Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli fordert: KZ-Besuch soll Pflicht werden - für Migranten und Deutsche

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli will, dass der Besuch in einem ehemaligen KZ für alle Menschen, die in Deutschland, leben Pflicht wird.
Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli will, dass der Besuch in einem ehemaligen KZ für alle Menschen, die in Deutschland, leben Pflicht wird.
© deutsche presse agentur

07. Januar 2018 - 16:58 Uhr

Sawsan Chebli will Antisemitismus bekämpfen

Als im Dezember arabische Gruppen in Berlin zu Anti-Israel-Protesten aufriefen und die israelische Flagge verbrannten, war das Entsetzen groß. CDU und CSU forderten, antisemitische Migranten sofort auszuweisen. Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli hat jedoch einen anderen Vorschlag: Sie will, dass der Besuch in einem ehemaligen KZ für alle Einwanderer Pflicht wird – aber auch für alle Deutschen.

KZ-Besuch könnte Bestandteil des Integrationskurses werden

"Ich fände es sinnvoll, wenn jeder, der in diesem Land lebt, verpflichtet würde, mindestens einmal in seinem Leben eine KZ-Gedenkstätte besucht zu haben. Das gilt auch für jene, die neu zu uns gekommen sind", sagte die SPD-Politikerin der 'Bild am Sonntag'. Der Besuch in einem ehemaligen Konzentrationslager könnte beispielsweise Bestandteil eines Integrationskurses werden.

Sawsan Chebli fordert schon seit längerem, dass sich Muslime gegen Antisemitismus engagieren. Deutsche Muslime seien Teil der deutschen Gesellschaft, die noch lange nicht damit fertig sei, die Verbrechen der NS-Zeit aufzuarbeiten. Als Deutsche hätten Muslime damit eine Verantwortung, gegen Schlussstrich-Debatten und Vergessen einzustehen, schrieb sie in einem Beitrag für den 'Tagesspiegel'.

Sawsan Chebli: Deutsche Identität muss alle einschließen

Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli ist selbst Muslimin und die Tochter palästinensischer Flüchtlinge. Die 39-Jährige glaubt, dass sich die dritte Generation muslimischer Einwanderer in Deutschland deutlich schwerer tue als ihre eigene Generation. "Das hat nicht nur, aber auch etwas mit Diskriminierungs- und Ablehnungserfahrungen zu tun", erklärte sie. Wenn sich der "emotionale Rückzug" dieser jungen Menschen verfestige, könne das zum Problem werden, meint die Staatssekretärin. Deutsche Identität dürfe sich nicht in Abgrenzung zu einer anderen bilden, darum forderte sie eine positive Definition, "die alle miteinschließt".