15. Mai 2019 - 18:57 Uhr

Nichts ist mehr wie früher

Die Nacht des 3. Novembers 2018 wird Katharina Mohr und Paulo Ferreira für immer in schrecklicher Erinnerung bleiben. Das Pärchen war auf der A5 in der Nähe von Darmstadt unterwegs, als ihnen plötzlich ein Laster entgegenkam. Noch heute werden die beiden von Verletzungen, Ängsten und Albträumen geplagt. Wie sie mit dem Schock umgehen, sehen Sie im Video.

Blitzschnell reagiert

Insgesamt 15 Kilometer lang war der betrunkene Lkw-Fahrer auf der A67 und der A5 nahe Büttelborn bei Darmstadt in die falsche Richtung gefahren. Immer wieder kam es während der Geisterfahrt zu gefährlichen Situationen, bis der 48-Jährige schließlich in die Seite des schwarzen BMW von Katharina und Paulo krachte.

Opfer nach Geisterfahrt traumatisiert

"Ach du Scheiße, da kommt was!", habe Paulo in letzter Sekunde gerufen. Katharina reagierte blitzschnell und konnte so einen Frontalzusammenstoß vermeiden. Der 40-Tonner rammte die beiden - Katharina und Paulo überlebten wie durch ein Wunder. Katharina ist sich sicher: "Wenn ich alleine im Auto gewesen wäre, wäre ich heute nicht mehr hier." Die Polizei konnte die Geisterfahrt nach rund 20 Minuten stoppen. In der Fahrerkabine fanden sie zwei Flaschen Whiskey und stellten bei dem Fahrer einen Blutalkoholwert von 1,48 Promille fest.

"Ich habe gehofft, dass wir nicht sterben. In diesem Moment funktioniert man einfach", erinnert sich Katharina zurück. Splitter vom Autofenster hatten sich in ihr Gesicht, ihre Hornhaut gebohrt. Ihr Kiefer wurde zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen. Laut eigener Aussage kann die 32-Jährige keine Autobahn mehr fahren, das Erlebte lässt sie nicht mehr los. Dennoch wissen sie und Paulo das Leben seit diesem Vorfall mehr zu schätzen. Katharina ist mittlerweile in der zwölften Woche schwanger.

Prozess in Darmstadt

Katharina und Paulo sind am heutigen Mittwoch als Zeugen am Darmstädter Landgericht geladen. Dem Lkw-Fahrer wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Im Gerichtssaal wirkt er geschockt, ist ruhig, schüttelt den Kopf und schließt die Augen. Am Tage des Unfalls will er um 17Uhr seinen ersten Drink und zuvor zwei Grippetabletten genommen haben. Er spricht von Erinnerungslücken und kann sich nur an einzelne Bilder erinnern. Seiner Aussage nach haben sich die 15 Kilometer Irrfahrt lediglich wie ein kurzer Augenblick angefühlt.

Der 48-Jährige ist seit September Fahrer eines großen Lasters, vorher arbeitete er über 20 Jahre als Busfahrer - unfallfrei. Auch betrunken sei er noch nie zuvor gefahren. Der Prozess erstreckt sich über mehrere Tage. Im Falle einer Verurteilung würden dem Fahrer bis zu 15 Jahre Haft drohen.