Betrinken für die Wissenschaft: So verschätzen wir uns bei der Wirkung von Alkohol

Ein Promille in 90 Minuten

Am Institut für Rechtsmedizin in München testen Anwälte und Richter im Selbstversuch, wie Alkohol wirkt, um später besser darüber urteilen zu können. RTL-Reporter Stephan Richter war dabei.

Betrinken für die Wissenschaft: Selbstversuch am Institut für Rechtsmedizin in München
Das Experiment soll helfen, die Wirkung von Alkohol besser einschätzen zu können.

"Der Versuch ist so aufgebaut, dass die Leute selber mitkriegen, dass sie im Rahmen dieses gesellschaftlichen Trinkens weniger konzentrationsfähig sind, einfache Rechenaufgaben nicht mehr lösen können und nicht mehr sicher Auto fahren können", erklärt Matthias Grawe, Professor am Institut für Rechtsmedizin. Mit Bier, Wein und Schnaps trinken sich die Teilnehmer kontrolliert ein Promille an – in 90 Minuten.

"Schon zur Halbzeit fühle ich mich deutlich angetrunken", sagt Stephan Richter. Die Messung ergibt 0,62 Promille. "Das ging deutlich schneller als gedacht", so sein Fazit. Während des Trinkens klärt der Professor über Wirkung und Folgen von Alkohol auf. Männer vertragen in etwa doppelt so viel wie Frauen. Der Hauptgrund, warum Menschen ihren Alkoholgehalt im Blut falsch einschätzen ist laut Experten die Minderung der Eigenkritik, die mit zunehmendem Promillewert steigt. Das könnte auch eine mögliche Erklärung sein, warum der gemessene Durchschnittswert bei Alkoholkontrollen im Straßenverkehr satte 1,5 Promille beträgt.

Die meisten Teilnehmer des Experiments sind am Ende davon überzeugt, dass der wissenschaftliche Trinkversuch hilft, die schnelle Wirkung von Alkohol künftig noch besser einschätzen zu können.