Coronakrise trifft Niedriglöhner besonders hart

Bertelsmann-Studie: Die Corona-Krise verstärkt die Probleme von Minijobbern

Minijobber würden oft mit Minilöhnen abgespeist, kritisierte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Foto: Frank Rumpenhorst
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02. Juli 2020 - 13:24 Uhr

Die Corona-Krise trifft vor allem systemrelevante Berufsgruppen und Frauen

Vor allem Mini-Jobber trifft die Corona-Krise besonders hart, wie jetzt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Sie haben keinen Anspruch auf Kurzarbeit und sie verlieren schneller ihren Job. Vor allem trifft die wirtschaftliche Flaute Frauen und Menschen mit systemrelevanten Berufen.

Seit den 1990er Jahren ist der Niedriglohnsektor in Deutschland um 60 Prozent gewachsen. Viele Langzeitarbeitslose fanden dadurch Arbeit, jetzt aber fallen sie durch das Raster.

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Kein Sicherheitsnetz für Geringverdiener

ARCHIV - 16.08.2013, Kiel: ARCHIV - Eine Servicekraft zapft in einer Gaststätte ein Bier. Minijobber sind Experten zufolge besonders hart von der Corona-Krise betroffen, da sie keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben. Foto: Axel Heimken/dpa +++ dp
In Deutschland arbeiten rund 7,7 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor – also ein Fünftel aller Beschäftigten. Die Corona-Krise hat sie besonders hart getroffen.
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In Deutschland arbeiten rund 7,7 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor – also ein Fünftel aller Beschäftigten. Ein Großteil der Niedriglöhner arbeitet in sogenannten systemrelevanten Berufen, zum Beispiel im Einzelhandel oder in der Transport- und Lebensmittelindustrie. Die Corona-Krise trifft laut einer neuen Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ausgerechnet genau diese Menschen besonders hart.

Für Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, ist klar: "Die Corona-Krise verstärkt die Probleme des Niedriglohnsektors – vor allem für Minijobberinnen und Minijobber. Ohne das Sicherheitsnetz des Kurzarbeitergeldes erleiden sie als erste Einkommenseinbußen oder verlieren ihre Arbeit."

Niedrige Löhne seien "kein Sprungbrett, sondern eine Sackgasse"

"Der Niedriglohnsektor hat die Arbeitslosigkeit reduzieren können. Allerdings zu einem hohen Preis: Niedrige Löhne dienen nicht mehr dem bloßen Einstieg in den Arbeitsmarkt, sondern sind häufig ein Dauerzustand. Sie sind dann kein Sprungbrett, sondern eine Sackgasse", so Jörg Dräger. 

Laut der Bertelsmannstudie schafft nur gut jeder Vierte den Aufstieg aus dem Niedriglohnsektor. Entscheidend dabei sind neben der Qualifikation auch das Alter und das Geschlecht der Beschäftigten. Frauen werden wesentlich häufiger schlecht bezahlt als Männer. Sie machen über 60 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten aus. 

Forderung: Der Arbeitsmarkt muss reformiert werden

Die Autoren der Studie fordern deshalb eine Reform für Minijobber, um den Niedriglohnsektor einzudämmen. Vorschläge sind zum Beispiel:

  • stärkere Kontrollen zur Einhaltung des Mindestlohns,
  • Steuererleichterungen
  • Absenkung der 450 Euro-Schwelle bei Minijobs, damit auch Geringbeschäftigte Sozialversicherungsbeiträge abführen und in Krisenzeiten besser abgesichert sind.

Das ist ein Thema für die Zukunft, denn wer heute wenig verdient, wird im Alter wenig Rente haben. Ein Schritt, dem entgegenzuwirken, ist die Grundrente, die nun beschlossen wird.

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