Betrug beim illegalen Glücksspiel: Berliner Polizei findet bei Razzia radioaktiv verseuchte Spielkarten

Ein Foto der Berliner Polizei zeigt eine der sichergestellten Karten.
Ein Foto der Berliner Polizei zeigt eine der sichergestellten Karten.

29. November 2017 - 14:24 Uhr

Spielkarten mit Jod präpariert

Es klingt wie der Plot aus einem Agenten-Thriller: Beim illegalen Glücksspiel in einem Hinterhof markieren Betrüger die Karten mit radioaktivem Jod, so dass die Spieler sie mit einem Detektor am Körper identifizieren können. Genau das ist in einem Lokal im Berliner Stadtteil Lichtenberg tatsächlich passiert. Die Polizei kam den Betrügern mehr oder weniger zufällig auf die Schliche.

Erhöhte Strahlenwerte im Hausmüll: Die Spur führt in ein Lokal in Berlin

Alles beginnt mit einer Routinekontrolle in einer Abfallbehandlungsanlage in Rüdersdorf im November 2016. In einem Müllfahrzeug wird eine erhöhte radioaktive Belastung gemessen. Dort liegen ausgestanzte Teile von Spielkarten, die mit Jod 125 belastet sind. Die Ermittler stellen Nachforschungen an, welche Touren die Müllwagen gefahren sind und verfolgen die Route zurück, wie Polizei und Staatsanwaltschaft Berlin in einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben.

Die Polizei durchsucht ein Restaurant, ein Club-Center sowie eine Karaoke-Bar und eine Wohnung. Die Spur führt schließlich zu einer 41-jährigen Restaurantbesitzerin, die jetzt im Fokus der Ermittlungen steht. In ihrem Lokal soll mit den radioaktiven Karten gespielt worden sein.

Kontaminierte Spielkarten: Strahlen-Grenzwerte um das Achtfache überschritten

Bei einer Razzia in einem Berliner Lokal fand die Polizei radioaktiv verseuchte Spielkarten
Eine Kontaminationsgefahr bestand nach Polizeiangaben nur bei direktem Kontakt mit den Karten.
© dpa, Rolf Vennenbernd, ve exa

Die Polizisten finden insgesamt 13 mit Jod 125 verseuchte Spielkartenteile. Bei ihnen handelt es sich um etwa 20 Millimeter große, runde Ausstanzungen aus Spielkarten, die sich nur durch die Farbe des Deckblattes unterscheiden. Alle markierten Karten hatten die gleiche Farbe. Durch einen verdeckt am Körper getragenen Detektor kann der betrügende Spieler erkennen, welche Karten markiert sind und sich so beim Glücksspiel einen Vorteil verschaffen.

Kriminaltechniker und Mitarbeiter der Strahlenschutz-Behörden sicherten die Beweismittel und veranlassten, dass die betroffenen Räume bis zur Reinigung durch eine Fachfirma versiegelt wurden. Ebenso betroffen war eine Außentreppe. Hier wurde die Verwaltung des Einkaufscenters mit der Sanierung beauftragt.

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Welche Gefahr ging von den radioaktiven Karten aus?

Atommüll
Die Ermittlungen der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Berlin wegen des Verdachtes der Freisetzung ionisierender Strahlen dauern an.
© deutsche presse agentur

Bei dem gefundenen Jod 125 handelt es sich um ein Nuklid, das in der Medizin verwendet wird. Es hat eine Halbwertszeit von 60 Tagen, in dieser Zeit halbiert sich die Aktivität. Die direkt an den Kartenteilen gemessene Ortsdosisleistung von 200 µSv/h (Mikrosievert/Stunde) überschreitet die Absperrgrenze um das Achtfache, nimmt aber wenige Zentimeter entfernt sehr stark ab.

In zehn Zentimeter Entfernung betrug sie nur noch ein Hundertstel, 50 Zentimeter weit weg war keine Ortsdosisleistung mehr messbar, wie die Polizei mitteilte. Eine Kontaminations- und Inkorporationsgefahr besteht daher nur bei unmittelbarem Kontakt ohne Schutzkleidung. Alle Einsatzkräfte wurden zum Einsatzende überprüft, es kam zu keiner Kontamination.