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Bloß kein Diesel-Fahrverbot!

Abgase strömen aus dem Auspuff eines Fahrzeuges mit Dieselmotor. Foto: Jan Woitas/Archiv
Abgase strömen aus dem Auspuff eines Fahrzeuges mit Dieselmotor. Foto: Jan Woitas/Archiv
© deutsche presse agentur

27. Februar 2018 - 14:46 Uhr

Ein Kommentar von Lars Vollmering

Ich oute mich jetzt: Ich bin einer der bösen Dieselfahrer, die offenbar die Luft verpesten - trotz grüner Plakette. Aber ganz ehrlich: Über sieben Jahre wurde in Deutschland von Politik und Automobilwirtschaft verschlafen, etwas beim wichtigen Thema Luftreinhaltung zu tun. Und jetzt, da durch das Urteil der Weg für Fahrverbote frei ist, sollen ich und tausende anderer Dieselfahrer die Versäumnisse anderer ausbaden? Das stinkt mir. Weil es ein Eingriff in die persönliche Freiheit ist, in Deutschland dorthin fahren zu können, wann und wo ich möchte. Und selbst, wenn ich auf einen umweltfreundlicheren Benziner umsteigen wollte, durch die Entscheidung liegt der Wiederverkaufswert meines Diesels (Zulassung 2011) jetzt schon unter dem vom Bobbycar meines Sohnes.

Wenig durchdacht

Wer zahlt mir meinen wirtschaftlichen Schaden, für den ich ja nichts kann? Denn offenbar geht es bei dem ganzen Thema doch sowieso und wie immer fast nur ums Geld - nur dass die Folgen wieder von wenigen getragen werden sollen. Was hindert den Staat daran, bei Milliarden Steuerüberschüssen einen kostenlosen Nahverkehr anzubieten?

Oder die Elektro-Mobilität endlich so auszubauen und anzupreisen, dass es nicht so stümperhaft und unattraktiv auf die Mehrheit der Bevölkerung wirkt, wie ein Zwangsumstieg auf vegane Ernährung? Oder wie wäre es, liebe Politik, sich auch endlich mal gegen die starke Lobby der Automobilindustrie durchzusetzen? Damit die nicht nur vom Staat profitiert, sondern sich mehr auf ihre gesellschaftliche Verantwortung konzentriert und Lösungen anbietet, die über feigenblatthafte Software-Updates hinausgeht?

Doch weil das offenbar alles, trotz der sieben Jahre Vorlauf, langsamer voran geht, als ein Autobahnbau von Neuseeland nach Hawaii, gibt es jetzt wohl Verbote. Zurecht, denn die betroffenen Menschen in den Städten mit hoher Luftverschmutzung haben jetzt Anspruch, dass man sich um ihre Gesundheit kümmert. Ein generelles Fahrverbot in Städten zu erlauben, ist für mich trotzdem ein Fehler:

Es ist der berühmte Kanonenschuss auf Spatzen, denn nicht alle Gemeinden haben überhaupt das Problem - vom wirtschaftlichen Schaden ganz zu schweigen. Oder soll jetzt der Handwerker mit der Leiter in den Bus? Oder beliefern wir die Geschäfte demnächst nicht mehr per Diesel-Lkw, sondern per Straßenbahn? Und wer soll überhaupt die Verstöße kontrollieren? Man sieht, das Ganze ist wenig durchdacht - und ich fürchte, daran wird auch das aktuelle Gerichtsurteil nichts ändern.

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