Bio-Bombe aus Rizin: Kölner Islamist hätte hunderte Menschen töten können!

© dpa, David Young, dy exa

26. Juni 2018 - 22:20 Uhr

Anschlagspläne in Chorweiler: Neue Dimension bekannt

Am 12. Juni stürmen Spezialkräfte eine Hochhaussiedlung im Kölner Stadtteil Chorweiler und finden hochgiftiges Rizin. Jetzt wird klar, wie verheerend der Anschlag hätte sein können, den der 29-jährige Tunesier plante. Der Islamist hätte mit einer Biobombe hunderte Menschen töten können.

Sief Allah H. sitzt in Untersuchungshaft

Durchsuchung in Köln-Chorweiler
Ein Feuerwehrmann trägt vor dem Wohnkomplex Osloerstr. 3 in Köln-Chorweiler eine Tonne heraus.
© dpa, Oliver Berg, obe fgj

"Die Dosis hätte wahrscheinlich mehrere Hundert Menschen zumindest verletzt, wenn nicht sogar getötet", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen bei einem "Kongress für wehrhafte Demokratie" in Berlin. Die Informationen zu den mutmaßlichen Anschlagsplänen des Tunesiers seien über ein Hinweistelefon gekommen sowie von befreundeten Geheimdiensten.

"Wir glaubten ursprünglich, er hätte vor, nach Syrien oder nach Ägypten auszureisen. Bis wir dann Informationen generierten, die deutlich machten, er beschäftigte sich mit etwas anderem als Ausreisen - nämlich mit der Herstellung einer biologischen Waffe", sagte Maaßen. Der Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft.

Anschlagspläne "sehr weit" fortgeschritten

Durchsuchung in Köln-Chorweiler
Rizin gilt als potenzieller biologischer Kampfstoff. Die Reinsubstanz ist in geringsten Konzentrationen lebensbedrohlich.
© imago/Eibner, Benjamin Horn/ Eibner-Pressefoto, imago stock&people

Von einer "Biobombe" und von "ganz konkreten Vorbereitungen" eines Anschlags einer neuen Dimension spricht der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, gut eine Woche nach dem Zugriff. Der 29-jährige Sief Allah H. - zu Deutsch "Schwert Gottes" - soll schon sehr weit gewesen sein mit seiner perfiden Planung. "Sehr wahrscheinlich" wollte er einen Terroranschlag begehen, schildert Maaßen. Auch wenn die Konstruktion einer Bombe mit Rizin als technisch sehr anspruchsvoll gilt, gibt es im Internet Anleitungen - auch von islamistischen Organisationen. Und daran habe sich der Verdächtige "offensichtlich auch orientiert", erläuterte BKA-Chef Münch.

Der Tunesier war Ende 2016 via Familiennachzug nach Deutschland gekommen und hatte der Bundesanwaltschaft zufolge 2017 gleich zweimal erfolglos versucht, nach Syrien auszureisen - vermutlich zur Terrormiliz Islamischer Staat.