Schritt für Schritt zum Höhepunkt

Besserer Sex im Handumdrehen: Vaginaler Orgasmus? Kann man lernen!

Beim Geschlechtsverkehr einen vaginalen Orgasmus erleben - das wünschen sich viele Frauen
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20. April 2020 - 12:32 Uhr

von Mireilla Zirpins

Momentan verbringen wir mehr Zeit im Privaten – mehr Zeit mit unserer besseren Hälfte und mehr Zeit mit uns selbst. Mehr Zeit für Zärtlichkeit, mehr Zeit für Sex, aber auch mehr Zeit, um uns Gedanken darüber zu machen, was uns wirklich glücklich macht im Bett. Denn nicht alle Frauen kommen so zum Höhepunkt, wie sie es sich wünschen würden. Schicksal? Nein, im Gegenteil. "Orgasmus kann man lernen", meint Dania Schiftan, Autorin des Buches "Coming Soon – Orgasmus ist Übungssache" 🛒

Übung macht die Meisterin - gerade wenn's um Befriedigung geht

Die Expertin sagt: Wer intensiver kommt, hat mehr geübt
Die Expertin sagt: Wer übt, erlebt den Sex intensiver
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Gut, dass wir gerade auch mehr Zeit zum Experimentieren haben. Doch was ist dran am Mythos vom vaginalen Orgasmus? Gibt es ihn wirklich, den G-Punkt? Und wie kann eine Frau ihre Orgasmusfähigkeit verbessern? Das frage ich Psychotherapeutin Dania Schiftan, die in den USA ihren Doktor in Sexologie gemacht hat. Und wenn Sie ein Mann sind, dann klicken Sie jetzt bloß nicht weg! Denn gerade für Männer ist es wichtig zu wissen, was Ihre Liebste da gerade übt, wenn sie sich auf einmal mehr selbst befriedigt.

Ja, richtig gelesen. Üben, üben, üben – das ist Dania Schiftans wichtigste Empfehlung, das A und O beim gelungenen Sex mit sich selbst oder mit einem Partner oder einer Partnerin. Denn die meisten Frauen kommen nicht rubbeldiekatz von Anfang an einfach so zum vaginalen Orgasmus. "Wenn ich gewohnt bin, mich an der Klitoris zu stimulieren, dann mag ich das", berichtet die Sexualtherapeutin. "Aber es gibt vielleicht nicht so viel her für den Geschlechtsverkehr. Das Interesse vieler Frauen ist, auch in der Vagina mehr zu spüren."

Wer heftiger kommt, hat mehr geübt

Also ran an den berühmten G-Punkt? Wissenschaftler haben zumindest nachweisen können, dass der weibliche Körper einen Orgasmus nur durch Stimulierung in der Vagina erleben kann. Die G-Zone ist verbunden mit der Klitoris, die viel größer ist als viele wissen. "Auch der Muttermund ist sehr erregbar, wenn er geübt ist. In der G-Zone, also im Klitorisschwellgewebe rings um die Harnröhre, sind mehr Nervenzellen vorhanden", erläutert Dania Schiftan. Und zwar bei jeder Frau. "Bei vielen ist die Verbindung zu ihnen nur rudimentär vorhanden, weil mal ein Tampon oder ein Penis dort vorbeigegangen ist. Nun geht es darum, diese Nervenzellen mit dem Gehirn zu verbinden." Und zwar durch Übung. Schiftans These: Wer mehr geübt hat, spürt überall viel mehr.

Zeit, das nachzuholen. Durch Berührung, nicht nur in der G-Zone. Und zwar am besten, indem wir erstmal selbst Hand anlegen. Tasten, den ganzen Intimbereich erkunden, uns selbst befriedigen.

Die eigene Vulva und Vagina kennenlernen - am besten mit dem Finger

Ein Anfang: sich mit der Anatomie des eigenen Geschlechts vertraut machen
Ein Anfang: sich mit der Anatomie des eigenen Geschlechts vertraut machen
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Entspannung und ein gutes Verhältnis zum eigenen Körper sind da hilfreich. Dass wir wissen, wie unser Geschlecht anatomisch beschaffen ist. Woher kommt es, dass viele Frauen keine Ahnung haben, wie ihre Vulva, also das äußere Geschlecht, aussieht, will ich von der Expertin wissen. "Wussten Sie's denn?", fragt sie zurück. "Viele wissen es nicht oder nur teilweise. Wir lernen's ja nirgends." Meist weder von den Eltern noch in der Schule, denn das Thema ist für viele schambehaftet.

Also machen wir uns daran, unser eigenes Geschlecht zu erkunden. Der Klassiker: ein Spiegel. Das ist schon für Fortgeschrittene, findet Dania Schiftan: "Am besten zuerst mit dem Finger auf Erkundungstour gehen", rät sie. "Wenn wir nicht gewohnt sind, eine Vulva anzugucken, dann finden wir es vielleicht komisch. Weil wir diese Form gar nicht kennen und auch nicht beurteilen können, ob das so normal ist." Also am besten mal unter der Dusche oder im Bett ein bisschen herumtasten. Wer mag, nimmt den Spiegel dazu – ein Smartphone ist übrigens keine gute Alternative, zu groß die Gefahr, dass die Bilder ungewollt das Telefon verlassen.

Raus aus der Routine beim Handbetrieb

Wer schon regelmäßig masturbiert, für den heißt es: raus aus der Routine. Wir wollen ja unser Spektrum erweitern. Dania Schiftan: "Nehmen wir an, eine Frau befriedigt sich schon selbst. Meist folgen wir unbewusst immer dem gleichen Muster. Wenn sie das Schema erkennt, kann sie in ganz kleinen Schritten beginnen, diesen Ablauf zu verändern. Sie reibt zum Beispiel relativ schnell an der Klitoris und liegt dabei auf dem Rücken. Dann kann sie langsamer reiben, ein paar Wochen später dann gegen den Uhrzeigersinn oder sich auf die Seite legen. In kleinen Schritten wird sie variabler."

Klingt ja fast stressig! "Das ist eben Üben und Lernen wie alles andere auch", bestätigt die Expertin. "Der Körper lernt auf allen Ebenen gleich schnell, egal, ob wir eine Sprache oder eine Sportart lernen. Auch bei der Sexualität." Da denken viele mit Schrecken zurück ans Vokabelpauken in der Schule. Auch Dania Schiftan, die da durchaus Parallelen sieht. "Wenn ich da einfach drüber reibe oder reindrücke, wird das nicht spontan gute Gefühle erzeugen." Wenn man aber mit Freude dran geht, wird sich langsam auch etwas verändern.

Dem Vibrator mal eine Ruhepause gönnen

Ein Vibrator hilft, wenn es darum geht, schnell zum Orgasmus zu kommen
Der Vibrator bleibt draußen - zumindest vorübergehend
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Und was ist mit unseren kleinen Helfern? Ein Vibrator ist ein gutes Hilfsmittel, um Erregung schnell zu steigern. Die Sexpertin empfiehlt aber, zumindest für diese Übungen den elektrischen Freund mal zur Seite zu legen oder nur dosiert einzusetzen, weil er kein Erregungsmuster übt, das dem eines Penis nahe kommt. "Kein Penis kann vibrieren", schreibt sie in ihrem Buch. Aber dafür kann man bei der "Handarbeit" noch mehr machen, als den Fingern einfach freien Lauf zu lassen.

Weitere Tipps der Sexologin für die Übungsphase – ultrakurz gefasst:

Das Becken kreisen lassen hilft, die Orgasmusfähigkeit zu verbessern
Das Becken kreisen lassen hilft, die Orgasmusfähigkeit zu verbessern
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  • In Bewegung kommen – immer schön das Becken kreisen lassen, auch in der Missionarsstellung. Denn nur so werden die Muskeln gut durchblutet. Das fördert die Erregungsfähigkeit
  • Beckenbodengymnastik rules. Das kennen Sie vielleicht aus der Rückbildungsgymnastik, wenn Sie Kinder haben. Aber wussten Sie, dass ein trainierter Beckenboden auch essentiell ist für die sexuelle Erlebensfähigkeit? Sie sollten ihn an- und entspannen können. Das lernt man durch spezielle Übungen
  • Sexuelle Fantasien zulassen – hier gibt es kein Tabu. Und niemand kann in ihren Kopf reinschauen!
  • Mehr Egoismus im Bett: Mein Orgasmus zählt! Wir sollten es nicht nur dem Partner rechtmachen.
  • Erst schön allein trainieren, dann erst gemeinsam zur Tat schreiten. Und aushalten, dass unser Lover erst mal überrascht ist, wenn wir auf einmal mehr mit dem Becken schaukeln

Jetzt kommt der Partner ins Spiel beim Orgasmus-Training

Das Ziel: So macht es beiden noch mehr Spaß als vorher im Bett
Das Ziel: So macht es beiden noch mehr Spaß als vorher im Bett
© Gpoint Studio (Gpoint Studio (Photographer) - [None], Anna Bizon

Was kann nun der Partner oder die Partnerin tun? Unser Liebster oder unsere Liebste darf natürlich ebenfalls gerne üben. Man kann das auch gut gemeinsam machen – einfach nebeneinander üben. Oder wir lassen den anderen dabei zuschauen. Dania Schiftan ist übrigens sicher, dass es keinen Unterschied macht, ob wir's mit einer Frau oder einem Mann treiben, weil die Basis ist, dass unsere Empfindungsfähigkeit gut trainiert ist. Und natürlich machen wir es weiter zu zweit - hoffentlich bald noch intensiver.

"Coming Soon" von Dania Schiftan
Dania Schiftans Buch "Coming Soon" soll Frauen zum Orgasmus verhelfen
© Piper-Verlag

Die Profi-Tipps von Dania Schiftan für die Männer: Gern ausprobieren, in allen Stellungen etwas lockerer in Rücken und Knien zu sein. Das erleichtert der Frau, konstant in Bewegung zu bleiben und intensiver zu kommen. Aber auch dem Mann selbst kann der richtige Hüftschwung einen ausgeprägteren Orgasmus verschaffen. Einfach mal bei der Selbstbefriedigung nicht nur die Hand bewegen! Oder sich von der Süßen helfen lassen und sich ganz auf die Bewegung konzentrieren. Und mehr üben geht doch eigentlich immer, gerade bei der schönsten Nebensache der Welt.

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