Neue Studie zur Gewalt im öffentlichen Dienst

Beschimpft, bespuckt, bedroht: Beamten schlägt der blanke Hass entgegen

Neue Studie zur Gewalt im öffentlichen Dienst
© deutsche presse agentur

12. Februar 2020 - 15:19 Uhr

Angriffe auf Beamte sorgen immer wieder für Schlagzeilen

Sie werden beschimpft, bespuckt, bedroht und sogar mit Waffen angegriffen - dabei wollen sie nur ihren Job machen. Lehrer, Polizisten, Gerichtvollzieher und Mitarbeiter von Behörden werden immer häufiger im Dienst attackiert, teils mit schlimmen Folgen. Das belegt eine neue Studie aus Hessen. Die Ergebnisse sind besorgniserregend. 

Polizist mit Metallkugelschreiber attackiert

Der Deutsche Beamtenbund (dbb) und die Universität Gießen haben am Mittwoch eine Studie zur Gewalt gegen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst des Landes Hessen vorgestellt. Was die Beamten Tag für Tag erleben, kann man sich in den kühnsten Träumen nicht vorstellen. So berichtet ein Polizist, wie jemand versucht habe, ihm von hinten einen Metallkugelschreiben in den Nacken zu stechen. Tritte und Schläge gehören da noch in die Rubrik "harmlos". Laut der Studie sind rund 83 Prozent der befragen Polizisten im Dienst körperlich oder verbal angegriffen worden. 97 Prozent mussten Beleidigungen wie "Hurensohn" oder "Drecksbulle" über sich ergehen lassen.

Bei den Gerichtsvollziehern sieht es ähnlich düster aus. 86 Prozent der Befragten geben an, im Dienst körperlich oder verbal attackiert worden zu sein. Im Gegensatz zu den Polizisten (60 Prozent) wurden sie immerhin nicht so häufig angespuckt (13,9 Prozent). Ein Vorfall macht die extremen Arbeitsbedingungen besonders deutlich: Ein Beamter berichtet, wie er und sein Kollege während einer Zwangsräumung mit einer Pumpgun angeschossen wurden. "Der ausführende Kollege verstarb noch am Tatort in meinen Armen", wird der Gerichtsvollzieher in der Studie zitiert.

Weniger, aber noch immer deutlich betroffen seien Beschäftigte bei Jobcentern und der Agentur für Arbeit. Auch Lehrer würden in erheblichem Maße bedroht, beleidigt, respektlos behandelt und beschimpft, meist von Schülern. Viele der Vorfälle würden nicht angezeigt.

In der RTL-Webdoku erzählen Betroffene, was ihnen bereits alles passiert ist und was sie nun dagegen tun wollen. 

Beamten wünschen sich mehr Anerkennung

Bisher gab es kaum verlässliche Zahlen zu Aggressionen, Bedrohungen, körperlicher Gewalt oder Vandalismus in Amtsstuben oder bei Ortsterminen. Dabei belegt die Studie, wie gravierend das Problem ist. Menschen werden verletzt oder gar getötet, ihnen schlägt der blanke Hass entgegen, sie haben Angst an ihrem Arbeitsplatz oder können gar nicht mehr ihrem Beruf nachgehen. 

Der dbb-Landesvorsitzende Heini Schmitt kritisiert, Betroffene stießen bei Vorgesetzten oft nicht auf die notwendige Unterstützung, sondern auf taube Ohren. Die Taten müssten aber angezeigt und vor Gericht kommen, damit die Täter bestraft würden. "Der Rechtsstaat muss funktionieren", sagte Schmitt. 

Vor allem Gerichtsvollzieher (72 Prozent) fühlen sich in ihrem Job nicht ausreichend geschützt. Bei Polizisten liegt die Zahl bei 40 Prozent. Laut Studie erleben sie "gravierendste Gewalt und sind in der Häufigkeit der Vorkommnisse am höchsten belastet." Viele Beamte wünschen sich angesichts dieser Herausforderungen mehr gesellschaftliche Wertschätzung und Anerkennung. 

2.185 Mitglieder befragt

In Hessen bestehe erheblicher Handlungsbedarf, weshalb der dbb sich erneut an die Landespolitik wenden werde, sagte der Landesvorsitzende. Befragt wurden 2.185 Mitglieder der dbb-Gewerkschaften in Hessen. Die Befragung erfolgte online und anonym. Die Macher der Studie betonen, die Studie sei nicht repräsentativ. Weitere Befragungen einzelner Berufsgruppen sollen folgen.