Big Brother is not watching you? Das ist an der Aufregung um die Samsung-TV-Überwachung dran

10. Februar 2015 - 20:50 Uhr

Fernbedienungs-Knopfdruck muss aktiviert sein

Ist '1984' längst Realität in unseren eigenen vier Wänden, und wir holen uns Big Brother selbst ins Haus? In dem berühmten Buch von George Orwell geht es darum, dass Monitore Menschen überwachen, die davor sitzen. Ein Satz im Kleingedruckten von Samsung sorgte gestern für große Aufregung: Belauschen deren smarte Fernseher alles, was wir sagen?

Belauschen deren smarte Fernseher alles, was wir sagen?
Ein Satz in den Datenschutzbestimmungen von Apples neuem Smart TV sorgte für einen Riesen-Wirbel.
© dpa, Rainer Jensen

Der Smart-TV von Samsung reagiert auf Zuruf. Er wird lauter und leiser und schaltet um, wenn er den Befehl dazu bekommt. Diese Sprachsteuerung mag man praktisch finden. Datenschützer graust es aber, denn sie haben jetzt mal das Kleingedruckte gelesen. Und da schreibt Samsung: "Wenn ihre gesprochenen Worte persönliche und sensible Informationen enthalten, dann seien Sie sich bitte bewusst, dass diese Informationen zu den Daten gehören, die erfasst und im Rahmen der Spracherkennung an Dritte übertragen werden."

Samsung hat nun schriftlich erklärt: Die Spracherkennungsfunktion der Fernseher sei nur dann aktiviert, wenn Nutzer sie per Fernbedienungs-Knopfdruck einschalten. Das sei auch durch ein Mikrofonsymbol sehr einfach zu erkennen. Weiter heißt es: "Dabei bieten wir dem Nutzer auf verständliche Weise die Möglichkeit, der Nutzung eines Services zuzustimmen oder diese abzulehnen." Wer ein ungutes Gefühl hat, sollte also die Spracherkennung abschalten. Dann ist der Fernseher zwar nur noch ganz altmodisch per Fernbedienung zu steuern. Dafür hört er aber auch nicht mehr ständig zu.

Ronald Eikenberg von der Computerzeitschrift c't meint trotzdem: "Wenn man sich diese Datenschutzbestimmungen durchliest, dann steht da schon sehr deutlich, dass es um jedes gesprochene Wort geht, was in Reichweite des Fernsehers gesprochen wird."

Die digitale Wanze ständig dabei?

Siri hört mit
Apple speichert die Daten, die wir 'Siri' preisgeben, zwei Jahre lang.
© REUTERS, CHINA STRINGER NETWORK

Die fortschreitende Digitalisierung und auch der zunehmende Einsatz von Spracherkennung werfen vor allem eine Frage auf: Wieviel wollen wir freiwillig von uns preisgeben? Und wieviele unserer Daten liefern wir den Softwareriesen, ohne dass wir groß darüber nachdenken? Immer mehr smarte Geräte haben Kameras und Mikrofone und registrieren Worte und Gesten ihrer Nutzer.

Und so sind Smart-TVs nicht die ersten und einzigen Geräte, die ihren Nutzern zuhören, deren Worte per Internet weiterleiten und analysieren. Das tut beispielsweise auch die Echo-Box von Amazon. Sie spielt auf Zuruf Musik ab und beantwortet Fragen mithilfe des Internets. Dafür aber sind die elektronischen Ohren ständig gespitzt. "Damit wird definitiv eine Wanze ins Haus geholt. Im Grunde ist kein Wort mehr im Haus vertraulich möglich", meint Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein.

Doch im Grunde haben wir unsere digitale Wanze fast alle rund um die Uhr bei uns: Unser Smartphone. Apple zum Beispiel speichert die Daten, die wir 'Siri' preisgeben, zwei Jahre lang – angeblich, um die Spracherkennung zu verbessern. "Wenn Sie Siri und die Diktierfunktion verwenden, wird alles, was Sie sagen bzw. diktieren, aufgezeichnet und an Apple gesendet, damit die Anfragen verarbeitet werden können", heißt es in Apples Richtlinien.

Das größte Problem aber ist, dass sich viele darüber kaum Gedanken machen und sogar freiwillig persönliche Daten, über Körperfunktionen, Aufenthaltsort und sonstige Befindlichkeiten preisgeben.