Legendäre Spiele zwischen Bayern und Gladbach

"Ich habe gegen Uli Hoeneß gespielt. Er hatte schätzungsweise noch 3,5 Promille"

Borussia Mönchengladbach, Bökelberg-Stadion 1974
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27. April 2020 - 9:10 Uhr

Bayern München vs. Borussia Mönchengladbach - das 111. Duell

Am Wochenende wären der FC Bayern und Borussia Mönchengladbach aufeinandergetroffen - zum 111. Mal. Wegen der Corona-Krise müssen Fans warten. RTL-Redakteur Reinhard Brings erinnert an einige legendäre Spiele zwischen den Clubs.

2. Oktober 1965, 7. Spieltag

Borussia Mönchengladbach - Bayern München: 1:2

Im ersten Bundesliga-Spiel zwischen beiden Klubs standen sich viele junge Spieler gegenüber, die später Weltruhm erlangen sollten: Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Gerd Müller bei den Bayern. Berti Vogts, Jupp Heynckes, Günter Netzer bei den Gladbachern. Netzer war es auch, der das erste Tor schoss in diesem Duell, das sich zum Klassiker entwickeln sollte. Die 1:0-Führung aber reichte nicht. Gladbach verlor vor 34.000 Zuschauern mit 1:2, weil Gerd Müller zwölf Minuten vor dem Ende traf. Der damals 20-Jährige traf in seiner ersten Bundesliga-Saison 15 Mal, die Bayern belegten in ihrer ersten Bundesliga-Saison einen starken 3. Platz.

Mönchengladbach, das übrigens bis 1960 noch München-Gladbach hieß, dann aber wegen der Verwechslungsgefahr den Namen änderte, landete auf Rang 13.

18. Mai 1974, 34. Spieltag

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Franz Beckenbauer mit der Meisterschale im Bökelbergstadion. Rechts daneben: Sepp Maier.
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Borussia Mönchengladbach - Bayern München: 5:0

Es wäre das ultimative Endspiel am 34. Spieltag gewesen, hätte die Borussia nicht eine Woche zuvor 0:1 bei Fortuna Düsseldorf verloren. So stand Bayern schon als Meister fest.

Gladbach gelang mit 5:0 der höchste Sieg gegen die Münchner, allerdings unter Umständen, die heute unvorstellbar wären. Am Tag zuvor (!) hatten die Bayern in Brüssel durch ein 4:0 im Wiederholungsspiel gegen Atlético Madrid zum ersten Mal den Europapokal der Landesmeister (heute Champions League) gewonnen.

Franz Beckenbauer, damals 28, erinnert sich: "Wir haben die ganze Nacht durchgefeiert. Sind dann ziemlich alkoholisiert mit dem Bus von Brüssel nach Gladbach gefahren. Es war glühend heiß."

Borussen-Keeper Wolfgang Kleff fiel damals auf: "Die Bayern kamen dann bei uns in einem Zustand an, in dem sie sicher nicht Autofahren durften. Sie hatten alle ein Lächeln auf den Lippen. Eigentlich hätten sie noch mit Sonnenbrille spielen sollen."

Noch deutlicher wurde Gladbachs heutiger Vizepräsident Rainer Bonhof: "Ich habe gegen Uli Hoeneß gespielt. Er hatte schätzungsweise noch 3,5 Promille."

21. Mai 1977, 34. Spieltag

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Franz Beckenbauer bei seinem letzten Spiel für die Bayern.
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Bayern München - Borussia Mönchengladbach: 2:2

Ein sporthistorisches Spiel, denn Franz Beckenbauer bestritt seine letzte Partie für den FC Bayern. Im Alter von 31 Jahren wechselte er danach zu Cosmos New York. Und die Gladbacher feierten ihre fünfte und bis heute letzte Meisterschaft in München.

Die Borussen brauchten als Tabellenführer am letzten Spieltag im Fernduell mit Schalke einen Punkt im Münchner Olympiastadion, um den Titel klarzumachen. Schon nach 22 Minuten hatte Gladbach durch Jupp Heynckes und Uli Stielike eine 2:0-Führung herausgeschossen – eigentlich beruhigend. Torhüter Kleff erinnert sich: "Damals haben wir es übrigens nie geschafft, mal bei den Bayern zu gewinnen. Im Olympiastadion hatten wir immer einen riesigen Respekt, waren meistens total gehemmt. Die Bayern waren einfach viel cooler und abgeklärter als wir."

Auch diesmal wurde es nichts mit dem Auswärtssieg, weil Gerd Müller mal wieder traf und Jürgen Wittkamp in der 90. Minute ein Eigentor unterlief. "Können Sie sich vorstellen, was da in mir vorging?", sagte der Gladbacher Verteidiger hinterher. "Wenn wir jetzt noch verlieren, bist Du hier an allem schuld. Anstoß, wir haben den Ball, er wird natürlich zurückgespielt, und wo landet er? Bei mir. Ich wusste wirklich nicht mehr, was ich machen sollte. Ich hab' mir nur gesagt: Jürgen, klopp ihn irgendwo hin. Ich glaube, ich hab' ihn auf die Gegengerade geschossen. Und bevor's zum Einwurf kam, hat der Schiedsrichter abgepfiffen. Diese Minute zwischen Eigentor und Abpfiff war die längste Minute meines Lebens."

24. März 1979, 24. Spieltag

Borussia Mönchengladbach - Bayern München: 1:7

Schon zur Pause hieß es 1:5. Die Bayern nahmen den alten Rivalen auseinander, allein Karl-Heinz Rummenigge traf dreimal. Norbert Janzon (2), "Katsche" Schwarzenbeck und Kurt Niedermayer steuerten die restlichen Treffer bei.

110 Mal spielten beide Teams gegeneinander, der FC Bayern feierte beim 7:1 seinen höchsten Auswärtssieg in Mönchengladbach. Zwei Tage danach erklärte die Borussia, dass sich der Verein und Trainer Udo Lattek nach vierjähriger Zusammenarbeit zum Saisonende trennen würden.

1. Oktober 1983, 9. Spieltag

Bayern München - Borussia Mönchengladbach 4:0

Für viele Fußball-Fans ist es bis heute "das schönste Nicht-Tor aller Zeiten". Das machte diese Partie im Olympiastadion so besonders.

Gladbachs Libero Hans-Günter Bruns setzte beim Stand von 0:0 im eigenen Strafraum zu einem unwiderstehlichen Solo über das ganze Feld an, er ließ die Münchner Spieler wie Slalomstangen stehen und schloss die Aktion mit einem präzisen Schuss von der Strafraumgrenze ab. Der Ball klatschte an den rechten Pfosten des Bayern-Gehäuses, lief zum Schrecken von Keeper Jean-Marie Pfaff schnurgerade die weiße Torlinie entlang, küsste auch noch den linken Innenpfosten und entschloss sich dann zur Freude der 70.000 Zuschauer, statt ins Netz zurück ins Feld zu rollen.

Eine Minute danach erzielte Sören Lerby das 1:0 für die Bayern – am Ende hieß es 4:0.

31. Mai 1984, DFB-Pokalfinale

 Lothar Matthäus hinten, Gladbach verschießt im Pokalfinale den entscheidenden Elfmeter gegen die Bayern bevor er zur nächsten Saison Richtung München wechselt...
Lothar Matthäus beim Elfmeter.
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Bayern München - Borussia Mönchengladbach: 7:6 i.E.

Nach einem 1:1 nach Verlängerung musste erstmals in der Geschichte des DFB-Pokals ein Elfmeterschießen über den Pokalsieg entscheiden.

Lothar Matthäus wurde dabei zur tragischen Figur. Er bestritt sein letztes Spiel für die Fohlen, übernahm als erster Schütze die Verantwortung und schoss seinen Elfmeter über das Tor. Weil bereits vor dem Spiel sein Wechsel nach München festgestanden hatte, galt Matthäus fortan am Bökelberg als Verräter.

Weil auch Klaus Augenthaler für die Bayern versiebte, war es später Norbert Ringels, der den entscheidenden Elfmeter für Gladbach verschoss. Das wurde aber irgendwie immer verdrängt: Der Sündenbock blieb Lothar Matthäus.

26. April 1986, 34. Spieltag

Bayern München - Borussia Mönchengladbach 6:0

Die Bayern feierten einen Kantersieg und anschließend den Meistertitel im Fernduell mit Werder Bremen.

Am letzten Spieltag hatten die Norddeutschen zwei Punkte Vorsprung auf die Münchner. Doch nach dem direkten Aufeinandertreffen vier Tage zuvor (0:0) und Michael Kutzops legendärem verschossenen Elfmeter, mit dem er die Bremer Meisterschaft hätte klarmachen können, verloren die Bremer auch in Stuttgart (1:2).

Bayern nutzte seine Chance, zerlegte Gladbach mit 6:0 und degradierte die Borussen zum Partygast für die neunte Deutsche Meisterschaft.

14. Oktober 1995, 9. Spieltag

Bayern München - Borussia Mönchengladbach: 1:2

Nach 30 Jahren hatte das Warten für die Gladbach-Fans ein Ende. Den Fohlen gelang zum ersten Mal ein Auswärtssieg bei den Bayern. Stefan Effenberg und ein Eigentor von Andreas Herzog bescherten der Borussia den Sieg. Effenberg und sein Team lösten nach dem Spiel eine ungewöhnliche Wettschuld ein und pumpten vor der Kurve der VfL-Fans Liegestütze.

18. Mai 2013, 34. Spieltag

Fußball Bundesliga 34. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Bayern München am 18.05.2013 im Borussia-Park in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen). Bayerns Trainer Jupp Heynckes winkt vor dem Spiel. Foto: Marius Becker/dpa (Achtung Hinweis zur Bil
Jupp Heynckes bei seinem Abschied im Borussia Park.
© dpa, Marius Becker

Borussia Mönchengladbach - Bayern München: 3:4

Der ausverkaufte Borussia-Park bebte nach der blitzschnellen 3:1-Führung. Drei Gegentore in den ersten zehn Minuten – das war den Bayern in ihrer Bundesliga-Geschichte noch nie passiert.

Die Münchner, die längst als Meister feststanden, drehten mit dem überragenden Duo Franck Ribéry und Arjen Robben aber noch das Spiel.

Es sollte der perfekte Bundesliga-Abschied von Bayern-Trainer Jupp Heynckes sein: ein 4:3-Sieg bei seinem Heimatverein Borussia Mönchengladbach. Vor der Gladbach-Fankurve hing ein Spruchband mit der Aufschrift "Ein echtes Fohlen dreht seine letzte Runde – Mach's gut, Jupp!"

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel konnte der damals 68-jährige Heynckes seine Gefühle nicht mehr zurückhalten, Tränen flossen. Da ahnte er noch nicht, dass die Bayern ihn vier Jahre später noch einmal aus dem Ruhestand holen würden.