Experten fordern Rentenreformen als Lösung

Jeder fünfte Rentner von Altersarmut bedroht

12. September 2019 - 16:14 Uhr

Rentenreformen könnten Altersarmut stoppen

Mehr als jeder fünfte Rentner in Deutschland könnte in 20 Jahren von Altersarmut bedroht sein. Das zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag von Bertelsmann. Das Rentensystem müsse dringend reformiert werden, um den Anstieg der Altersarmut aufzuhalten, erklärte Studienleiter Christof Schiller von der Bertelsmann Stiftung.

Im Video zeigt die 69-jährige Heidi Steenbock, warum sie nach wie vor fünf Tage in der Woche arbeitet. Außerdem  erklärt Philipp Stielow vom Sozialverband Hessen-Thüringen, warum die Renten in Deutschland oft so niedrig sind.

Vor allem Geringqualifizierte, Alleinstehende und länger Arbeitslose betroffen

Selbst wenn die Konjunktur weiterhin so gut läuft wie zurzeit, könnte der Anteil der von Armut bedrohten Rentner bis 2039 von 16,8 auf 21,6 Prozent wachsen. Vor allem Geringqualifizierte, Alleinstehende und Menschen, die seit Längerem arbeitslos sind, seien davon betroffen. Deshalb müssten gerade diese Menschen besser gefördert werden, damit sie wieder Arbeit bekommen.

Generell sei eine Rentenreform nötig. "Neben beschäftigungspolitischen Maßnahmen, um Risikogruppen noch besser in Arbeit zu bringen, sind auch zielgenaue Reformen des Rentensystems notwendig, um den Anstieg der Altersarmut zu bremsen", erklärte Schiller.

Die Forscher sind von den Koalitionsplänen nicht begeistert

ARCHIV - 16.01.2014, Bayern, Landshut: Eine ältere Frau geht mit einem Rollator auf einem Weg entlang. Foto: Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der Studie zufolge könnte ab dem Jahr 2039 mehr als jeder fünfte Rentner von Altersarmut betroffen sein.
© dpa, Armin Weigel, awe vfd htf req sja

Von den Rentenreform-Plänen der Koalition dagegen zeigen sich die Forscher wenig begeistert. Denn die von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geplante Grundrente ohne eine Prüfung der Bedürftigkeit sei nicht zielführend. Deshalb schlug Studienleiter Schiller vor, das Heil-Konzept um eine Einkommensprüfung zu ergänzen. Außerdem sollten auch mehr Menschen von der Grundrente profitieren können, die längere Zeiten ohne Rentenversicherung aufweisen als derzeit geplant. Die Koalition will, dass man 35 Versicherungsjahre aufweisen muss.

Die Forscher sehen aber auch in einer anderen möglichen Reform Vorteile. Würde die Grundsicherung deutlich ausgeweitet und könnten Bezieher einen Teil ihrer gesetzlichen Rente anrechnungsfrei behalten, könnte das Armutsrisiko nach ihren Berechnungen deutlich begrenzt werden. Als von Armut bedroht gelten Menschen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens. Der Studie zufolge sind das Personen, deren monatliches Nettoeinkommen unter 905 Euro liegt.