"Wäre bereit, ihn bei Bedarf zu adoptieren“

Azubi soll abgeschoben werden - Bäcker geht in den Hungerstreik

Bäcker-Azubi Laye Fodé Traoréiné ist volljährig und soll nach dem Willen der Behörden zurück in sein Geburtsland Guinea - sein Chef will das verhindern.
Bäcker-Azubi Laye Fodé Traoréiné ist volljährig und soll nach dem Willen der Behörden zurück in sein Geburtsland Guinea - sein Chef will das verhindern.
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08. Januar 2021 - 10:33 Uhr

Stéphane Ravacley kämpft für Laye

Seit Sonntag schon hat Stéphane Ravacley nach eigenen Angaben nichts mehr gegessen. Der Bäcker aus Besançon will ein Zeichen setzen und verhindern, dass sein Azubi, der als unbegleiteter Minderjähriger aus dem westafrikanischen Land Guinea nach Frankreich kam, abgeschoben wird.

Im Juni würde Laye seine Ausbildung abschließen

Laye Fodé Traoré verließ seine Heimat, kam ganz alleine über Mali, Libyen, das Mittelmeer und Italien in ein fremdes Land und baute sich dort eine Existenz auf. Seit August 2019 absolviert er eine Ausbildung in der Boulangerie "La Hûche à Pain" von Bäckermeister Ravacley in Ostfrankreich – und der ist hochzufrieden. "Er ist wirklich ein großartiger Junge, der besser Französisch spricht als ich", sagte er der Nachrichtenseite 'franceinter.fr'.

Laye Fodé Traoréiné gefällt die Arbeit in der Backstube, auch das frühe Aufstehen mache ihm nichts aus, so der 18-Jährige.
Laye Fodé Traoréiné gefällt die Arbeit in der Backstube, auch das frühe Aufstehen mache ihm nichts aus, so der 18-Jährige.
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Laye sei fleißig, zurückhaltend und wissbegierig, arbeite sechs Tage die Woche von drei Uhr morgens bis abends um acht. Nicht ein einziges Mal sei er zu spät zur Arbeit erschienen. "Er hat mich nie enttäuscht. Er ist ein Teil der Familie und ich wäre bereit, ihn bei Bedarf zu adoptieren", so der Bäcker in einer französischen TV-Sendung.

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Hungerstreik trotz schlechter Verfassung

Inzwischen ist der eifrige Lehrling 18 Jahre alt und muss nach dem Willen der Behörden zurück nach Guinea. Sollte es so kommen, könnte er nicht einmal mehr seine Ausbildung abschließen – die endet nämlich im Juni. Sein Chef will das verhindern. Mit allen Mitteln, wie es scheint. Denn obwohl der 50-Jährige gesundheitlich schwer gebeutelt sei und seinem Arzt zufolge in schlechter Verfassung, sei er am 03. Januar in den Hungerstreik getreten. "Ich bin 50 Jahre alt, hatte drei Lungenembolien in drei Jahren. Mein Arzt sagt mir, dass ich angeschlagen bin, aber es ist mir egal. Ich weiß, dass ich Recht habe", erklärte Ravacley.

Seit vier Tagen nehme er nichts mehr zu sich, startete auch eine Petition, damit sein "Super-Lehrling" bleiben kann. 164.746 Menschen (Stand 07.01.21, 16:30Uhr) haben bereits unterschrieben und auch die Bürgermeisterin von Besançon habe die Ämter aufgefordert, die geplante Abschiebung zu stoppen. Anne Vignot appellierte in einem Brief an Innenminister Gerald Darmanin, den zukünftigen Bäcker nicht wegzuschicken. Dies zu tun, sei "unverständlich". Laye hat sich gegen den Abschiebebescheid juristisch zur Wehr gesetzt, seine Berufung wird am 26. Januar vor dem Verwaltungsgericht in Besançon verhandelt.