Blöde Mathematik: Real eine Nummer zu groß für Schalke

Von Daniel Grochow

Weil der Fußball wie die Mathematik einer gewissen Logik folgt, verliert Schalke gegen Real Madrid. Die Chancen für ein Weiterkommen in der Champions League gehen gegen null, doch dafür werden die 'Knappen' das Star-Ensemble um Cristiano Ronaldo in der kommenden Saison raushauen - so ist jedenfalls die Rechnung von Clemens Tönnies.

Benedikt Höwedes, Marco Höger, FC Schalke 04
Konnten das 0:2 gegen Real Madrid nicht verhindern: Benedikt Höwedes und Marco Höger.
dpa, Bernd Thissen

Es ist nicht bis in unsere Redaktion überliefert, wie es um die Rechenkünste von Clemens Tönnies bestellt ist, am Mittwochabend zauberte der Schalker Boss aber eine nette Formel aus dem Hut: "Wenn ich an dieses letzte Spiel denke und dann das heutige sehe, freue ich mich schon auf das nächste Mal - rechnerisch müssten wir das ja dann gewinnen", sagte Tönnies nach der 0:2-Pleite im Achtelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid und erinnerte auch an die 1:6-Schmach aus dem Vorjahr.

Die Worte waren natürlich nicht ganz ernst gemeint, denn auch Tönnies weiß, dass Fußball mit Mathematik eher wenig zu tun hat. Trotzdem ist auch ein 90-minütiges Spiel auf dem Rasen von einer gewissen Logik geprägt, auf die sich auch die Mathematik versteht: Wer weniger Fehler macht und seine Chancen besser nutzt, der gewinnt die Partie. "Real Madrid hat die Tore geschossen, wir nicht", erkannte S04-Trainer Roberto Di Matteo treffend und ergänzte: "Die Qualität, die Real vorne hat, hat den Unterschied gemacht."

Münzen wir diese Aussagen auf die Mathematik um, kann man von Vergleichszahlen sprechen. Wird das Größenverhältnis zweier Zahlen verglichen, verwenden Schüler das Gleichheitszeichen (=), das Größer-als-Zeichen (>) oder das Kleiner-als-Zeichen (<). Um das Duell zwischen Schalke und Real auf die Spitze zu treiben, betrachten wir zwei Positionen: Timon Wellenreuther hier im Tor, Iker Casillas auf den anderen Seite. Felix Platte im königsblauen Sturm, Cristiano Ronaldo im königlichen. Zwei 19 Jahre alte Champions-League-Debütanten gegen den fünfmaligen Welttorhüter beziehungsweise dreimaligen Weltfußballer - wie würden Sie die Vergleichszeichen setzen?

Schalke nicht mit vollen Hosen nach Madrid

Cristiano Ronaldo, Real Madrid
Cristiano Ronaldo war wie viele seiner Kollegen den Schalker Gegenspielern in allen Bereichen überlegen.
dpa, Federico Gambarini

Folgt man einer mathematischen Logik, hatte Schalke gegen die 'Königlichen' also nicht den Hauch einer Chance. "Wir waren bemüht, aber Real Madrid ist immer noch eine der besten Mannschaften der Welt. Sie haben ihre Chancen gnadenlos ausgenutzt", sagte Verteidiger Joel Matip, der beim ersten Gegentreffer von Ronaldo (26.) zu weit weg stand und beim 0:2 von Marcelo (79.) nur zusehen konnte, wie der Distanzschuss in den Winkel einschlug. Kapitän Benedikt Höwedes kommentierte nach dem Spiel noch immer ungläubig: "Da trifft ein Linksfuß den Ball mit rechts und haut ihn oben in den Knick."

Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Sonntagsschüsse den Weg ins Tor finden, ist gering. Das lässt sich zweifelsfrei auch mathematisch berechnen, im Fußball sprechen die Protagonisten aber meist nur von Glück oder Pech. "In der 2. Halbzeit treffen wir beim Stand von 0:1 die Latte", erinnerte auch Di Matteo an einen fulminanten Schuss von Platte, der nur ans Aluminium klatschte. "Schießen wir da den Ausgleich, hätte das Spiel anders ausgehen können. Wir haben gekämpft, haben alles versucht, was für uns möglich war."

In der Tat haben sich die Schalker viel besser angestellt, als 357 Tage zuvor, als sie von Ronaldo & Co. in der eigenen Arena vorgeführt wurden. Durch taktische Disziplin und Ordnung haben es die immer noch stark ersatzgeschwächten Knappen geschafft, den königlichen Sturm abzuwenden. Das Problem dabei: Vor lauter Anrühren von Beton - oder vielleicht auch aus Ehrfurcht - kam die Offensive zu kurz. "Wir haben auf einen 'Lucky Punch' gewartet, als es noch 0:1 stand", verriet Höwedes, der die Ausgangslage für das Rückspiel in Madrid als "denkbar ungünstig" bezeichnete.

Man muss selbstredend kein Mathe-Ass sein, um die Chancen der Schalker auf ein Weiterkommen zu beziffern. Aber: "Trotz dieser Niederlage fahren wir jetzt nicht mit vollen Hosen nach Madrid", beteuerte Tönnies, dessen Prognose für das Rückspiel schon realistischer ausfällt als die für ein mögliches Duell zwischen Schalke und Real in der kommenden Saison: "Wir fahren sicherlich als Außenseiter nach Madrid, aber eine kleine Chance gibt es in jedem Fußballspiel."