Bill Gates trinkt Fäkalien - Was hinter der Trinkwasser-Aktion des Microsoft-Gründers steckt

08. Januar 2015 - 11:05 Uhr

Jährlich sterben 700.000 Kinder aufgrund schlechter sanitärer Anlagen

Bill Gates trinkt ein Glas Wasser – zunächst nichts ungewöhnliches. Interessant wird es, wenn man erfährt, woraus das Trinkwasser, das er da genießt, entstanden ist: aus menschlichen Fäkalien. In seinem Blog erklärt der milliardenschwere Gründer der Microsoft Corporation, was es damit auf sich hat.

Bill Gates probiert das Wasser aus der Kläranlage.
Bill Gates probiert aus menschlichen Fäkalien entstandenes Trinkwasser aus dem Omniprocessor.

Gates besichtigt eine Anlage, die menschliche Abfälle verbrennt und daraus Wasser und Strom produziert. Sie ist Teil der Gates-Stiftung und soll sanitäre Einrichtungen in armen Ländern verbessern. "Das Wasser schmeckt genauso gut, wie jedes andere aus der Flasche", schreibt Bill Gates, "und nachdem ich die Technik der Maschine verstanden habe, würde ich es jeden Tag trinken".

Zwei Milliarden Menschen auf der Welt benutzen Toiletten, die nicht richtig entwässert werden. Andere scheiden im Freien aus. Die Fäkalien verunreinigen das Trinkwasser von Millionen von Menschen, was schreckliche Konsequenzen mit sich trage, wie Bill Gates berichtet: Jedes Jahr sterben um die 700.000 Kinder durch Krankheiten, die durch schlechte sanitäre Anlagen verbreitet würden. Zudem hindere es viele weitere daran, sich geistig und körperlich voll entwickeln zu können.

"Wenn wir sichere, erschwingliche Wege, menschliche Abfälle loszuwerden entwickeln können, können wir viele solcher Tode verhindern und mehr Kindern helfen, gesund aufzuwachsen", heißt es in seinem Blog. An vielen Orten ohne moderne Kläranlagen würden die Fäkalien mit Lastwagen in Flüssen oder im Meer entsorgt und am Ende oft im Trinkwasser landen.

'Omniprocessor' soll weltweites Problem lösen

Westliche Toiletten seien nicht die Lösung, weil sie eine gewaltige Infrastruktur von Abwasserleitungen und Aufbereitungsanlagen forderten, was für arme Länder nicht durchführbar sei. Nach Gates sei eine Neuerfindung der Kläranlage die Lösung.

Das Ingenieurbüro Janicki Bioenergy hat eine solche Anlage entwickelt. Bill Gates besuchte den Hauptsitz der Firma in Seattle, bevor das Testprojekt in Senegal startet. Das Projekt namens 'Omniprocessor' sei eine sichere Quelle für menschliche Abfälle, so Gates. Darin würde es nämlich verbrannt, was moderne Kläranlagen zwar ohnehin schon tun, aber viele verarbeiten den Abfall in feste Stoffe, den sie in der Wüste lagern oder verbrennen sie teuer mit Diesel. "Das heißt, sie verbrauchen viel Energie, was sie in den meisten armen Ländern unbrauchbar macht", schreibt Gates.

Der 'Omniprocessor' löse das Problem. Durch das raffinierte Nutzen einer Dampfmaschine produziere er mehr als genug Energie, um die nächste Ladung Abfall zu verbrennen. Mit überflüssigem Strom versorgt die Maschine sich selbst. Der weiter entwickelte Prozessor soll mit den Fäkalien von 100.000 Menschen täglich bis zu 86.000 Liter Trinkwasser und ein Stromnetz mit 250 Kilowatt herstellen. Die Gates-Stiftung finanziert Janicki in der Entwicklung. "Unser Ziel ist es, die Prozessoren so günstig zu machen, dass Unternehmen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in sie investieren wollen und dann ein profitables Abfallbehandlungsunternehmen zu schaffen", so Gates.

"Wir haben noch viel zu lernen, bevor wir unser Ziel erreicht haben", schreibt er weiter. Der nächste Schritt sei das Testprojekt. Dieses Jahr richte Janicki einen 'Omniprozessor' in Dakar, Senegal ein, wo sie alles herausfinden sollen, zum Beispiel wie man den besten Standort für eine Anlage auswählt. Außerdem sollen sie ein System testen, mit dem Janickis Ingenieure durch Sensoren und Webcams den Prozessor aus der Ferne beobachten, mit dem Team in Dakar kommunizieren und Probleme feststellen können.

Es mag lange dauern, bis der Prozessor weltweit benutzt werden kann, aber Bill Gates ist überzeugt von dem Projekt. "Der Prozessor würde aus menschlichen Fäkalien nicht nur Trinkwasser produzieren, sondern auch einen Rohstoff mit echtem Wert auf dem Markt."