„Ich weiß nicht, wozu Sie heute hier sind“

Besuch im Hochwassergebiet: Boris Johnson wird von Flutopfern angepöbelt

14. November 2019 - 15:44 Uhr

Dem Premierminister schlug in Stainforth eine Welle des Zorns entgehen

Seit Tagen stehen in Großbritannien ganze Landstriche unter Wasser. Als der britische Premierminister Boris Johnson nun eins der Hochwassergebiete in Englands besuchte, konnten viele Betroffene ihre Wut kaum zurückhalten. Wie die Bewohner der Kleinstadt Stainforth (South Yorkshire) auf den Politiker reagieren – in unserem Video.

Menschen in Stainforth sind enttäuscht von Boris Johnson

"Ich habe keine große Lust, mit Ihnen zu reden", bekam Johnson zu hören, als er eine Frau mit Schubkarre ansprach, die mit Aufräumarbeiten beschäftigt war. "Sie haben uns bis jetzt nicht geholfen. Ich weiß nicht, wozu Sie heute hier sind", sagte sie und ließ den Premierminister in Gummistiefeln einfach stehen.

Tausende Menschen im Nord- Und Mittelengland mussten ihre Häuser verlassen. Ganze Dörfer sind durch die Fluten von der Außenwelt abgeschnitten. Und es soll noch weiter regnen. Inzwischen sind auch Soldaten im Einsatz, um gefährdete Bereiche mit Sandsäcken zu sichern.

Hochwasser bringt Boris Johnson im Wahlkampf in Bedrängnis

Erst am Dienstag hatte Johnson wegen der Überflutungen den nationalen Krisenstab Cobra einberufen. Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour-Partei hatte ihm vorgeworfen, nicht genug zu unternehmen. Der Premierminister bestritt diese Vorwürfe. "Wir haben rund um die Uhr gearbeitet", erklärte er bei seinem Besuch in Stainforth. Er versprach den Betroffenen schnelle Hilfe und Geld, um die Schäden zu beheben.

"Ein großes Dankeschön an unsere fantastischen Hilfskräfte und Soldaten, die helfen, auf das extreme Wetter zu reagieren. Wir besorgen die Mittel und die Hilfe für die, die sie brauchen", twitterte Johnson. Für den Premierminister wird die Hochwasserlage immer mehr zur Belastungsprobe. Denn der 55-Jährige steckt mitten im Wahlkampf. Am 12. Dezember sollen die Briten ein neues Parlament wählen.

EU hat Großbritannien Hilfe angeboten

Auch die EU, aus der Johnson austreten möchte, hat ihre Hilfe angeboten. Auf Bitten der britischen Behörden wurde das Copernicus-Erdbeobachtungsprogramm aktiviert, um Satellitenbilder der überfluteten Region zu machen. Weitere Hilfe sei von Großbritannien aber bisher nicht angefragt worden, erklärte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel.