Warum viele Händler die Karten nicht akzeptieren

Bezahlen mit neuer Debitkarte von DKB, ING & Co. nicht möglich

Einkaufen mit der neuen Debitkarte von DKB.
Einkaufen mit der neuen Debitkarte von DKB.
DKB

von Aristotelis Zervos

Eine Karte von der Bank für alles. Das klingt unkompliziert, doch in der Praxis heißt es oft: „Diese Karte können wir nicht annehmen.“ Denn die neuen Debitkarten von Comdirect, DKB, ING und weiteren Banken sind bei vielen Einzelhändler nicht besonders beliebt. Blöd für Kundinnen und Kunden: Wenn sie Pech haben, können sie mit der neuen Karte im Laden nicht bezahlen. Aber was steckt eigentlich dahinter?

Debitkarte löst bei Comdirect, DKB, ING & Co. Girocard ab

Die Debitkarten von Visa und Mastercard lösen vor allem bei vielen Direktbanken wie DKB, ING, Comdirect oder Consors die bislang übliche Girocard als Standardkarte ab. „Top of wallet“-Karte nennen das die Banker. Gleichzeitig kann man die Debitkarte ähnlich wie eine Kreditkarte benutzen, zum Beispiel für Online-Einkäufe.

„Die Umstellung auf eine Ein-Karten-Strategie ist vor allem auch umweltschonender und betriebswirtschaftlich effizienter“, erklärt ein DKB-Sprecher auf Nachfrage von RTL. Doch selbst die DKB, die mit rund 5,2 Millionen Kunden zu den größten Direktbanken gehört, schränkt ein: „Gleichzeitig wissen wir jedoch auch, dass einzelne Kundengruppen derzeit noch ein Interesse an einer Girocard bzw. Visa Kreditkarte haben.“

Und das offenbar nicht ohne Grund: Viele Einzelhändler verweigern die Annahme einer Debitkarte bei der Bezahlung.

Handelsverband: Transaktionen mit Debitkarte verursachen bis zu viermal höhere Gebühren

Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) gibt es „eine signifikante Anzahl von Händlern, die die Karten nicht akzeptieren“. Der HDE geht von einer sechsstelligen Zahl aus.

Der Grund liegt auf der Hand: Die Händler müssen bei einer Debitkarte für jede Transaktionen mehr Geld an den Dienstleister bezahlen. Das könne bis zu viermal höhere Gebühren bei jeder Transaktion verursachen, erklärt der HDE.

Der HDE rechnet für RTL vor: „Werden bei kleinen und mittleren Händlern mit der girocard ca. 0,2 Prozent des Umsatzes in Rechnung gestellt, so sind es bei Debitkarten von Mastercard oder Visa auch schon einmal 0,8 oder gar über 1 Prozent. Ein 100-Euro-Einkauf verursacht also Autorisierungskosten von ca. 20 Cent im girocard-System und bis zu einem Euro im System der globalen Anbieter.“

Vor allem für kleinere Händler, die derzeit auch mit explodierenden Energiekosten zu kämpfen haben, ist das eine zusätzliche Belastung. Kassieren sie für die Ware oder Dienstleistung in bar, müssen sie gar keine Gebühren abdrücken.

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99 Cent für die Girocard im Monat

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der behält weiterhin seine Girocard. Allerdings gibt es die nicht mehr kostenlos zum Girokonto dazu: Für Neukunden schon gar nicht, für Bestandskunden werden bald auch zusätzliche Gebühren fällig.

So kündigte die DKB bereits an, ab dem 1.1.2023 zusätzliche Gebühren für die Girocard zu erheben: Kundinnen und Kunden müssen dann 99 Cent für die Girocard im Monat bezahlen. Das macht 11,88 Euro im Jahr zusätzlich für eine Bankkarte, die bislang kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde.

Wer auch eine Kreditkarte weiter benutzen möchte, zahlt zusätzlich 2,49 Euro im Monat – und damit 29,88 Euro on top.

Drei statt zwei Karten – ob das tatsächlich so umweltschonend ist, müssen abschließend die Kundinnen und Kunden entscheiden. Falls sie doch ausschließlich bei der Debitkarte bleiben, sollten sie immer ausreichend Bargeld dabei haben, falls es wieder einmal heißt: „Diese Karte akzeptieren wir leider nicht.“

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