Frauchen wusste von nichts!

Kieler Ordnungsamt beschlagnahmt Golden Retriever - und schläfert ihn ein

28. Juni 2021 - 8:59 Uhr

Golden Retriever Paul verschwand plötzlich aus dem Garten

Es ist ein Horror-Szenario für alle Hundebesitzer: Carina Schlupp kommt am 13. Juni nachmittags zurück in ihr Reihenhaus im Kieler Stadtteil Mettenhof und stellt fest, dass ihr Golden Retriever Paul aus ihrem Garten verschwunden ist. Über den Aufenthaltsort ihres Lieblings informiert lediglich ein Zettel in ihrem Briefkasten: Paul wurde durch den kommunalen Ordnungsdienst in ein Tierheim gebracht und eingeschläfert. Und das ohne das Wissen seines Frauchens.

Wie die Kielerin mit dem Verlust ihres Hundes umgeht, erzählt sie im Video.

Pauls Frauchen: "Er hat es einfach nur geliebt draußen auf seiner Decke zu liegen"

Das Kieler Veterinäramt begründet die Beschlagnahmung mit einer Gefährdung des Tierwohls und ordnet die sofortige Vollziehung an. Für den Anwalt der Hundebesitzerin ist diese Entscheidung vollkommen unverständlich: "Der Golden Retriever ist bestimmt nicht so alt geworden, weil er so schlecht behandelt wurde", so Stefan Rogacki. Paulchens Frauchen Carina Schlupp ergänzt: "Er hat es einfach nur geliebt draußen auf seiner Decke zu liegen. Wenn er Schmerzen gehabt hatte, dann hätte ich das gemerkt. Ich kannte meinen Hund seit 15 Jahren."

Besitzerin darf ihren Hund im Tierheim nicht einmal besuchen

Golden Retriever-Rüde Paul genießt den Sonnenuntergang
© Privat

Eine Woche ist Paul im Tierheim. Besuchen darf Carina Schlupp ihren Rüden nicht. Auch nicht am 20. Juni, dem 15. Geburtstag von Paul. Und das obwohl der Anwalt ein Widerspruchsschreiben samt umfangreicher tierärztlicher Dokumentation vorlegt. "Paul war einfach nur alt. Der Tierarzt meinte, er habe keine Schmerzen und wir sollen ihn machen lassen, was er will. Wir wussten, dass er nicht mehr lange leben wird", sagt die Besitzerin.

Dann die Schock-Nachricht: Paul wurde eingeschläfert

2019 tollte Rüde Paul fit durch die Gegend
© Privat

Am Mittwoch (23. Juni) dann der Schock: Per E-Mail erhält die Kanzlei von Stefan Rogacki die Mitteilung, dass Paul nicht mehr am Leben ist. Auf telefonische Nachfrage stellt sich heraus: Der Golden Retriever war bereits am Vortag auf Veranlassung der Veterinärabteilung eingeschläfert worden. Frauchen Carina Schlupp wusste davon nichts.

Veranlasste eine Nachbarin die Abholung von Paul?

Besitzerin und Anwalt vermuten, dass eine Anwohnerin aus der Reihenhaussiedlung die Abholung von Paul veranlasst hat, woraufhin der Hund ins Tierheim gebracht wurde. Die Begründung: Der Rüde soll ohne Aufsicht und ohne Trinkwasser im Garten des Reihenhauses gewesen sein. "Sie meinte, der Hund wäre verwahrlost und abgemagert. Aufgrund seines Alters war er schon inkontinent." erzählt Carina Schlupp. "Paul war draußen, weil er am liebsten auf seiner Decke lag", so die Halterin weiter. Das Tierheim, in dem der Golden Retriever dann eine Woche lang untergebracht wurde, hat jetzt Überfüllung angemeldet. Anwalt und Besitzerin befürchten, dass Paul deswegen so schnell eingeschläfert worden sein könnte - um Platz zu schaffen. Schließlich war der Paul wegen seines hohen Alters sehr betreuungsintensiv.

Besitzerin soll Tierheimaufenthalt bezahlen

Nun soll Carina Schlupp auch noch für Pauls Aufenthalt im Tierheim aufkommen. Die Bestattungskosten will die Stadt Kiel übernehmen, ebenso die Kosten für eine Autopsie des Hundes.

Am Donnerstag äußerte sich die Stadt Kiel zu dem Vorfall. Es habe sich um einen Fall von Tierwohlgefährdung gehandelt, der Hundehalter sei nicht erreichbar gewesen. Deshalb hätten Amtstierärzte entschieden, dass der Hund zur Behandlung in ein Kieler Tierheim kommt. "In der Folge musste nach tierärztlichen Untersuchungen und Gutachten aus Tierschutzgründen eine Euthanasie des Hundes angeordnet werden", heißt es in der Erklärung. Die Stadt will prüfen, ob ein Bußgeldverfahren eingeleitet und eine Strafanzeige gestellt wird. (eli)