Blutige Geiselnahme in Dhaka: Faraz Hossain durfte gehen, doch er blieb - und starb mit seinen Freunden

05. Juli 2016 - 8:10 Uhr

"Sie töten alle. Ich glaube wir werden einer nach dem anderen getötet"

Faraz Hossain saß abends mit zwei Freundinnen im Restaurant 'Holey Artisan Bakery' in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka, als die Täter das Lokal stürmten - bewaffnet mit Gewehren, Sprengkörpern und Macheten. "Wir töten keine Bengalis. Wir töten nur Ausländer", schrie einer der Terroristen laut der 'New York Times' und bot allen Bengalis - auch Faraz - an, sich in Sicherheit zu bringen. Viele gingen - Faraz aber blieb bei Abinta Kabir (18) und Tarishi Jani (19). Am Ende wurden alle drei getötet.

Tarishi schaffte es noch, ihren Vater anzurufen, kurz bevor die Attentäter die Toiletten erreichten, in denen sich die Freunde verbarrikadiert hatten. "Ich habe solche Angst. Ich bin mir nicht sicher, ob wir hier lebend raus kommen", zitiert die 'New York Times' ihr letztes Gespräch. "Sie töten alle. Ich glaube wir werden einer nach dem anderen getötet". Dann wurde die Leitung unterbrochen. Die Attentäter stürmten die Waschräume und massakrierten Tarshi, Abinta und Faraz mit Macheten und Messern.

Zehn Stunden lang dauerte die Geiselnahme. In dieser Zeit tötete das Todeskommando des sogenannten 'Islamischen Staats' (IS) 20 Besucher sowie zwei Polizisten. 13 Geiseln konnten bei der Erstürmung durch Armee und Polizei befreit werden; sechs der sieben Täter wurden erschossen. Nach Armeeangaben wurden die Opfer überwiegend "zu Tode gehackt". Unter ihnen sind neun Italiener, sieben Japaner, sowie ein US-Bürger und eine Inderin.

Ein Koch des Restaurants, der Argentinier Diego Rivera, berichtete, die etwa 20- bis 25-Jährigen Täter hätten "Allah ist groß" gerufen und seien mit großen Taschen gekommen, in denen sich Sprengstoff, Sprengsätze und Messer befanden. "Sie haben ausschließlich nach Ausländern gesucht", sagte Rivera, der entkommen konnte, der italienischen Zeitung 'Repubblica'.

Der selbsternannte IS bekannte sich nach Angaben der US-Terrorbeobachtungsstelle zu dem Blutbad. Die Terrormiliz veröffentlichte auch Fotos von fünf mutmaßlichen Selbstmordattentätern im Internet. Augenzeugen berichten, dass die Täter auch Fotos von den verstümmelten Leichen machten.

Der IS beherrscht weite Landstriche in Syrien und im Irak, hat aber inzwischen weltweit Ableger und Anhänger. Die Polizei in Bangladesch berichtete laut dem 'Daily Star', dass alle sechs erschossenen Geiselnehmer Staatsbürger des Landes seien und teilweise schon länger als mutmaßliche Militante gesucht worden waren.

Seit Anfang 2013 leidet das muslimische Bangladesch mit seinen rund 160 Millionen Einwohnern unter einer Serie islamistisch motivierter Angriffe. Viele der inzwischen mehr als 50 Opfer sind Religionskritiker, Intellektuelle und Angehörige religiöser Minderheiten.

Vor zwei Wochen hatte Bangladeschs Polizei in einer umstrittenen Aktion landesweit mehr als 12.000 Menschen in einem Großeinsatz gegen Extremismus festgenommen. Die Regierung bestreitet jedoch, dass der IS in Bangladesch aktiv sei und macht örtliche Extremistengruppen und die Opposition für die Anschläge verantwortlich.