Bischöfe: Glaube hilft bei Lösung großer Fragen

Der Hildesheimer Dom St. Mariä Himmelfahrt ist zu sehen. Foto: Holger Hollemann/dpa/Archivbild
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25. Dezember 2019 - 13:40 Uhr

Niedersachsens Bischöfe haben die Menschen an Weihnachten zu mehr gesellschaftlichem Engagement und Einsatz für die Schwachen ermutigt. Der evangelische Landesbischof von Hannover, Ralf Meister, würdigte in seiner Predigt an Heiligabend etwa die Klimaschutzbewegung Fridays for Future. Deren Protest habe vermutlich wie noch nie zuvor dazu geführt, dass sich Abermillionen Menschen die Frage stellten, wie wir morgen in einer zerstörten Schöpfung leben und überleben wollten. "Tief in dieser Frage steckt die Frage nach Gott", sagte Meister in der Marktkirche in Hannover. Seine katholischen Kollegen setzten sich ebenfalls für eine stärkere Rolle des Glaubens bei vielen sozialen und politischen Themen ein.

Meister erklärte, wenn das Leben nicht nur ein zufälliges Ereignis der Natur sei, stelle sich die Frage, wie man leben solle. "Auch Fridays for Future eröffnet eine geistliche Frage." Er sei bei den Protesten mitgelaufen, weil er erfahren wolle, welche Konsequenz es brauche, um Gottes Schöpfung zu bewahren. Im September hatte Meister bei einer Demo Jugendlichen zugerufen: "Macht weiter! Ihr habt ein so starkes Zeichen gesetzt, wie wir Alten von den Jungen lernen können. (...) Ich gehöre zu einer Generation, die nicht genug getan hat."

Braunschweigs Landesbischof Christoph Meyns betonte, die Kraft des Glaubens könne auch helfen, Schwächere gegen Angriffe zu schützen. "Im öffentlichen Bereich sind es populistische Parolen, die Ängste schüren und nationalistische und völkische Ideen mithilfe von Propaganda und Fake News zum eigenen Machtgewinn missbrauchen und dabei Minderheiten zu Sündenböcken machen", sagte er am Mittwoch im Dom. Man müsse innehalten, um die Menschenliebe Gottes zu erkennen.

Auch für Hildesheims katholischen Bischof Heiner Wilmer kann der Glaube eine Richtschnur zur Lösung sozialer und globaler Probleme sein. Eine Botschaft Jesu zu Weihnachten bestehe darin, den Menschen das eigene Leben als "Schule" zu vermitteln, sagte er am Mittwoch beim Festgottesdienst im Mariendom. Der "menschgewordene Gott" sage: ""Du wirst lernen, Verantwortung für dich selbst zu übernehmen. Darüber hinaus wirst du lernen, Verantwortung zu übernehmen für die Welt, das Klima, das Wasser, für mehr Gerechtigkeit und Frieden"."

Wilmer unterstrich den besonderen Wert des Glaubens für diejenigen, die in Not seien oder sich von der Kirche entfernt hätten: "Gott gibt auch den Gestrandeten, den Flüchtlingen, den Obdachlosen, den seelisch Unbehausten eine Heimat. (...) In all diesen dramatischen Situationen hält Gott dich. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob du dich mit Gott schwertust oder dich von ihm abgewandt hast."

Der katholische Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, forderte, angesichts des Vertrauensverlustes in die Kirche mehr über positive Erlebnisse mit Gott zu sprechen. Die Rede der Kirche von Gott und über Gott sei vielen Menschen unglaubwürdig geworden, sagte er im Osnabrücker Dom und spielte damit auch auf den Missbrauchsskandal an. Kirche und Christen müssten wieder von ihren guten Erfahrungen mit Gott sprechen. "Sie können dann Glaubwürdigkeit und Vertrauen gewinnen, wenn man ihnen anmerkt, dass Gott ihr Leben positiv verändert hat und sie einem Geheimnis trauen, das menschlich einzig und allein mit der Unsäglichkeit der Liebe vergleichbar ist."

Quelle: DPA