antrieben und zwei sehr routinierte Piloten. Jeder, der Porsche kennt, weiß, dass sie alles daransetzen werden, um schnellstmöglich erfolgreich zu sein. Klar, für sie ohne Formel-E-Erfahrung wird es eine Herausforderung."

 Maximilian Günther D, BMW i Andretti Autosport Formel E Test 2019  Maximilian Günther D , BMW i Andretti Autosport Formula E Test 2019
Maximilian Günther war im BMW i Andretti bei den Testfahrten in Valencia richtig schnell unterwegs.
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Welche Ziele setzt du dir persönlich für 2019/2020?

Günther: "Meine Grundphilosophie ist und bleibt die gleiche: Ich will mich voll und ganz auf mich selbst konzentrieren und Wochenende für Wochenende den bestmöglichen Job machen. Ich will mit dem Team das Bestmögliche aus dem Paket rausholen und die beste Leistung erzielen. Aber natürlich ist es mein Ziel als BMW-Werksfahrer, Podestplätze einzufahren und Rennen zu gewinnen. Und ich werde alles tun, um das zu erreichen."

In der Formel E sind die materiellen Unterschiede zwischen den Teams nicht so groß wie in der Formel 1, deshalb kommt es mehr auf die Fahrer an, das Feld durchmischt sich von Rennen zu Rennen anders. Liegt darin der Reiz für dich als junger Rennfahrer?

Günther: "Das unterschreibe ich zu 100 Prozent. Die Formel E ist einerseits so spannend, weil so viele Hersteller in der Serie dabei sind und alle auf einem nahezu gleichen Niveau agieren. Nuancen entscheiden über Sieg und Niederlage. Zum anderen sind die Fahrzeuge aufgrund des notwendigen Energiemanagements sehr komplex zu fahren. Vor allem auf den engen Stadtkursen mit vielen Bodenwellen. Da ist der Fahrer einfach noch mehr im Vordergrund. Dazu kommt, dass die Trainings, das Qualifying und das Rennen an nur einem Tag stattfinden. Das alles macht die Formel E so besonders."

Maximilian Günther ist die Nummer 3 unter deutschen Rennfahrern
2018 war der Deutsche noch in der Formel 2 unterwegs, belegte am Ende Rang 14 der Gesamtwertung.
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Was hältst du von dem Weg der Formel E, den die Serie ja auch konsequent als Vorreiter im Bereich Elektromobilität und Nachhaltigkeit weitergehen will?

Günther: "Das Thema Elektromobilität ist nicht mehr wegzudenken. Es ist Fakt, dass das die nächsten Jahre immer präsenter werden wird für uns alle. In diesem Sinne im Motorsport ein Vorreiter zu sein, ist etwas sehr Sinnvolles und Tolles. Das ganze Konzept steht für ein sehr modernes, zeitgemäßes Racing."

Fernando Alonso ist für dich ein Vorbild. Was schaust du dir von ihm ab?

Günther: "Er ist für mich ein kompletter Fahrer, weil er extrem schnell ist auf eine Runde, weil er immer, wenn es drauf ankommt, das Beste aus sich und dem Auto rausholen kann. Das Gleiche gilt für das Rennen - mit seiner Abgeklärtheit, seinem Killer-Instinkt geht er nahezu fehlerfrei durch die Rennen und trifft die richtigen Entscheidungen. Deshalb hat es mich immer beeindruckt und fasziniert, ihm zuzusehen."

Träumen erlaubt: Duell gegen Alonso und Sieg in Berlin?

Wäre es also ein Traum für dich, eines Tages gegen Alonso in der Formel E zu fahren?

Günther: "Natürlich, das wäre sicherlich eines meiner größten Highlights, wenn das eintreffen würde!"

Die Schlagzeile "Maximilian Günther gewinnt ePrix in Berlin" – für 2020 realistisch?

Günther: (lacht) "Ich bin generell niemand, der in die Zukunft schaut, aber ich werde sicherlich alles daransetzen, um eine solche Schlagzeile zu verwirklichen."