Alternative zum Homeoffice

Bertelsmann Studie: Coworking macht das Landleben wieder attraktiv

19. November 2020 - 13:09 Uhr

Gute Nachrichten von "ganz weit draußen"

Die Nachrichten, die in den letzten Jahren vom Land in die Stadt drangen, waren meist nicht so gut. Abnehmende medizinische Versorgung, Geschäftsaufgaben, schlechte oder gar keine Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Das Leben auf dem Land schien zusehends an Attraktivität zu verlieren. Nun aber kommen gute Nachrichten von "ganz weit draußen" herein. In den letzten Jahren sind auf dem deutschen Land immer mehr Coworking-Angebote entstanden, wie aus der neuen Studie der Bertelsmann Stiftung "Coworking im ländlichen Raum" hervorgeht. Sie zeichnet erstmals ein genaues Bild des Coworking-Phänomens, also des mobilen und flexiblen Arbeitens an gemeinschaftlich genutzten Orten, abseits der großen Städte.

Wiederbelebung ländlicher Regionen

"Der ländliche Raum wird oft als rückständig und abgehängt bewertet. Die Fallbeispiele in unserer Studie zeigen jedoch: Die Zukunft der Arbeit hat auf dem Land schon begonnen", sagt Alexandra Schmied, Studienleiterin und Projektmanagerin bei der Bertelsmann Stiftung. Schmied weiter: "Coworking gibt Menschen die Möglichkeit, wohnortnah gut ausgestattete Arbeitsplätze zu nutzen, ohne täglich weite Pendelstrecken auf sich zu nehmen." Dadurch gewinnt ein Leben auf dem Land wieder an Attraktivität. Durch den Zuzug junger Familien und die Modernisierung der Infrastruktur würden ländliche Regionen, die unter Abwanderung und Überalterung leiden, neu belebt, so Schmied. Außerdem profitierten Unternehmen von einem größeren Einzugsgebiet für Fachkräfte. Darüber hinaus könne Coworking "eine Triebkraft für den Wandel hin zu einer nachhaltigen, klimafreundlichen und modernen Wirtschaftswelt sein."

„Coworking auf dem Land hat das Zeug zum Massenphänomen“

Schon vor Corona zeichnete sich in Umfragen ab, dass viele Deutsche sich einen Wohnort im Grünen abseits des hektischen Stadtlebens wünschten. Die vorgelegte Studie zeigt nun, dass Coworking-Angebote auf dem Land eine bessere Vereinbarkeit von Berufsausübung und Wohnortwunsch versprechen. Das spricht die unterschiedlichsten Berufsgruppen an. So werden die Coworking-Stätten nicht nur von Angehörigen der Kreativ-, Digital- und IT-Wirtschaft, der ursprünglichen Kernzielgruppe des Coworking, genutzt. Auch viele Menschen im Angestelltenverhältnis, in unterschiedlichen Berufsbildern, ohne akademischen Schulabschluss und mit einer breiten Altersstruktur nehmen dieses Angebot wahr. "Coworking auf dem Land hat eine sehr viel breitere Zielgruppe und größere Integrationskraft als in der Stadt. Es wird von all jenen nachgefragt, die ein Bedürfnis nach Gemeinschaft haben und sich ihren Arbeitsort frei auswählen können", stellt Ulrich Bähr, Geschäftsführer von CoworkLand, fest. Eine genauso große Vielfalt gibt es auf Seiten derer, die Coworking anbieten. "Wir sind davon überzeugt, dass Coworking auf dem Land das Zeug zum Massenphänomen hat und für einen wirksamen Strukturwandel sorgen kann", erläutert Bähr.

Vorteile gegenüber Homeoffice in Zeiten der Pandemie

In Zeiten von Corona arbeiten viele Menschen von zu Hause. Doch das nervt. Coworking-Spaces können helfen.
Viele Menschen sind genervt vom Homeoffice und wollen auch während Corona lieber in einem echten Büro sitzen. Coworking-Spaces können hier helfen.
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Durch den Ausbruch der Corona-Pandemie mussten viele Menschen zwangsläufig ihren Arbeitsplatz im Büro räumen und einen alternativen Ort zum Arbeiten finden. Diese Entwicklung könnte dem Coworking im ländlichen Raum einen zusätzlichen Schub geben, wie die Befragungen im Rahmen der Studie nach dem Corona-Ausbruch nahelegen. Zwar haben Abstandsregeln und Kontaktverbote kurzfristig das auf Gemeinsamkeit ausgerichtete Arbeitsmodell belastet. Langfristig hätten die Corona-Erfahrungen, wie viele Befragte berichten, gezeigt, dass ein Arbeiten außerhalb des Büros möglich ist und auch Vorteile gegenüber dem Homeoffice hat. Es gibt weiterhin sozialen Kontakt, und eine klare Abgrenzung zwischen Berufs- und Privatleben. "Mobiles Arbeiten kommt den Bedürfnissen vieler Angestellter deutlich mehr entgegen als der bloße Umzug ins Homeoffice. Arbeitgeber:innen, Tarifpartner:innen sowie der Gesetzgeber sollten daher Rahmenbedingungen schaffen, die eine Verlagerung der Tätigkeiten an neue, alternative Arbeitsorte begünstigen", empfiehlt Bähr.