Beschäftigte fordern Gewissheit bei Bombardier und Alstom

Mitarbeiter im Bombardier Werk montieren einen Waggon für eine S-Bahn. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
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16. Juli 2020 - 16:12 Uhr

Mit Flugblatt-Aktionen und Kundgebungen haben sich Beschäftigte der Zughersteller Alstom und Bombardier auch in Deutschland für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze bei der geplanten Fusion stark gemacht. Allein am Standort von Bombardier Transportation im brandenburgischen Hennigsdorf hätten sich am Donnerstagmorgen mehr als 300 Mitarbeiter vor dem Werktor versammelt, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft IG Metall. Der neue kommissarische Deutschlandchef, Marco Michel, habe sich die Fragen der Beschäftigten angehört und sich für ihre Belange ausgesprochen.

An den sächsischen Bombardier-Standorten Görlitz und Bautzen wollten die Beschäftigten am Morgen Flugblätter verteilen, um auf ihre ungewisse Situation aufmerksam zu machen. Auch in Kassel, Siegen und Mannheim sowie am einzigen deutschen Alstom-Standort in Salzgitter waren Aktionen geplant. Die IG Metall hatte am Vortag zu einem europaweiten Aktionstag aufgerufen.

Der französische Hersteller des Hochgeschwindigkeitszugs TGV hatte im Februar angekündigt, die Zugsparte von Bombardier übernehmen zu wollen. Nach damaligen Angaben kostet das Vorhaben 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro. Derzeit untersuchen EU-Wettbewerbshüter die geplante Übernahme. Bis Mitte Juli soll eine Entscheidung fallen. Die Wettbewerbshüter können dann auch noch eine vertiefte Prüfung anordnen. Im vergangenen Jahr waren Alstom und die Siemens-Zugsparte Mobility bei einem ähnlichen Fusionsversuch an dem Veto der EU-Kommission gescheitert.

Um die Bedenken der Wettbewerbshüter auszuräumen, hatten beide Unternehmen vor einigen Tagen angekündigt, die Talent-3-Plattform und die zugehörigen Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf bei Berlin verkaufen zu wollen.

Zwar werden dort auch Berliner Straßenbahnzüge, der ICE sowie die U-Bahn-Serie C30 gefertigt. Doch für die Beschäftigten herrscht nach wie vor Ungewissheit. Noch liefen keine Gespräche zwischen Arbeitgebern und der Belegschaft, betonte die IG-Metall-Sprecherin. "Bei den Beschäftigten von Bombardier Transportation ist fünf Monate nach der Ankündigung der Übernahme durch Alstom die Unsicherheit immer noch sehr hoch", hieß es in einer Mitteilung.

Brandenburgs Wirtschaftsminister, Jörg Steinbach (SPD), sah die Zukunft des Standorts eng verknüpft mit der Übernahme durch Alstom. "Wir als Landesregierung sehen es ganz deutlich so, dass der Standort Hennigsdorf nur langfristig gesichert werden kann, wenn dieser Verkauf an Alstom gelingt." Es gebe klare Zusagen von Alstom, "dass sie die zusätzliche Produktionskapazität dringend benötigen und damit auch den großen Teil der Beschäftigten in Hennigsdorf erhalten werden".

Am Tag zuvor hatte der bisherige Deutschland-Chef von Bombardier Transportation, Michael Fohrer, seinen sofortigen Weggang verkündet - aus persönlichen Gründen, wie es hieß. Als kommissarischer Nachfolger rückte Marco Michel auf den Posten. Er leitete bis dahin das Werk in Hennigsdorf.

Quelle: DPA