Berliner Senat finanziert menschenverachtendes Experiment: Straßenkinder an Pädophile vermittelt

6. Dezember 2016 - 17:30 Uhr

Opfer im Alter zwischen 13 und 17 Jahren

Es ist ein Experiment, das fassungslos macht: In Berlin sind in den 70er-Jahren Straßenkinder bewusst an zum Teil vorbestrafte Pädophile vermittelt worden. Und das obwohl klar zu befürchten war, dass die Kinder sexuell missbraucht werden könnten. Bezahlt hat das der Berliner Senat, die Empfehlung dafür kam von einem Wissenschaftler im Pädagogischen Zentrum mit Verbindungen zur Odenwaldschule. Mit einer ersten Studie soll dieser Skandal jetzt aufgearbeitet werden.

Die Opfer waren Jungen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Die meisten hatten keine Familie, lebten auf der Straße. Solange, bis sie an pädophile Pflegeväter vermittelt wurden. "Die haben sich um diese Kinder gekümmert, ihnen beispielsweise die Wäsche gewaschen und Essen gemacht", sagt Dr. Teresa Nentwig vom Göttinger Institut für Demokratieforschung. "Und als Gegenleistung haben sie dann sexuelle Kontakte oder ein sexuelles Verhältnis zu den Kindern gehabt."

Der 2008 verstorbene Sozialpädagoge Helmut Kentler vermittelte den Kontakt zwischen den Jungen und mindestens drei pädophilen Männern. Es war ein menschenverachtendes Experiment, mit dem er die Jungen von der Straße kriegen wollte. Aus dem Missbrauch machte er kein Geheimnis, wie Veröffentlichungen von damals zeigen: "Mir war klar, dass die drei Männer vor allem darum so viel für 'ihren' Jungen taten, weil sie mit ihm ein sexuelles Verhältnis hatten", heißt es.

Senat will Opfer entschädigen

Auch Mitarbeiter der damaligen Senatsverwaltung müssen davon gewusst haben, denn sie zahlten den Männern Pflegegelder. Zudem zeigt die Studie, dass die Behörde mindestens ein Straßenkind an die Odenwaldschule vermittelt hat. Heute ist bekannt, dass dort Schüler jahrelang systematisch missbraucht wurden. Der Senat will die Opfer jetzt entschädigen.

"Da ist eben eine Ansprechstelle hier im Hause benannt, an die sich Betroffene wenden können", sagt Berlins Staatssekretärin für Jugend und Familie, Sigrid Klebba. "Wir sind sehr daran interessiert, es aufzuklären, weil es sich hier ganz eindeutig um ein Verbrechen handelt." Weitere Studien sollen jetzt klären, wer die Pflegeväter von damals waren und wie viele Jungen ihnen vermittelt wurden.