Dutzende Verletzte in Tiflis

Blutige Krawalle in Georgien! Demonstranten wollen Parlament stürmen

21. Juni 2019 - 9:15 Uhr

Demonstranten befürchten wachsenden russischen Einfluss

Tausende wütende Menschen stehen vor dem Parlament in Tiflis. Die Polizei setzt Wasserwerfer ein, bei den heftigen Auseinandersetzungen werden Dutzende Menschen verletzt. Der Grund: Die Demonstranten befürchten einen wachsenden Einfluss eines verhassten Nachbarn Russland.

Sicherheitskräfte setzten Tränengas, Gummigeschosse und Wasserwerfer ein

Policemen attempt to block protesters during a rally against the visit of the Russian delegation near the parliament building in Tbilisi, Georgia June 20, 2019. REUTERS/Irakli Gedenidze
Demonstranten versuchen Parlament in Georgien zu stürmen.
© REUTERS, IRAKLI GEDENIDZE, AP

Aus Furcht vor zunehmenden Einfluss Russlands haben in Georgien in der Nacht zu Freitag Tausende Demonstranten erfolglos versucht, das Parlament in der Hauptstadt Tiflis zu stürmen. Live-Bilder im Fernsehen zeigten am Abend, wie Menschen vor dem Gebäude standen, Absperrungen wegräumten und der Polizei ihre Schutzschilde wegnahmen. Die Menge skandierte anti-russische Parolen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas, Gummigeschosse und Wasserwerfer ein. So gelang es den Demonstranten nicht, in das Parlament einzudringen. 

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden mindestens 38 Polizisten und 14 Demonstranten verletzt, vier von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Rücktritt des Parlamentspräsidenten gefordert

Riot policemen block a protester during a rally against a Russian lawmaker's visit in Tbilisi, Georgia June 21, 2019. REUTERS/Irakli Gedenidze
Polizei riegelte das Parlamentsgebäude ab.
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Die Demonstranten forderten den Rücktritt von Parlamentspräsident Irakli Kobachidse. Hintergrund ist lokalen Medienberichten zufolge der Besuch einer russischen Delegation bei einer Tagung im Plenarsaal. Dabei habe ein Duma-Abgeordneter das Forum zu religiösen und politischen Fragen geleitet und eine Rede gehalten. Daraufhin rief die Opposition zu einer Demonstration auf. Sie befürchtet, dass Russland an Einfluss in der Ex-Sowjetrepublik gewinnen könnte.

Jahrelanger Konflikt um Abchasien und Südossetien

Protesters clash with riot policemen outside the parliament building during a rally against a Russian lawmaker's visit in Tbilisi, Georgia June 21, 2019. REUTERS/Irakli Gedenidze
Bei den Zusammenstößen mit der Polizei gab es dutzende Verletzte.
© REUTERS, IRAKLI GEDENIDZE, AP

Das Verhältnis zum Nachbarn Russland ist zerrüttet. 2008 gab es einen kurzen Krieg. Dabei hatte die Südkaukasusrepublik ihre abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien endgültig verloren. Russland erkennt beide trotz internationaler Kritik als unabhängige Staaten an, Georgien dagegen nicht.