Berlinerin lebt freiwillig im Flüchtlingscamp

18. Oktober 2013 - 19:18 Uhr

Zusammenleben mit Flüchtlingsopfern

Tania Gärtner fällt einfach auf, als einzige Frau unter Männern, als einzige Blondine unter dunkelhäutigen Afrikanern. Die 48-jährige Berlinerin lebt freiwillig in einem illegalen Flüchtlingscamp in der Hauptstadt, zusammen mit Menschen, die die gefährliche Flucht über Lampedusa überlebt haben. Sie muss auf sehr vieles verzichten. Doch endlich, so sagt sie, werden die Menschen dort wahrgenommen.

Berlinerin lebt mit den Flüchtlingen
Als einzige Frau lebt Tania Gärtner zusammen mit 150 afrikanischen Männern im Berliner Flüchtlingscamp.

Eigentlich hat Tania Gärtner eine warme Wohnung, doch sie hungert und friert im Zeltlager mitten auf dem Berliner Oranienplatz. Dort lebt die 48-Jährige als einzige Frau unter 150 afrikanischen Flüchtlingen. Das Geld für Essen ist knapp, Duschen sind nicht vorhanden, stattdessen gibt es nur eine Containertoilette. Doch die Berlinerin hat sich freiwillig für diese unwürdigen Lebensbedingungen entschieden, um auf das Schicksal der hierher geflüchteten Menschen aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit ihnen will sie um das Recht kämpfen, in Deutschland zu leben und zu arbeiten, ohne Angst vor Abschiebung haben zu müssen.

Es müssten mehr Flüchtlinge aufgenommen werden

Das Schicksal dieser Menschen ist dennoch für viele unter uns weit weg, weil es sich zwischen Nordafrika und der italienischen Insel Lampedusa abspielt. Vor Krieg und Elend versuchen Afrikaner dort zu fliehen, mit einer lebensgefährlichen Überfahrt auf kleinen Booten, damit die Marine sie nicht entdeckt. 20.000 Menschen sind dabei bereits ums Leben gekommen. Fast 400 Menschen ertranken bei dem dramatischen Bootsunglück Anfang Oktober sowie an weiteren Dramen in der vergangenen Woche. Dennoch bekamen die Bürgerkriegsflüchtlinge bei ihrer Flucht in ein anderes Land anstatt einer Aufenthaltserlaubnis nur ein Visum, mit dem sie nach Deutschland weiterreisen konnten. Aber auch hier wird Asyl abgelehnt, die Flüchtlinge sollen zurück nach Italien.

Ein Kreislauf, bei dem die Afrikaner nirgendwo bleiben dürfen. Ausgebildete Lehrer, Übersetzer oder Handwerker, denen es verboten ist hier zu arbeiten. Jetzt soll der Strom abgestellt werden, die Spenden reichen nicht mehr, um die Rechnung zu bezahlen. Dennoch gibt Tania Gärtner nicht auf und tut alles um den Flüchtlingsopfern zu helfen und sie zu unterstützen. Auch EU-Präsident Martin Schulz setzt sich für die zahlreichen Flüchtlingsopfer ein, indem er die Bundesregierung zur Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge auffordert. "Es ist eine Schande, dass die EU Italien mit dem Flüchtlingsstrom aus Afrika so lange alleingelassen hat", kritisierte er in der Bild-Zeitung. Somit müssten in Zukunft die Flüchtlinge gerechter auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt werden. "Das heißt auch, dass Deutschland zusätzliche Menschen aufnehmen muss", sagte Schulz der Süddeutschen Zeitung.

Das Flüchtlingselend aus den Nachrichten jetzt direkt vor der eigenen Haustür zu haben ist für viele Berliner Anwohner ein Problem, da sie sich gestört fühlen. Trotzdem denkt Tania Gärtner nicht daran, das Camp zu verlassen, bevor es eine politische Lösung für den illegalen Status der Flüchtlinge gibt.