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Bildung in der Sackgasse? Top-Abiturienten wollen nicht Lehrer werden

Bildung in der Sackgasse? Top-Abiturienten wollen nicht Lehrer werden

Immerhin interessiert sich fast die Hälfte für den Beruf des Lehrers

Dass Bildung ein hohes Gut ist, ist wohl unbestritten. Bildung gilt als Schlüssel für wirtschaftliche Entwicklung und Wachstum. Um also den Schülern eine hochqualifizierte Bildung zu ermöglichen, benötigt man gute Lehrer. Nur: Woher bekommt man gute Lehrer und wer will heutzutage überhaupt noch Lehrer werden? Der aktuelle Abiturientenreport zeichnet da ein eher düsteres Bild: Die wirklich guten Abiturienten streben eher selten eine Lehrer-Laufbahn an.

ARCHIV - Eine Englisch-Lehrerin einer Grundschule beschriftet die Tafel, aufgenommen am 27.10.2010 in Frankfurt (Oder) (Brandenburg). Die Brandenburger Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warnt vor zunehmender Diskriminierung und Gewalt von Schülern gegenüber ihren Lehrern. Foto: Patrick Pleul/dpa (zu lbn «Gewerkschaft warnt vor zunehmender Diskriminierung von Lehrern» vom 09.06.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der Beruf des Lehrers kommt bei den Jahrgangsbesten nicht gut an. Die Schule hat ein Image-Problem.
dpa, Patrick Pleul

Nur jeder vierte Absolvent sieht im Lehrberuf gute Aufstiegsmöglichkeiten. Das hält viele Abiturienten davon ab, auf Lehramt zu studieren. Sie wollen eben Karriere machen. Das geht in der Schule nicht.

Und deshalb interessieren sich gerade die Top-Absolventen kaum für den Beruf des Lehrers. Nur für 17,3 Prozent der Abiturienten mit einem Abi-Schnitt zwischen 1,0 und 2,0 kommt der Lehrerberuf infrage. Mit anderen Worten: Die besten eines Jahrgangs haben kaum Interesse daran, den Nachwuchs in Deutschlands Schulen auszubilden. Die Jahrgangsbesten wollen Arzt, Banker, Rechtsanwalt oder IT-Spezialist werden.

Dennoch ist die Gesamtzahl derer, die sich für den Beruf des Lehrers interessieren, immer noch sehr hoch. 48,3 Prozent der Abiturienten mit einem Schnitt zwischen 2,1 und 4,0 sind durchaus am Lehrerberuf interessiert.

Deutsche Lehrer stehen im Schnitt finanziell sehr gut da

Eine Rolle dabei mag auch spielen, dass die Absolventen das Einkommen für nicht attraktiv genug halten. 63,7 Prozent glauben, dass ein attraktives Einkommen auf den Lehrerberuf zutrifft. Insgesamt beurteilen aber 89,9 Prozent das Gehalt als wichtigen Faktor bei der Berufswahl.

Dabei stehen deutsche Lehrer im internationalen Vergleich sehr gut da. In Dänemark und Luxemburg verdienen die Lehrer am meisten, doch danach folgen schon Deutschland und Österreich. In Deutschland liegt das Brutto-Eingangsgehalt laut EU-Kommission sogar über dem nationalen Durchschnitt.

Immerhin glauben die Abiturienten, dass der Arbeitsplatz sicher ist. Das macht den Beruf attraktiv, denn 91,8 Prozent der Umfrageteilnehmer ist es wichtig, dass ihr Arbeitsplatz sicher ist.

Es liegt nun an den Bundesländern, den Lehrerberuf auch für die Top-Absolventen interessanter zu gestalten. Finanziell sind die Spielräume da natürlich sehr begrenzt. Und so hat die Schule in Deutschland ein echtes Image-Problem. Schule gilt vielen als piefig, wenig innovativ mit wenig Raum für Kreativität und Schaffenskraft. Dabei hat man doch wenigstens drei Monate im Jahr Zeit, seine Kreativität auszuleben – in den Ferien nämlich.