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Bewegende Trauerfeier in Johannesburg: Die Welt nimmt Abschied von Nelson Mandela

Bewegende Trauerfeier in Johannesburg: Die Welt nimmt Abschied von Nelson Mandela

Obama: "Er zeigt uns, was möglich ist"

Fast 100 Staats- und Regierungschefs waren gekommen, um Abschied vom Freiheitshelden Nelson Mandela zu nehmen. Zusammen mit Familienangehörigen und Zehntausenden Südafrikanern würdigten sie den im Alter von 95 Jahren gestorbenen Friedensnobelpreisträger. Bei der fröhlichen Trauerfeier im Fußball-Stadion Soccer City wurde sein Leben singend und tanzend gefeiert. "Mandela, es gibt keinen anderen wie dich", rief die Menge und zeigte damit, wie sehr Nelson Mandela dieses Land prägte.

Obama würdigt Mandela zum Abschied
Nelson Mandela ist eine herausragende Figur der Geschichte. US- Präsident Obama stellt den Friedensnobelpreisträger in seiner Trauerrede in eine Reihe mit Gandhi, Lincoln und Martin Luther King.
REUTERS, KEVIN LAMARQUE

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon nannte den Kämpfer gegen die Rassentrennung ein "Leuchtfeuer der Hoffnung und der Menschenrechte". Er sei ein "Held für die Welt" und ein "Vater Südafrikas" gewesen. "Nelson Mandela hat uns den Weg gewiesen". Daraus resultiere nun die Verpflichtung, seinem Beispiel zu folgen.

So war der Kampf Mandelas gegen das rassistische Apartheid-System nach den Worten von US-Präsident Barack Obama auch der Kampf aller Südafrikaner. "Sein Kampf war euer Kampf. Sein Triumph war euer Triumph", sagte Obama vor der jubelnden Menschenmenge. "Eure Würde und eure Hoffnung fanden Ausdruck in seinem Leben. Eure Freiheit und eure Demokratie sind sein geschätztes Erbe". Er sei ein Gigant der Geschichte gewesen, man müsse seinen Kampf fortsetzen - gegen Hunger, Krankheit und politische Verfolgung.

"Zu viele Staatschefs erklären sich mit Madibas Kampf für die Freiheit solidarisch, aber dulden im eigenen Volk keinen Widerspruch", kritisierte der erste schwarze Präsident der USA, indem er Mandela bei seinem Stammesnamen Madiba ansprach. "Und zu viele von uns stehen an der Außenlinie, ruhen sich in Selbstgefälligkeit und Zynismus aus, anstatt ihre Stimme zu erheben."

Ganz im Geiste Mandelas kam Obama am Rande der Zeremonie dann selbst einem alten Feind näher: Auf dem Weg zum Redner-Podium schüttelte er die Hand von Kubas Präsidenten Raul Castro, der dies lächelnd akzeptierte. Es war das erste Mal, dass es zu solch einer Geste zwischen Präsidenten der beiden Länder kam. Die USA und Kuba sind seit mehr als 50 Jahren verfeindet. "Er bewirkt im Tod, was er schon im Leben bewirkte: Er bringt Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, mit unterschiedlichen Meinungen, politischen Zielen und Religionen zusammen", sagte Mandelas frühere Assistentin Zelda la Grange.

Angehörige Mandelas würdigten den Verstorbenen als Halt und Fels der Familie. Er wünsche sich, dass die Botschaft Mandelas der Friedfertigkeit noch lange in der Welt nachhallen werde, so General Thanduxolo Mandela. Der Vizechef der Regierungspartei ANC bezeichnete Mandela als einen "Lehrer" für seine Landsleute. "Tun wir alles, dass Madibas Traum nicht stirbt", sagte er.

Größte Trauerfeier in der Geschichte Südafrikas

Auch der strömende Regen, der seit Mandelas Tod fällt, konnte die bislang größte Trauerfeier des Landes nicht trüben. Wegen des schlechten Wetters kamen zwar weniger Menschen als erwartet, diese haarten jedoch stundenlang aus, um Mandela die letzte Ehre zu erweisen. Für manche war das für diese Jahreszeit untypische Wetter gar ein Zeichen. Laut afrikanischer Tradition besagt es, dass ein verehrter Stammesältester gestorben ist und seine Vorfahren ihn im nächsten Leben begrüßen. Und so zeigten sich die Menschen fröhlich.

Schon auf dem Weg dorthin tanzten Weiße und Schwarze in überfüllten S-Bahn-Waggons, tröteten mit Vuvuzela-Plastik-Trompeten und sangen die Hymnen der Anti-Apartheid-Bewegung. "Ich war hier, als Mandela 1990 freigelassen wurde, und jetzt bin ich wieder hier, um Abschied von ihm zu nehmen", sagte die 51-jährige Beauty Pule. "Ich bin mir sicher, dass Mandela stolz war auf das Südafrika, das er mit erschaffen hat - es ist nicht perfekt, aber keiner ist perfekt, und wir haben große Fortschritte gemacht."

Zahlreiche Redner würdigten Mandela, der während des Apartheid-Regimes 27 Jahre in Haft saß, als einen der großen Helden des 20. Jahrhunderts. Auch Bundespräsident Joachim Gauck nahm an der Zeremonie teil, das im Leben Mandelas eine große Rolle spielte. Nach der Freilassung aus dem Gefängnis hatte er dort vor 23 Jahren seine erste große Kundgebung abgehalten. Das Stadion war auch Schauplatz seines letzen öffentlichen Auftritts - beim Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2010.

Der jetzige südafrikanische Präsident Jacob Zuma, dessen Amtszeit von zahlreichen Skandalen und Korruptionsaffären überschattet wurde, die in Gegensatz zu Mandelas Wirken stehen, wurde von der Menge im Stadion ausgebuht. Obama hingegen wurde jubelnd empfangen. Er betonte in seiner Rede den großen Einfluss, den Mandela auf sein Leben gehabt habe. Als Student habe er von ihm und den Kämpfen in Südafrika gehört.

"Das hat etwas in mir bewegt, es hat mir meine Verantwortung klar gemacht gegenüber anderen, aber auch gegenüber mir selbst - und es hat den Anstoß gegeben zu dieser unwahrscheinlichen Reise, die mich bis hierher geführt hat", sagte der erste schwarze Präsident der USA. Mit Mandelas Tod müsse sich jeder fragen, wie gut er die Lehren des Friedensnobelpreisträgers im eigenen Leben umgesetzt habe. "Er hat sich seinen Platz in der Geschichte durch Kampf und Gerissenheit, durch Ausdauer und Glauben verdient", sagte Obama. "Er zeigt uns, was möglich ist - nicht nur auf den Seiten staubiger Geschichtsbücher, sondern auch in unserem eigenen Leben".