Eine verhängnisvolle Affäre

Bis zu 60 Anrufe am Tag: Jennifer E. wurde von ihrem Seitensprung gestalkt

09. Oktober 2020 - 15:45 Uhr

So schlimm war das Stalking für Jennifer E.

Ihr Seitensprung wurde für Jennifer E. aus Aue (Sachsen) zum Verhängnis. Kurz nach dem Ende der Affäre fing ihr Gelegenheitsliebhaber an, sie massiv zu belästigen und beleidigen. 50 oder 60 mal am Tag rief Danny H. seine Ex-Affäre an, schickte ihr dutzende SMS und stellte ihr sogar mit dem Auto nach. Und das alles nur, weil sie sich nicht von ihrem Freund trennen wollte, sagt Jennifer E. Nun muss ihr Stalker wegen Nachstellung eine Geldstrafe zahlen.

Danny H. wollte, dass Jennifer ihrem Freund die Affäre beichtet

Im Interview mit unserem Reporter erklärt Jennifer E., wie es überhaupt so weit kommen konnte. Die Affäre habe sich entwickelt, weil sie zu diesem Zeitpunkt in ihrer langjährigen Beziehung nicht mehr glücklich gewesen sei, schildert die junge Frau. Auch Danny H. sei in einer Beziehung gewesen – trotzdem ließen sich beide auf den Seitensprung ein. Die Affäre geht laut Jennifer über mehrere Monate, bis die Freundin von Danny H. intime Bilder der beiden findet. Danny H. verlangt schließlich, dass auch Jennifer ihrem Freund den Seitensprung beichtet – doch das möchte sie nicht.

„Er wollte, dass ich meinen Arbeitsplatz verliere, dass ich meine Familie verliere"

Also scheint Danny H. die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Er ruft ständig bei Jennifer an, schickt ihr SMS unter falschem Namen, bis sie es schließlich doch ihrem Freund beichtet. Doch der steht zu ihr und kann die Affäre verzeihen. "Wir haben schon einige Sachen zusammen durchgestanden", sagt Jennifer E. im Interview. Am 3. November 2018 macht sie schließlich endgültig Schluss mit Danny H.

Doch damit geht es erst richtig los. Im Januar 2019 ruft Danny H. Jennifer fast 300 Mal an. Schickt ihr extrem beleidigende SMS, die weit unter die Gürtellinie gehen – darin beleidigt er sie selbst, aber auch ihren zwölfjährigen Sohn. Allerdings bleibt es nicht dabei: Danny H. meldet sich bei Jennifers Arbeitsstelle, schickt intime Bilder an ihre Arbeitskollegin. "Der wollte mich kaputtmachen, beruflich, meinem Kind schaden", erzählt sie schockiert. Danny H. fährt sogar zur Schule ihres Sohnes, um ihm dort aufzulauern. Der Gipfel: Er schickt in ihrem Namen eine Kündigung an ihre Arbeitsstelle und besprüht ihr Auto mit massiven Beleidigungen. "Er wollte, dass ich meinen Arbeitsplatz verliere, dass ich meine Familie verliere", sagt die junge Frau im Interview.

Frau von Affäre gestalkt
Ihr Stalker beschmierte Jennifers Auto mehrmals mit massiven Beleidigungen.
© privat

Jennifer E. ging zur Polizei

Schließlich wendet sie sich an die Polizei und erstattet Anzeige und erwirkt eine einstweilige Verfügung. Danny H. darf sich ihr nicht mehr nähern, keinen Kontakt zu ihr oder ihrer Familie aufnehmen. Außerdem soll er wegen Nachstellung eine Geldstrafe zahlen. Weil er dagegen Widerspruch einlegt, landet die Sache schließlich vorm Amtsgericht. Nun zahlt er doch.

Das rät Jennifer allen Frauen

"Ich bin erleichtert, dass er überhaupt bestraft wird und dass sie ihm alles nachweisen konnten", sagt Jennifer nach der Verhandlung. Es belaste sie aber immer noch, was sie ihrem Sohn und ihrem Freund angetan habe. Deshalb möchte sie anderen Frauen mit einem Stalker auf den Weg geben: "Man sollte sich jemandem anvertrauen, das öffentlich machen und Anzeige erstatten!"