2018 M06 5 - 21:27 Uhr

Delikte gegen Kinder bleiben oft unaufgeklärt

Tausende Kinder wurden im vergangenen Jahr in Deutschland Opfer von Gewalt. Das geht aus der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor. Zu den registrierten Taten gehören Vergewaltigungen und Fälle anderer sexueller Gewalt, Kindesmisshandlung, Körperverletzung, Mord und der Besitz und die Verbreitung kinderpornographischen Materials. Die Polizei ermittelt bei diesen Delikten auf Hochtouren – und doch laufen die Nachforschungen oft ins Leere.

Mehr als 16.000 Fälle von Kinderpornographie

Vorstellung der Zahlen kindlicher Gewaltopfer
BKA-Präsident Holger Münch bei der Vorstellung der Zahlen kindlicher Gewaltopfer
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Die Polizei ermittelt so intensiv wie nie und doch werden in Deutschland immer noch Tausende Kinder misshandelt und missbraucht. Jede Woche werden allein 250 Kinder Opfer sexueller Gewalt – mehr als 36 pro Tag. Das sagte BKA-Präsident Holger Münch am Dienstag in Berlin. Insgesamt wurden 13.539 Kinder im Jahr 2017 vergewaltigt oder auf andere Art sexuell missbraucht.

Ein besonders großes Problem stellen für die Ermittler der Besitz und die Verbreitung von kinderpornographischem Material dar. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei 16.317 solcher Fälle. Knapp 35.000 Hinweise auf Kinderpornographie erhielten die Ermittler aus den USA. In ein wenig mehr als der Hälfte der Fälle kam die Polizei aber aus technischen Gründen nicht weiter: Entweder mussten die Ermittlungen eingestellt werden, weil die Internet-Provider die IP-Adressen nicht mehr gespeichert hatten. Oder die individuellen Adressen gehörten zu einem allgemeinen Hotspot, bei dem etwa der benutzte Laptop nicht gespeichert wurde. Die Ermittler sind dann machtlos – Ende der Ermittlungen.

143 Kinder wurden letztes Jahr in Deutschland getötet.

Laut den offiziellen Zahlen des BKA wurden 4.247 Kinders besonders schwer misshandelt. In 143 Fällen wurden Kinder getötet. Hinzu kommen noch 50.000 weitere angezeigte Fälle einfacher Körperverletzung. Mit den großen Fallzahlen sind Jugendämter, Polizei und Justiz überfordert. Denn um dem Problem intensiver nachzugehen, wären viel mehr Leute nötig.

Die meisten Delikte gegen Kinder, Misshandlungen und sexueller Missbrauch, geschehen jedoch fernab der öffentlichen Wahrnehmung. Häufig schlagen Eltern oder andere Verwandte die Kinder. Auch Missbrauch geschieht in Familien. Die Täter werden oft nicht angezeigt.

BKA-Präsident Münch sagte, in manchen Zuwanderergruppen gebe es eine "höhere Gewalterfahrung und andere Wertevorstellungen". Auch das könne mit Gewalt gegen Kinder zu tun haben. "Deshalb ist jeder gefragt, wachsam zu sein, nicht wegzuschauen, Hinweise ernst zu nehmen, Anzeige zu erstatten (...) Wer wegschaut, trägt auch eine Mitverantwortung", appellierte er.