Schulgipfel mit der Kanzlerin

Bildungsgipfel einig: Laptops für jeden Lehrer und günstiges Internet für jeden Schüler

26.02.2020, Kinder und Familie, (Modelreleased). Schulkind Viola aus Bayern macht wegen der Corona-Pandemie Unterricht v
© imago images/MiS, Bernd Feil/M.i.S. via www.imago-images.de, www.imago-images.de

14. August 2020 - 11:02 Uhr

Hilfen für bessere Bildung vereinbart

Vertreter von Bund und Ländern haben sich am Donnerstagabend im Kanzleramt auf konkrete Schritte für eine bessere Bildung geeinigt. Das Thema Digitalisierung stand im Mittelpunkt. Die Corona-Pandemie hatte hier deutliche Schwächen aufgezeigt. Schnelles Internet für Schulen, bezahlbarer Internetanschluss für Schüler und Laptops für Lehrer: Mehrere Kultusminister haben mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) Hilfen für eine bessere Bildung vereinbart.

Das sind die Ergebnisse des Bildungsgipfels

Formale Beschlüsse wurden zwar nicht gefasst. Es sind erst weitere Abstimmungsprozesse zwischen Bund und Ländern nötig. Wie die Deutsche Presse-Agentur aber aus Teilnehmerkreisen erfuhr, sind diese Schritte konkret geplant:

  • Jeder Lehrer soll einen Dienstlaptop bekommen.
  • Jedem Schüler soll ein günstiger Zugang zum Internet ermöglicht werden, der maximal zehn Euro im Monat kosten soll.
  • In Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium solle außerdem jede Schule in Deutschland zügig an schnelles Internet angeschlossen werden. Es wird demnach mit Kosten von rund 500 Millionen Euro gerechnet.

Durch die Corona-Pandemie wurde so richtig deutlich, wie es um die Digitalisierung der Schulen steht: nicht sonderlich gut. Aufgabenstellungen und Kommunikation über das Internet während der Schulschließungen funktionierten nur bedingt. Bildungsgewerkschaften und Lehrerverbände hatten kritisiert, dass nicht alle Schüler zu Hause mit entsprechender Technik ausgestattet seien. Auch das Fehlen von Dienstgeräten für Lehrkräfte wurde bemängelt.

Digital-Expertin Verena Pausder hat den Stand an den Schulen während der Corona-Krise vehement kritisiert und Veränderungen gefordert. Was brauchen unsere Schulen? Wie sieht das ideale digitale Klassenzimmer aus? "Es ist wichtig, dass wir nicht denken, dass wir, wenn wir Geräte verteilen, dass das dann digitale Bildung ist", sagt sie im RTL-Interview. Dazu gehörten Raumkonzepte, dass sich die Schüler freier bewegen können, dass man unterschiedlichen Unterricht machen könne und auch dass der Lehrer mehr zum Lerncoach und Lernbegleiter werde. Das müsse in der Ausbildung verankert werden, oder aber auch vom bestehenden Personal in Webinaren beispielsweise erlernt werden.

Friedrich Merz: "Deutschland ist bei der Digitalisierung Entwicklungsland.“

"Wir haben heute sehr gute Ergebnisse erzielt", sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, Stefanie Hubig (SPD). Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) sagte nach dem Treffen: "Es war ein erfreulich konstruktives Gespräch über die Grenzen von Bund, Ländern und Parteien hinweg. Wir wollten zu gemeinsamen Lösungen kommen, und wir sind erstaunlich weit gekommen." Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte: "Das zeigt, dass das Thema Schule uns allen sehr wichtig ist. Das Treffen sei getragen gewesen von dem Gedanken, dass Schule und Bildung höchste Priorität hätten.

Der CDU-Politiker Friedrich Merz sagte der "Passauer Neuen Presse": "Es ist einfach inakzeptabel, dass bis heute noch immer nicht jede Schule einen WLAN-Anschluss hat. Deutschland ist bei der Digitalisierung Entwicklungsland." Jede Schule müsse eine Internet-Domain haben und jeder Schüler ebenso wie alle Lehrkräfte eine eigene E-Mail-Adresse auf dieser Domain. "An den Schulen ist höchste Eile geboten. Gut, dass sich die Bundeskanzlerin dieser Sache persönlich annimmt. Wir haben massive Defizite in den Schulen, die jetzt im Zeitraffer beseitigt werden müssen."

Die größte Sorge vieler Eltern ist es, dass es wieder zu flächendeckenden Schulschließungen kommt. Das soll nach dem Willen der Beteiligten möglichst nicht mehr geben. "Es besteht Einigkeit über das gemeinsame Ziel, erneute komplette und flächendeckende Schließungen von Schulen und Kitas möglichst zu vermeiden", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Gute Bildungspolitik sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte KMK-Präsidentin Hubig. "Wir alle müssen Sorge dafür tragen, dass unsere Schülerinnen und Schüler ihr Recht auf Bildung verwirklichen können." Kurz nach Beginn des Schuljahrs in mehreren Bundesländern waren einige Schulen wegen Corona-Fällen oder -Verdachtsfällen zuletzt schon wieder geschlossen worden.

Wie Schüler und Lehrer die ersten Tage nach den Sommerferien erlebt haben, können Sie hier nachlesen. Besonders das Thema Maske im Unterricht bewegt viele.

Noch mehr Politik-News in unserer Videoplaylist

​Spannende Hintergrund-Reportagen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Gesundheit, Schule oder natürlich auch zu aktuellen Corona-Maßnahmen, sowie interessante Interviews mit Politikern – das alles finden Sie in unserer Video-Playlist.

Politiker-Interviews im "Frühstart"

In der Interview-Reihe "Frühstart" treffen wir täglich spannende Gesprächspartner aus der Politik. In unserer Videoplaylist können Sie sich die Video-Interviews ansehen.