Bis zu 700 Tote: Wohl schlimmstes Schiffsunglück im Mittelmeer

27. April 2015 - 15:25 Uhr

Flüchtlingsboot ist gekentert

Wenn sich die Zahlen bestätigen, ist es das schlimmste Schiffsunglück, das es in der jüngeren Vergangenheit im Mittelmeer gegeben hat: Ein Flüchtlingsboot mit etwa 700 Migranten an Bord ist zwischen Libyen und der italienischen Insel Lampedusa gekentert. Es wird befürchtet, dass die meisten Menschen ums Leben gekommen sind.

Erste wenige Menschen lebend gerettet
Ein Boot der italienischen Küstenwache vor Lampedusa.
© dpa, Ettore Ferrari

Bis zum Abend konnten die Einsatzkräfte 28 Überlebende retten und 24 Leichen bergen. Die Suche nach weiteren Überlebenden läuft. "Das Wasser hat eine Temperatur von etwa 17 Grad. Wenn sich jemand an etwas festhält, könnte er überlebt haben", sagte Filippo Marini, Sprecher der Küstenwache, dem TV-Sender 'Rai'. Viele der Migranten konnten jedoch vermutlich nicht schwimmen. Die Vereinten Nationen bestätigten, dass rund 700 Menschen vermisst seien, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) mit.

Ersten Erkenntnissen zufolge hatten die Migranten einen Hilferuf abgesetzt, woraufhin ein portugiesischer Frachter sich auf den Weg machte. Als sich dieser näherte, eilten viele Migranten zu einer Seite des Schiffes, um die Retter zu erreichen. Daraufhin kenterte das etwa 30 Meter lange Boot den Berichten zufolge. Über die Herkunft der Menschen an Bord ist noch nichts bekannt. Die Küstenwache warnte, möglicherweise werde es keine Gewissheit über die Zahl der Toten geben, da das Meer an der Stelle sehr tief sei.

"Sie suchen Überlebende zwischen den Leichen"

"Wahrscheinlich ist der Frachter in die Nähe des Bootes gefahren. Die Bewegung einiger Flüchtlinge hat das Boot dann zum Kentern gebracht", sagte UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami. "Wenn sich die Bilanz dieser erneuten Tragödie bestätigen sollte, sind in den vergangenen zehn Tagen mehr als 1.000 Menschen im Mittelmeer ums Leben gekommen." Immer wieder machen sich Migranten von Afrika aus auf den Weg über das Mittelmeer, viele von ihnen überleben die gefährliche Überfahrt nicht.

"Die Retter versuchen, zwischen den Toten die auf dem Wasser treiben Überlebende zu finden", beschreibt der Maltesische Premierminister Joseph Muscat die Lage laut 'Times of Malta'. Auch der Inselstaat ist an den Rettungsarbeiten beteiligt. Wenn sich die Befürchtungen bestätigen, sei das die größte Tragödie die es je im Mittelmeer gegeben habe.

Erst Anfang vergangener Woche waren nach Berichten von Überlebenden bereits 400 Menschen bei einem anderen Unglück umgekommen. Seit Anfang des Jahres wären es damit nach UNHCR-Schätzungen mehr als 1.600 tote Flüchtlinge.