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Bisheriges Schmerzensgeld "beleidigend": Familien von Germanwings-Opfern verklagen Lufthansa und Versicherer

Bisheriges Schmerzensgeld "beleidigend": Familien von Germanwings-Opfern verklagen Lufthansa und Versicherer

"Wir wollen, dass die ganze Wahrheit und alle Verantwortlichen ermittelt werden"

Zwei Jahre nach der Germanwings-Katastrophe verklagen sechs Opferfamilien die Kölner Fluggesellschaft, den Mutterkonzern Lufthansa und mehrere Versicherer. Das bisher angebotene Schmerzensgeld sei "beleidigend", sagte der Anwalt der Familien aus Spanien, Paraguay und Großbritannien. Die Höhe der geforderten Schmerzensgelder wollte man nicht bekanntgeben. Die Familien beklagten zudem, SIM-Karten, die möglicherweise Informationen zum Ablauf der Katastrophe enthielten, seien vor der Rückgabe der Handys an die Angehörigen entfernt worden.

Die Klagen auf Schmerzensgeld wurden vor einem Handelsgericht in Barcelona eingereicht. Bislang hat die Lufthansa es abgelehnt, den Angehörigen derOpfer mehr als die bereits gezahlten 10.000 Euro Schmerzensgeld pro Person zukommen zu lassen. Der Rechtsanwalt Elmar Giemulla, der insgesamt 39 der 72 deutschen Opfer vertritt, hatte ein Schmerzensgeld von 30.000 Euro pro Hinterbliebenem verlangt.

Das Unternehmen dagegen hatte sich auf bereits gezahlte Leistungen berufen. So hat die Lufthansa pro Opfer 50.000 Euro Soforthilfe gezahlt. Zusätzlich hätten Angehörige pro Opfer 25.000 Euro wegen der erlittenen Todesangst der Passagiere bekommen, die ihnen gesetzlich zustanden.​

Lubitz' Familie meldet Zweifel an Alleinschuld des Copiloten an

Am Freitag war in Le Vernet in den französischen Alpen am zweiten Jahrestag der Katastrophe bei einem Treffen von rund 500 Hinterbliebenen der Opfer gedacht worden. Dem offiziellen Untersuchungsbericht zufolge hatte Copilot Andreas Lubitz auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf den Airbus absichtlich gegen einen Berg gesteuert. Alle 150 Menschen an Bord starben. "Das System hat versagt und zugelassen, dass eine unqualifizierte Person ein Flugzeug mit 140 Passagieren steuert", sagte vor Journalisten der Sprecher der sechs Familien, Narcís Motjé, der beim Unglück seinen Sohn Jordi (37) verloren hat.

"Wir wollen, dass die ganze Wahrheit und alle Verantwortlichen ermittelt werden, damit so etwas nie wieder passiert." Lubitz' Familie hatte zum zweiten Jahrestag Zweifel an der Alleinschuld des Copiloten angemeldet.