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BKA schlägt Alarm: Über 8.000 Hinweise auf Kinderpornographie konnten 2017 nicht überprüft werden

BKA schlägt Alarm: Über 8.000 Hinweise auf Kinderpornographie konnten 2017 nicht überprüft werden

BKA-Präsident fordert Vorratsdatenspeicherung

Missbrauch an Kindern ist ein widerliches Verbrechen, die Zahl der Fälle ist erschreckend hoch und die der Verdachtsfälle noch größer. Umso schlimmer, dass die Ermittler häufig dem Verdacht nicht nachgehen können. Deswegen fordert der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, nun erneut die Einführung der Vorratsdatenspeicherung. "Jeden Tag gehen beim Bundeskriminalamt Hinweise auf den sexuellen Missbrauch von Kindern ein", sagte er der "Berliner Zeitung". "Darunter sind Bilder und Videos, auf denen Kinder oder sogar Babys schwer missbraucht werden."

"Jeder Missbrauchsfall ist einer zu viel"

05.06.2018, Berlin: Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), gibt eine Pressekonferenz zum Thema Kinder als Gewaltopfer mit einer detaillierten Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017. Foto: Britta Pedersen/dpa +++ dpa-Bildf
Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA)
ped sab, dpa, Britta Pedersen

Das Material stamme aus dem Internet. Dort werde es zum Teil in versteckten Foren, zum Teil aber auch öffentlich gehandelt und getauscht. In vielen Fällen sei der einzige Hinweis auf den Täter die IP-Adresse seines Computers. "Doch den Ermittlerinnen und Ermittlern sind häufig die Hände gebunden", beklagte der BKA-Präsident. "Grund ist die nicht umgesetzte Vorratsdatenspeicherung. Allein im Jahr 2017 konnten über 8.000 Hinweise auf Kinderpornografie nicht weiter ermittelt werden", sagte Münch.

Hinter jeder Aufnahme stehe ein realer Kindesmissbrauch. "Eine Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung ist bei der Bekämpfung von Kinderpornografie und von sexuellem Missbrauch daher dringend geboten: Jeder Missbrauchsfall ist einer zu viel." Eine Vorratsdatenspeicherung würde Telekommunikationsanbieter verpflichten, alle Verbindungsdaten längerfristig zu speichern.

Weißer Ring fordert Konsequenzen aus jüngstem Fall

Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Opferhilfevereins Weißer Ring. Foto: Weißer Ring
Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Opferhilfevereins Weißer Ring
DPA

Nach den Urteilen im Missbrauchsprozess am Landgericht Freibur g fordert auch die Opferhilfsorganisation Weißer Ring weitere Konsequenzen aus dem Fall zu ziehen. "Der Staat muss auch Behördenmitarbeiter besser ausbilden, damit künftig sichergestellt ist, dass unschuldige Kinder perversen Kriminellen nicht ausgeliefert sind - schon gar nicht über einen längeren Zeitraum", sagte die Sprecherin, Bianca Biwer, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Außerdem müsse Kindern durch Präventionsarbeit vermittelt werden, dass sie das Recht hätten, Nein zu sagen. "Viele glauben: Was im eigenen Zuhause passiert, soll nicht nach außen dringen. Was in der Familie passiert, geht Außenstehende nichts an. So etwas ist natürlich fatal und kann dramatische Konsequenzen nach sich ziehen."

Ein Paar aus dem badischen Staufen hatte einen heute Zehnjährigen mehr als zwei Jahre vielfach vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen . Die 48 Jahre alte Mutter wurde am Dienstag vor dem Landgericht Freiburg zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Gegen ihren 39 Jahre alten Lebensgefährten - einen einschlägig vorbestraften Mann - verhängten die Richter eine Strafe von zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Das Kind war über das Darknet, einem anonymen Bereich des Internets, an Männer aus dem In- und Ausland verkauft worden.