'Bild' geht auf Konfrontation zu Wulff

10. Februar 2016 - 12:27 Uhr

Wulff vs. 'Bild': Wer sagt die Wahrheit?

Ganz Deutschland fragt sich, was Bundespräsident Christian Wulff 'Bild'-Chefredakteur Kai Diekmann auf die Mailbox gesprochen hat. Wulff hat sich zwar gegen eine Veröffentlichung der Botschaft ausgesprochen, aber die Boulevardzeitung ist auf Konfrontationskurs. Sie veröffentlicht nun Teile der Nachricht - und zwar über Kollegen. Stück für Stück und Satz für Satz. Auszüge sind im aktuellen Heft des Nachrichtenmagazins 'Der Spiegel' zu lesen.

Offener Konflikt: 'Bild' gegen Christian Wulff
Der Konflikt zwischen Bundespräsident Christian Wulff und der 'Bild'-Zeitung schwelt weiter.
© dpa, Jens Büttner

Und das Magazin zieht harte Schlüsse aus der Mailbox-Affäre: Wulff sei seinem Amt nicht gewachsen, er verstricke sich immer mehr in Widersprüche. Dabei decken sich Wulffs Aussagen mit dem, was bisher bekannt war. "Ich habe alles offengelegt, Informationen gegeben, mit der Zusicherung, dass die nicht verwandt werden. Die werden jetzt indirekt verwandt, das heißt, ich werde auch Strafantrag stellen gegenüber Journalisten morgen, und die Anwälte sind beauftragt", zitiert 'Der Spiegel' aus der Wulff-Nachricht.

Offen ist, ob der Bundespräsident die 'Bild'-Berichterstattung durch seinen Anruf komplett verhindern oder verzögern wollte. 'Bild' beharrt darauf, dass Bundespräsident die Berichterstattung über die Finanzierung seines Privathauses verhindern und nicht nur verschieben lassen wollte.

"Der Bundespräsident hat vielleicht das Verschieben als Etappe gesehen, das Verhindern ganz eindeutig als Ziel", sagte der stellvertretende 'Bild'-Chefredakteur Nikolaus Blome am Sonntag in der ARD-Sendung 'Günther Jauch'. Wulff hatte dagegen in der vergangenen Woche in einem Interview von ARD und ZDF erklärt, es sei ihm nur darum gegangen, dass die Berichterstattung um einen Tag verschoben wird, bis er von seiner Auslandsreise zurück sei. Er wollte reden. Die Mailbox-Enthüllung des 'Spiegel' stützt diese These: Er wolle "einfach, dass wir darüber sprechen, denn wenn das Kind im Brunnen liegt, ist das Ding nicht mehr hochzuholen - das ist eindeutig", soll Wulff gesagt haben.

"Der Präsident ist aufs Ganze gegangen mit einem politischen Risiko, weil er das Ganze wollte, nämlich diesen Bericht zu verhindern", kontert Blome. Wer sagt die Wahrheit?

Opposition eröffnet Nachfolger-Debatte

Nach inzwischen vier Wochen dauernder Debatte über Wulff wegen seiner Kredit- und Medienaffäre spricht die Opposition inzwischen offen über die Wahl eines Nachfolgers. Die Vorsitzenden von SPD und Grünen, Sigmar Gabriel und Claudia Roth, boten der schwarz-gelben Koalition an, gemeinsam eine geeignete Persönlichkeit für Wulffs Nachfolge zu suchen, falls dieser zurücktreten sollte.

Gabriel sagte, die SPD wolle gar keinen eigenen Kandidaten benennen, die CDU könne auch jemanden aus ihren Reihen vorschlagen. "Wir wollen bloß, dass dieses unwürdige Theater endlich ein Ende hat." Roth sagte in der ARD-Sendung 'Bericht aus Berlin': "Von grüner Seite aus gibt es natürlich das Angebot, zusammen mit der Union, zusammen mit der Regierung eine geeignete Person zu finden."

Wulff selbst denkt offenbar weiter nicht an Rücktritt. Bei einem internen Neujahrsempfang für Mitarbeiter am vergangenen Freitag habe er sich zuversichtlich gezeigt, "dass dieses Stahlgewitter bald vorbei ist", schrieb 'Bild am Sonntag' ohne Angabe von Quellen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht keinen Anlass, sich über einen möglichen Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff Gedanken zu machen. Das sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es gebe auch keine "wie immer geartete Absprache" der Koalitionspartner über einen möglichen Nachfolger im Falle eines Rücktritts des Bundespräsidenten.

Trotz des Konflikts ihres Mannes mit der 'Bild'-Zeitung scheint Bettina Wulff keine Berührungsängste mit dem Springer-Konzern zu haben. Sie war zu Gast beim Neujahrsempfang des zu Springer gehörenden 'Hamburger Abendblatts'. Sie mischte sich unter die rund 1.000 Gäste in Hamburg und war gefragtes Motiv für die Fotografen. Angesichts der Affäre erhofft sich Bettina Wulff nach Angaben von abendblatt.de, dass wieder Ruhe für ihre Familie einkehre und sie gemeinsam mit ihrem Mann ihren Aufgaben nachgehen könne.